Region: Aichach|Friedberg

Täter seien brutaler als in den Vorjahren: 1493 Fälle von häuslicher Gewalt in Nordschwaben

Im Sitzungssaal des Landratsamtes kam der runde Tische „Häusliche Gewalt“ erstmals nach zwei Jahren wieder in Präsenz zusammen.

Zwei Jahre lang hat sich der Runde Tisch „Häusliche Gewalt“ nur digital ausgetauscht und abgesprochen. Nun trafen sich alle Beteiligten in Präsenz im Blauen Palais. Zuvor kam der Runde Tisch einmal jährlich im Landratsamt Aichach-Friedberg zusammen.

Um ein Bild davon zu bekommen, wie es um die Lage im Wittelsbacher Land bestellt ist, berichteten die Polizeiinspektionen Aichach und Friedberg, das Polizeipräsidium Schwaben-Nord, das Frauenhaus Augsburg, via - Wege aus der Gewalt, der Verein weißer Ring, der Verein Wildwasser Augsburg, der Richter des Familiengerichts Aichach und die Gleichstellungsbeauftragte über ihre Eindrücke während der Pandemie. Die Berichte und Einsätze ähnelten sich: Die Zahlen häuslicher Gewaltverbrechen zeigten sich ähnlich den Zahlen vor Corona. Jedoch habe sich die Qualität der Gewalt verändert – Täter seien brutaler als die Jahre zuvor. Auch die Zahl der Scamming- und Stalking-Opfer habe im Landkreis stark zugenommen.

Eine erfreuliche Nachricht überbrachte der weiße Ring, der nun eine Mitarbeiterin für den Landkreis Aichach-Friedberg bereitstellt. In den vergangenen drei Jahren wurde das Wittelsbacher Land unter dem Mantel des Vereins ausschließlich vom Landesbüro Bayern Süd betreut. Vorgestellt wurde auch das Männerhilfetelefon, das von "via – Wege aus der Gewalt" aufgebaut wurde. Mit drei Vollzeitkräften ist das Telefon besetzt und unterstützt Anrufer vertraulich in ihren individuellen Anliegen.

Gewalt ist oft Auslöser für jahrelange Ängste, Depressionen, Schuldgefühle und den Verlust des Selbstwertgefühls bis hin zur Selbstverachtung und Einsamkeit. 1493 Fälle von häuslicher Gewalt vermeldet das Polizeipräsidium Schwaben Nord für das Jahr 2021 und hält sich damit auf ähnlichem Niveau wie in den Vorjahren.

Die Initiatorin des runden Tischs, Gleichstellungsbeauftragte Beate Oswald-Huber, ist sich mit ihren Kollegen einig: „Die Dunkelziffer ist – gerade während des Lockdowns – sicherlich um einiges höher als die dargelegte Zahl. Wir können weiterhin Hilfestellungen anbieten, beraten und unterstützen, anonym per Telefon oder E-Mail aber auch in persona – einfach für die Menschen da sein, die unsere Hilfe benötigen. Umso wichtiger ist es auch weiterhin einen engen Austausch zu fördern, um uns an die Bedürfnisse der Landkreisbürgerinnen und Landkreisbürger anzupassen.“ (pm)

Kommentare

Anmelden um Kommentare zu schreiben
 


X