Region: Augsburger Land

Landwirtschaft im Umbruch

Nicht jeder Bauer konnte sich Pferde oder Ochsen leisten. Manche spannten Milchkühe vor den Wagen.

Inzwischen versorgen Landwirte Menschen nicht nur mit Nahrungsmitteln.

Stefan Reitmayer führt mit seiner Familie die Landwirtschaft in vierter Generation. Früher betrieben sie eine Milchwirtschaft, jetzt stellt die Biogasanlage das Hauptgeschäft dar. Der Strom wird in das Stromnetz eingespeist, die Abwärme nutzt die Familie für die Wohnhäuser und die Holzhalle, in der Brennholz trocknet. Die ehemalige Ziegelei, wo jetzt ein Industriegebiet ist, wird ebenfalls beheizt und Wohneinheiten, die gegenüber des Hofs entstehen, sollen auch von der Abwärme profitieren. Zu dem landwirtschaftlichen Betrieb gehört weiter ein Holzhandel, in dem sie Holz aus dem eigenen Wald und zugekauftes Holz aus der Region anbieten. Die Halle, in der Schwader, Maissägerät und andere landwirtschaftliche Geräte stehen, besteht aus Holz aus dem eigenen Wald. „Wir versuchen viel selber zu machen“, sagt Sinem Akin, Reitmayers Lebensgefährtin. „Dass wir alles, was wir erzeugen, sinnvoll an den Mann bringen.“

Auf einem kleinen Acker pflanzt die Familie Gemüse wie Kartoffeln und Kürbis an, eine Obstwiese befindet sich gleich am Haus. Eine Leidenschaft von Vater Josef Reitmayer sind die schottischen Hochlandrinder, die das ganze Jahr auf einer Weide leben.

Um Feldfrüchte anzubauen und zu ernten, stehen Maschinen zur Verfügung. So dreht ein Schwader das gemähte Gras mehrfach um, ein Maissägerät gräbt ein, sät und düngt in einem und Grubber mit Gülle-Injektoren grubbern den Boden auf, arbeiten die Gülle in den Boden ein, statt sie breitflächig auf dem Boden zu verteilen, und schließen den Boden wieder. Letztere Maschine kommt etwa zum Einsatz, nachdem der Weizen abgeerntet ist. Danach ist die Erde bereit für eine Zwischenfrucht wie Rettich.

Handarbeit und Pferdestärken

Vor etwa hundert Jahren gab es keine Melkmaschinen, die Wiesen wurden von Hand gemäht, zum Einsatz kam eine Sense. Ochsen zogen Pflug und Wagen. Besonders wohlhabende Bauern leisteten sich Pferde, während bei nicht so gut gestellten Höfen auch schon mal die Milchkuh als Zugtier herhalten musste.

Einen Einblick in diese Zeit gibt Landwirt Alois Wundlechner in seinen Erinnerungen, die er aufgeschrieben hat. Geboren am 12. Februar 1924 als viertes von zwölf Kindern der Eheleute Aloisia und Franz Wundlechner in Habertsweiler, wuchs er in einem kleinen landwirtschaftlichen Betrieb mit vier Hektar Land- und zwei Hektar Forstwirtschaft auf. Auf dem Hof der Eltern mussten der junge Alois und seine Geschwister mithelfen, also den Stallmist auf den Wiesen ausbringen, Kartoffeln legen oder auf den Getreidefeldern Disteln stechen. Claudia Ried, Vorsitzende des Heimatvereins für den Landkreis Augsburg, erklärt: "Auch vor einhundert Jahren war die Größe seines elterlichen Anwesens nicht besonders stattlich, zumal davon zeitweise mehr als zehn Familienmitglieder ernährt werden mussten."

Ein besonderes Weihnachtsgeschenk

Seine erste 16-PS starke Zugmaschine konnte sich Wundlechner übrigens erst Weihnachten 1955 kaufen. Zu dieser Zeit hatte er bereits mit seiner Ehefrau einen eigenen landwirtschaftlichen Betrieb in Adelsried.

„Während die in Habertsweiler ansässige Familie Wundlechner in den 1920er-Jahren ihre Landwirtschaft weitgehend noch ohne technische Hilfsmittel betrieben hat, setzte in den 1950er-Jahren auch in Bayerisch-Schwaben ein rasanter Strukturwandel ein, der die Landwirtschaft und den ländlichen Raum innerhalb weniger Jahrzehnte grundsätzlich veränderte“, so Ried. Damit verbunden waren ein deutlicher Rückgang der Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe und Arbeitskräfte, Ertragssteigerungen, eine Spezialisierung der Produktion und die weitgehende Technisierung der Landarbeit.

Wohin sich Landwirtschaft entwickeln kann, sieht man auf dem Hof der Familie Reitmayer. Aber damit ist der Wandel sicherlich noch nicht abgeschlossen.

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