Region: Augsburger Land

Adelsried steht auf: Eine Dorf setzt sich zur Wehr

LeserReporter Ludwig Lenzgeiger aus Adelsried
Über 200 Bürger waren innerhalb von nur drei Stunden beim Infomobil der Deutschen Bahn und taten ihren Unmut über die ICE-Trasse kund.

Der Andrang beim Informationsstand der Deutschen Bahn zum Bahnprojekt Ulm-Augsburg in Adelsried war groß und die Position der Bürger deutlich: Adelsried möchte keine Trasse entlang der A8 oder durch das Rothtal, sondern den Bestandsausbau wie seit Jahren einhellig in der Region gefordert.

Binnen weniger Stunden nahmen weit über 200 Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit wahr, sich über das ICE-Projekt zwischen Ulm und Augsburg zu informieren und ihre Meinung kund zu tun. Die Bahn traf dabei allerdings vor Ort auf wenig Gegenliebe, verlaufen denn auch zwei der aktuell debattierten Trassen in unmittelbarer Nähe zum Dorf, das ohnehin bereits unter Autobahnlärm zu leiden hat.

Mit deutlichen Plakaten und klaren Bekenntnissen zum Bahnausbau entlang des Bestandes äußerten sich die Adelsrieder gegenüber den Konzernmitarbeitern. Flächenfraß, Lärmbelästigung, Belastung ohne Nutzen für die Region und heftige Einschrönkungen der gemeindlichen Entwicklungsmöglichkeiten sowie die Abwertung der Lebensqualität im Dorf waren nur einige der vorgebrachten Kritikpunkte. Die Bahn wiederum verwies auf die aktuelle Phase der Entscheidungsfindung und Feinplanung, in der noch nichts definitiv fixiert sei.

Mit der Informationsarbeit waren zahlreiche Bürger mithin wenig zufrieden. Auskünfte zu Höhen von Brückenbauwerken konnten ebenso wenig dargelegt werden, wie Aussagen zum möglichen Lärmschutz beziehungsweise der Lärmimmission überhaupt getroffen wurden. Führende Vertreter und Planer der Bahn hatten sich entschuldigen lassen.

Vertreter des Gemeinderates über alle Fraktionen hinweg (CSU, FW, Grüne) hatten eine Unterschriftenliste ausgelegt, in die sich Bürger eintragen konnten, um die Geschlossenheit der Region zu untermauern. Ein klares NEIN zur ICE-Trasse durch den Naturpark und ein klares JA zum Bestandsausbau mit einem echten Mehrwert für die Region ist mit der Unterschrift verbunden. Binnen kürzester Zeit hatten bereits 200 Anwesende sich eingetragen. Zudem nutzte man die Möglichkeit, um mit Vertretern von Bürgerinitiativen aus dem Raum von "Stuttgart 21" in Kontakt zu treten, die die Bereitschaft zur Zusammenarbeit und Beratung zusagten.

Die Räte und aktive Bürger möchten mit der Unterschriftenaktion klar und deutlich die Einigkeit der Bürgerschaft und der Region zum Ausdruck bringen.

In den kommenden Wochen sind zudem zahlreiche weitere Aktionen geplant.

So werden Unterschriftenlisten ausgelegt und Unterschriften aktiv durch Hausbesuche gesammelt.

Die Gemeinde selbst hat mittlerweile einen Rechtsbeistand herangezogen, der alle juristischen Möglichkeiten aufarbeitet und sondiert. In naher Zukunft wird deshalb auch eine Bürgerversammlung einberufen, um zu informieren und den Protest in effiziente Bahnen zu lenken.

In der kommenden Woche beteiligt sich Adelsried zudem bei den Sondierungen zu einer überörtlichen, interkommunalen Bürgerinitiative mit Hirblingen, Horgau, Zusmarshausen und weiteren betroffenen Gemeinden.

Der Druck müsse über lange Zeit hoch gehalten werden, man müsse klar artikulieren, dass der Widerstand stark sei und dass die ganze Region zusammenhalte. "Die Bahn muss uns entgegenkommen und kann sich nicht hinter Verantwortungsdiffusion und selbst geschaffenen Fakten verstecken. Der Bestandsausbau muss dabei mit Bahnhofsaubau und Lärmschutz verknüpft sein, denn nur indem die Maßnahme den Menschen vor Ort zugute kommt, schafft man Akzeptanz", so Bürgermeister Bernhard vor dem Rathaus.
 

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Kommentare

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Beitrag von LeserReporter: Josef Stöckle
17. November 2021 - 19:27

Gefällt mit sehr gut, wir ziehen am gleichen Strang, und zwar in die gleichen Richtung

kleine Richtigstellung:

Die Gründung einer Bürgerinitative kommt aus Wollbach, einem Ortsteil von Zusmarshausen !

 


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