Region: Augsburger Land

Bürgerversammlung in Adelsried: Die Gemeinde wächst – Der Bahnausbau stößt auf Ablehnung

StaZ-Reporter Ludwig Lenzgeiger aus Adelsried
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Im Adelsrieder Schützenheim stand das Bahnprojekt Ulm-Augsburg und die Gemeindeentwicklung auf der Agenda.

Adelsried. Das Interesse der Adelsrieder und Kruichener Bürger an der Bürgerversammlung im gute gefüllten Schützenheim war rege. Es gab Informationen über die Entwicklung der Gemeinde und insbesondere die Situation rund um den Bahnausbau Ulm-Augsburg.

Bevor es zum Kernthema der Bürgerversammlung, nämlich den möglichen Konsequenzen des Bahnausbaus zwischen Ulm und Augsburg kam, nutzte Bürgermeister Sebastian Bernhard die Chance, um über die gemeindliche Entwicklung zu informieren. Zu den zentralen Entwicklungsthemen wird in diesem Jahr noch eine weitere Versammlung abgehalten.

In Adelsried stehen Investitionen auf der Agenda: Für eine zukunftsfeste Kommune

Bernhard skizzierte dabei die „großen Baustellen der Kommune, die seit nunmehr zwei Jahren angegriffen werden“ und verwies auf die mittlerweile erfolgte Ausschreibung zum Kindergartenausbau, die die Grundlage für Förderung und weitere Schritte bezüglich Neu-, An- und Umbau darstellt. Im Hinblick auf die Schulhauserweiterung und -sanierung befinde man sich nach langer coronabedingter Verzögerung nun in den letzten Zügen der Absprache mit der Regierung von Schwaben. Hierbei sei es der Gemeinde aber ein Anliegen, noch mehr Raum als ursprünglich geplant gefördert zu erhalten, um großzügig zu erweitern. „Wir möchten nicht jetzt mit dem Bau beginnen, um vor der Fertigstellung festzustellen, dass wir neue Klassenzimmer brauchen“, erklärte Bürgermeister Bernhard. Zudem gab er einen Überblick über die finanzielle Entwicklung der Gemeinde, die sich zwar seit 2019 deutlich positiv gestalte (Rückgang der Schulden um rund 600.000 Euro auf mittlerweile etwa eine Millionen Euro bei gleichzeitigem Ausbau der Rücklagen um 1,7 Millionen Euro auf rund 3,1 Millionen), aber gleichwohl eine Konzentration auf Kernaufgaben einfordere. „Wir haben viele Investitionen vor uns, von denen der Kindergarten nur die größte sein wird, Kanalnetzerneuerung, Wasserqualität, Bevölkerungswachstum, Gewerbeentwicklung“, der Ort habe viel vor, um zukunftssicher zu werden.  

Eine Neubaustrecke entlang der A8 wird klar abgelehnt: Einsatz der Bürger gefragt

Im Anschluss an die Ausführungen zur Gemeindeentwicklung stellte der Bürgermeister noch die kommunale Position zum aktuell vielfach diskutierten Bahnprojekt Ulm-Augsburg vor. Die politische Gemeinde spreche sich dabei klar und in Einklang mit den bestehenden Resolutionen des Augsburger Kreistags gegen einen Ausbau auf der kommunalen Flur entlang der A8 aus, da so ebenso die kommunale Planungshoheit sowie Entwicklungspotenziale stark eingeschränkt würden, wie zudem die Bürger nur mit Nachteilen wie Lärmbelastung und Grundstückentwertung zu rechnen hätten, ohne irgendwelche Vorteile im Gegenzug zu erhalten. Diesbezüglich erhielt Bernhard viel Zustimmung seitens der Bürgerschaft, die dem Projekt ablehnend gegenübersteht. Dementsprechend rege wurde an diesem Abend die Möglichkeit genutzt, sich beim Rechtsanwalt der Gemeinde zu informieren. Josef Geislinger, Fachanwalt für Verwaltungsrecht, erfahren in Auseinandersetzungen mit der Bahn und unter anderem spezialisiert auf Raumordnungs- und Fachplanungsrecht, vertritt die Gemeinde Adelsried und stand an diesem Abend für Fragen zur Verfügung. Geislinger betonte, dass vor allem die nun Bürger eine besondere Chance hätten, die Planungen in ihrem Sinne zu lenken. Druck auf die politischen Vertreter des Landes und des Bundes, Einforderung klarer Aussagen zum Projekt, Geltendmachung von Eigentumsrechten gegenüber der Bahn, seien nur eine Auswahl von Möglichkeiten, die jeder Einzelne habe. Insbesondere wies er auf das besonders geschützte Privateigentum hin, das – im Gegensatz zum Gebiet der Kommune – mit guten Erfolgsaussichten rechtlich geltend gemacht werden könne.

Die engagierten Bürger sind in Schwaben vernetzt: Bürgerinitiative Schwabentrasse (BISCHT) vorgestellt

In diesem Sinne nutzte Heiko Mohr als Vertreter der Bürgerinitiative Schwabentrasse die Chance, dieses Netzwerk von Bürgerinitiativen von Augsburg bis Ulm entlang der geplanten Trasse vorzustellen. Als örtlicher Sprecher legte Mohr dar, wie die einzelnen Bürgerinitiativen dort gemeinsam mit einer Stimme für einen Bahnausbau zum Wohle der Region arbeiteten. „Entlang der A8 setzen wir uns hier gezielt dafür ein, dass es einen Bahnausbau mit Mehrwert für die Menschen gibt. Keine vermeintlich einfache Neubaustrecke auf der grünen Wiese, die Ressourcen verspielt und Natur betoniert, sondern ein bedarfsgerechter Ausbau des Bestandes mit Sanierung der Bahnhöfe, Verbesserung des Lärmschutzes und Optimierung der Nahverkehrstaktung; das ist unsere Losung. Was die Bahn aktuell möchte, ist Gewinnoptimierung auf dem Rücken der Bahnpendler und unserer Heimat“, stellte Mohr klar. Er war dafür, auf allen Kanälen, ob in einer Initiative oder als Einzelner, das Projekt kritisch zu begleiten und klar zu machen, dass die Bahn nicht allein an den Fernverkehr denken dürfte und die Verantwortungsverschiebung ein Ende haben müsse.

Kommentare

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Beitrag von StaZ-Reporter: Michael Kerschl
20. Juni 2022 - 03:49

Junge junge, was hier und auch im Bibertal bzgl. Lärmschutz für ein Popanz aufgebaut wird, ist unglaublich.
Es gibt 2 Trassenvarianten entlang der Autobahn bei Adelsried, Türkis und Orange. Östlich von Adelsried ist ein Tunnel vorgesehen und im Bereich Adelsried soll die Trasse auf einer Brücke die Anschlussstelle Adelsried der A8 überqueren, einige 100 Meter von den ersten Grundstücken entfernt. . Und bei einer Brücke wird immer auch eine ca. 2-3 Meter hohe Lärmschutzwand aufgebaut die den ganzen Lärm den die Räder verursachen abfängt. Und jetzt jammern alle wegen hohem Lärm rum, den kein einziger Adelsrieder je hören oder wahrnehmen wird.
Und da auch mal Folgendes: Habt ihr auch schon mal die Menschen aus Diedorf und Gessertshausen gefragt, wie es dort bzgl. Lärm für sie ist? Dort rast der ICE seit Jahrzehnten mit knapp 200 km/h vorbei und hier befinden sich direkt neben den Bahnhöfen Grundstücke und es gibt keine Lärmschutzwände. Ich höre von den Gemeinden seit Jahrzehnten keinerlei Protest, dass hier der ICE 10-20 Meter neben dem Haus mit 200 km/h vorbeisaust und das enormen Lärm verursacht.

 


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