Region: Augsburger Land

Klare Prioritäten: Adelsrieder Rat lehnt Badbeschluss ab

LeserReporter Ludwig Lenzgeiger aus Adelsried

Bei der Sitzung im Adelsrieder Rathaus wehrte sich der Gemeinderat gegen einen Badbaubeschluss angesichts des derzeitigen Planungs- und Informationsstandes.

Adelsried. Auf der vergangenen Sitzung des Gemeinderates in Adelsried stand zum Jahresabschluss das Projekt eines Naturfreibades auf Adelsrieder Flur auf der Tagesordnung. Die Räte beschlossen eindeutig, das Projekt unter den gegebenen Bedingungen nicht weiter zu verfolgen. Die Prioritäten der Gemeinde liegen bei der Daseinsfürsorge, dem Ausbau von Kindergarten und Schule sowie der wirtschaftlichen Konsolidierung der Kommune.

Seit nunmehr rund zwei Jahren wird in den Gemeinden Welden, Bonstetten und Adelsried sowie Emersacker und Heretsried über den möglichen Bau eines Naturfreibades diskutiert. Mündlich wurden bereits Zuschüsse in Aussicht gestellt und einig war man sich bislang darin, Planungen zu beauftragen, die konkrete Kosten für Bau und Betrieb offenlegen. Damit diese Planungen jedoch wiederum bezuschusst würden, fordert das Amt für Ländliche Entwicklung (ALE), dass die Gemeinden den Bau definitiv beschließen. Dies ging dem Großteil der Adelsrieder Gemeinderäte zu weit, denn Skepsis in der Bürgerschaft sowie im Gremium war bereits in der vergangenen Periode deutlich zu spüren.

Viele offene Fragen und Unsicherheiten

Der Fraktionsvorsitzende der Adelsrieder Christsozialen Heiko Mohr ordnete die Debatte in der Sitzung historisch ein: „Wir haben bei den vergangenen Bürgerveranstaltungen viele kritische Stimmen gehört und diese waren absolut berechtigt. Zuviel ist mit Blick auf das Projekt immer noch im Unklaren als das wir unsere Gemeinde mit einem Beschluss fesseln können.“ Die Kostenaufteilung, das habe bereits der ehemalige Rat festgestellt, sei zudem für Adelsried nicht zufriedenstellend, wenn die Gemeinde 40% zu tragen habe und andere Gemeinden in Badnähe jedoch nur 2 %, erläuterte Mohr.

Die Bedenken untermauerte auch der Projektingenieur Hansjürgen Krist (Bündnis 90/Grüne), der erst seit dieser Periode im Gremium sitzt und die bisher unternommenen Untersuchungen kleinteilig und kritisch prüfte. Er wies den Gemeinderat auf zahlreiche Schwachstellen der Gutachten hin, die sich weder konkret zu Betriebskosten noch zur Personalsituation äußerten. „Das zentrale Gutachten ist eine Werbebroschüre für ein Freibad. Diese kann keine Grundlage für eine Entscheidung sein“, urteilte Krist. Parteikollegin Martina Feyrsinger vertrat die gleiche Ansicht und betonte zudem, dass auch in einem Gutachten ausdrücklich darauf hingewiesen werde, dass ein Freibad immer ein ideelles Projekt bleibe. Was bislang vorliege, könne keine Grundlage für eine Entscheidung für die nächsten Jahrzehnte sein.

Josef Zott (CSU) hob hervor, dass zudem aus seiner Sicht der Kreis der beteiligten Gemeinden zu klein wie auch die Standortfrage zu schnell und eng gefasst geworden sei, da Badegäste zweifellos auch aus Altenmünster oder Aystetten und Horgau kämen. „Die Zuwegung ist immer noch mit einem großen und im Zweifel äußerst teuren Fragezeichen versehen“, gab zudem Parteikollege Rainer Schrenk (CSU) zu bedenken.

Eine zusätzlichen Kritikpunkt brachte Biolandwirt Jörg Ostermeier (CSU) auf: „Wir sind stolz auf unsere neue Umgehung und freuen uns über die Verkehrsberuhigung. Gleichzeitig möchten wir uns nun mit dem Bad wieder die Fahrzeuge ins Dorf holen und zudem unser wunderschönen Laugnatal verbauen. Das kann ich nicht unterstützen.“

Knappe Kassen in der Zukunft

Zweiter Bürgermeister Ludwig Lenzgeiger (CSU) betonte, dass selbst die Investitionskosten, auch wenn sie bei den rund 4,5 Millionen Euro der losen und mittlerweile veralteten Schätzung blieben, für ein solches Projekt die Kraft der Gemeinde aktuell zu sehr strapazieren würden. „Wir möchten im nächsten Jahr mit dem Schulanbau beginnen, wir möchten spätestens 2022 den Kindergarten in Schuss bringen und unsere Feuerwehr hat auch berechtigte Interesse an einer Modernisierung. Ich sehe hier keinen Spielraum für ein Projekt, bei dem wir die einmaligen Kosten ebenso wenig wie die langfristigen Kosten realistisch einschätzen könnten“, stellte der zweite Bürgermeister dar. Lenzgeiger, der auch im Kreistag sitzt, verwies zudem auf die allgemeine wirtschaftliche Lage. Der Kreishaushalt der kommenden Jahre ebenso wie der Gemeindehaushalt würden die Coronapandemie zu spüren bekommen, die Kreisumlage werde steigen und auch die anderen politischen Ebenen würden in Finanznot kommen, da sei weder mit Fördergeldern zuverlässig zu rechnen, noch sei eine solche Investition überhaupt vor den Steuerzahlern vertretbar.

Verein als Badbetreiber?

Unterstützt wurde das Projekt von den Freien Wählern, die dies bereits im Wahlkampf als Topthema auf ihrer Agenda hatten. Der damalige Bürgermeisterkandidat Anton Rittel warb für das Bad, das die Region attraktiver mache und eine besondere Chance darstelle, zumal hierfür Fraktionsgelder der Regierungsparteien als Sonderförderung in Aussicht gestellt würden. Herbert Kalkbrenner zeigte sich zudem optimistisch, dass die laufenden Badkosten durch ehrenamtliches Engagement stark entlastet werden könnten. Aus Sicht der FW-Fraktion stelle der neue Beschluss außerdem keine wesentliche Veränderung zum bisherigen Sachstand dar, weshalb diesem zugestimmt werden könnte.

Martina Feyrsinger (GRÜNE) legte mit Blick auf eine mögliche Entlastung durch einen Verein deutlich weniger Zuversicht an den Tag: „Mittlerweile sprechen wir in den Sachstandsberichten von mindestens zwei hauptamtlichen Kräften und mehreren zusätzlichen Minijobs, und dieser Bericht ist zudem höchst wage. So etwas kann keinem kleinen Verein zugemutet werden. Wir müssen realistisch bleiben.“

Adelsried attraktiv halten

Der Adelsrieder Bürgermeister Sebastian Bernhard (CSU) leitete die Debatte betont sachlich und gelassen. Ausführlich hatte er bereits eingangs die Unterschiede zwischen bislang gefassten Beschlüssen und der neuen Vorlage dargestellt. Zentral – so der Christsoziale mit Blick auf die Behauptung der FW – sei hierbei, dass der neue Beschluss einem Bau definitiv zustimme, wobei bislang nur für die solide Kostenermittlung gestimmt worden sei. Es liege darüber hinaus ein Gemeinderatsbeschluss aus der vorherigen Periode vor, dem er sich verpflichtet fühle. Als Grenze des Adelsrieder Anteils seien dort 34 % festgelegt worden. Der neue Beschluss fordere aber eine Zusage zu 40%. Zudem würde mit dem Beschluss ein Verkaufspreis für die Freibadflächen festgelegt, über den der Gemeinderat noch nicht abgestimmt habe und er sei nicht bereit, damit den Rat vor vollendete Tatsachen zu stellen. „Ich habe immer gesagt, wir müssen klare Prioritäten setzen und die Coronapandemie zwingt uns stärker dazu, als wir es uns jemals hätten vorstellen können. Dass unsere Region tatsächlich so attraktiv für Einheimische und Neubürger bleibt, wie sie derzeit ist, erreichen wir aber nicht durch ein Bad, sondern durch Investitionen in Kindergarten, Schule und Daseinsfürsorge; Pflicht vor Kür steht jetzt auf der Agenda.“

Diese Sicht der Dinge teilte schließlich der Gemeinderat mehrheitlich und beschied den Beschlussvorschlag mit 5:10 Stimmen negativ, lehnte diesen also ab.

Kommentare

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Beitrag von LeserReporter: Peter Ziegler
22. Dezember 2020 - 13:42

Ein rabenschwarzer Tag für die Adelsrieder Bürger
So müsste die Ergänzung zur Überschrift in o. a. Artikel lauten denn die Darstellung der Sache durch den CSU Gemeinderat Herrn Lenzgeiger ist die eine - einseitige - Sichtweise und nur die halbe Wahrheit. Tatsache ist aber auch, dass der Beschluss der Räte – namentlich die Gemeinderäte von CSU und Grüne – nicht nur die Arbeit von 5 Jahren in verschiedenen Projektgruppen (Amt für ländliche Entwicklung, Entwicklungsforum Holzwinkel und Altenmünster e. V., Fördergruppe, Aktive der anderen beteiligten Gemeinden usw.) zunichte gemacht sondern auch eine einmalige Chance für Generationen von Adelsrieder Bürgern (und denen anderer Gemeinden) für eine spürbare Aufwertung der Lebensqualität verschenkt hat. Nicht nur das, es wurden auch Millionen an schon zugesagten Fördergeldern mit einem Federstrich verschenkt, durch die das Projekt erst möglich und auch durchaus mit vertretbaren Risiken finanzierbar wurde, sonst hätten wohl nicht alle anderen beteiligten Gemeinden zugestimmt. Alleine das zeugt von einer erschreckenden Kurzsichtigkeit und Ignoranz, wird es doch so eine Chance für Jahrzehnte nicht mehr geben. Dass damit die anderen beteiligten Gemeinden vollkommen vor den Kopf gestoßen werden, mit noch nicht absehbaren Folgen, sei nur noch am Rande erwähnt.
Ein besonderes Geschmäckle ergibt sich, wenn man weiß, dass die CSU Fraktion diesem Projekt, das sie jetzt geschlossen ablehnen, noch im Frühjahr diesen Jahres einstimmig! zugestimmt haben, und es haben sich seither keine neuen Zahlen und Risiken ergeben. Da stellt sich schon die Frage nach den tatsächlichen Motiven angesichts dieser 180°-Wendung. Objektivität, Faktenkenntnis und Sachverstand kann es nicht gewesen sein – oder hat das beim Votum im Frühjahr gefehlt? Da scheinen eher subjektive Befindlichkeiten die Grundlage für diese Entscheidung gewesen zu sein.
Es gibt also absolut nichts Positives an diesem Beschluss, auch wenn es Herr Lenzgeiger so hinzudrehen versucht. Da gibt es nichts zum Jubeln! Das war ein rabenschwarzer Tag für die Adelsrieder Bürger!

 


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