Region: Aichach|Friedberg

Aktionsbündnis lehnt Osttangente weiterhin ab - trotz Neuplanungen des Staatlichen Bauamtes

LeserReporter Wolfhard von Thienen aus Mering
Osttangntengegner protestieren im Lechfeld bei Kissing
Staatliches Bauamt trifft sich mit Aktionsbündnis und stellt Pläne vor

Kürzlich fand ein Gespräch zwischen dem Aktionsbündnis Keine Osttangente A-KO, dem Bund Naturschutz und dem Staatlichen Bauamt zu den vom Staatlichen Bauamt kürzlich vorgestellten Neuplanungen der Osttangente statt. Die Vorschläge des Bauamtes wurden anschließend während eines Treffens des Aktionsbündnisses ausführlich diskutiert und bewertet. Besonders folgende Aussagen des Bauamtes stießen dabei auf großes Interesse:

Eine Entlastung der B17 in Augsburg kann es auch bei einem komplett vierspurigen Ausbau der Osttangente in voller Länge nicht geben. Für die Anlieger der B300 in Friedberg wird es keine Entlastung geben, auch bei einem vierspurigen Ausbau der AIC25 nicht. In Kissing wird sich die Situation nicht entscheidend verbessern – auch bei Verlegung der B2 auf die Auenstraße westlich der Bahn. Ziel des Projektes sei es nun, eine leistungsfähige Verkehrsachse zwischen Mering und der A8 zur Bündelung des lokalen Verkehrs und Entlastung von Nebenstrecken zu schaffen. Hierfür will man kreuzungsfreie Knotenpunkte schaffen und die AIC25 vierspurig ausbauen. In Kissing soll die B2 auf die Auenstraße westlich der Bahn verlegt werden.

Wolfhard von Thienen, Sprecher des Aktionsbündnisses zeigt sich skeptisch: „Jetzt stellt sich heraus, dass das Ziel der Osttangente, die Entlastung der B17, nicht erreicht werden kann. Versprechen, wie die nachhaltige Entlastung Kissings und Friedbergs, können ebenfalls nicht erfüllt werden. Statt dessen werden ganz neue Ziele definiert, nur um das Projekt und die Finanzierung über den Bundesverkehrswegeplan zu retten“. Gudrun Richter, ebenfalls Sprecherin des Aktionsbündnisses ergänzt: „Das Konzept ist in sich nicht schlüssig, denn es entstehen dadurch neue Verkehrsprobleme, die dann sehr bald einen weiteren Straßenausbau erfordern. Der Bau der Osttangente wird mittelfristig auf Etappen, im Prinzip wie im Bundesverkehrswegeplan aufgeführt, erfolgen“. Auch Josef Metzger von der Aktionsgemeinschaft Lebensraum Lechleite betont, dass es „auf keinem Fall zu einem vierspurigen Ausbau der AIC25 kommen darf, da dies der Einstieg in einen vierspurigen Ausbau der gesamten Osttangente wäre“. Claudia Eser-Schuberth, 3. Bürgermeisterin von Friedberg, lenkt den Blick auf die Bundespolitik: „Es ist klar erkennbar, dass wir die Verkehrsprobleme in unserer Region nicht durch weiteren Straßenbau lösen können, denn sie sind das Resultat einer falschen Verkehrspolitik der vergangenen Jahrzehnte und nur auf Bundesebene durch eine Mobilitätswende lösbar“.

Mitglieder des Aktionsbündnisses sehen Neuplanungen kritisch

Die Mitglieder des Aktionsbündnisses anerkennen in ihrer Presseerklärung die Bemühungen des Bauamtes zur Lösung der regionalen Verkehrsprobleme, sie lehnen aber die vorgeschlagene Lösung ab. Dies wird damit begründet, dass die Straße nach wie vor den Charakter einer Schnellstraße hätte und deutlich mehr Verkehr anziehen würde. Staus seien dann vorprogrammiert und der Ruf nach einem weiteren Ausbau würde schnell kommen. Der Ausbau der AIC25 sei unnötig und überdimensioniert. Er würde hohe Kosten verursachen, allein durch Abriss und Neubau von drei Brücken. Der jetzt geplante kreuzungsfreie Ausbau von sieben Knotenpunkten würde viel Fläche verbrauchen, das Landschaftsbild durch hohe Brückenbauwerke negativ prägen und die Lärmbelastung verstärken. Durch die neue Straße würden viele Orte schwer belastet, der Norden von Mering-St. Afra, die Anwohner der Auenstraße in Kissing sowie die Erholungssuchenden am Auensee und der Friedberger Badeseen, die Kleingartenanlage in Friedberg und die Anwohner von Friedberg-West, Derching, Stätzling und Wulfertshausen. Erfahrungsgemäß werden im Umgriff der Straße weitere Gewerbe- und Industriegebiete angesiedelt, anstatt bislang ungenutzte Gewerbeflächen zu entwickeln.

Aktionsbündnis hat viele Verbesserungsvorschläge

Zur Entlastung der vorhandenen Problemstellen hat das Aktionsbündnis in der Vergangenheit eine Reihe von Vorschlägen gemacht und konkretisiert diese angesichts der Neuplanungen des Bauamtes. So wird gefordert, die Untertunnelung Kissings zu prüfen. Es gäbe viele Beispiele dafür, dass dies auch bei hohem Grundwasserstand möglich ist (Starnberg, München-Allach etc.). Auch würden dadurch die aufwendigen Brückenquerungen der Bahn bei Kissing entfallen und Mering St. Afra-Nord nicht zusätzlich belastet. Statt aufwendiger Hochbauten für kreuzungsfreien Verkehr sollten auch Kreisverkehre geprüft werden. Um den Verkehr insgesamt zu entschleunigen und damit Staus und Unfälle zu minimieren, wird auf der gesamten Strecke außerhalb der Ortschaften Tempo 70 vorgeschlagen. Weitere Tempolimits an neuralgischen Punkten wie z.B. Chippenham-Ring sollten geprüft werden. Innerhalb der Ortschaften sollte Tempo 30 gelten. Die B300 sollte herabgestuft werden, um Tempolimits und Tonnagebeschränkungen umsetzen zu können – sie könne nach Ansicht des Bündnisses schon jetzt auf die AIC25 und A8 verlegt werden. Auch sollten andere Verkehrsträger einbezogen werden: Ausbau des Bahnnetzes für effiziente Warentransporte, Errichtung leistungsfähiger Radschnellnetze und deutliche Verbesserungen des ÖPNV-Angebotes. Eine Bahn- oder Straßenbahnlinie Mering–Königsbrunn-Bobingen sollte geprüft werden.

Bundespolitik spielt eine große Rolle

Nach Ansicht des Aktionsbündnisses hat das kürzliche BGH-Urteil zu den Klimazielen den dringenden Handlungsbedarf deutlich aufgezeigt und damit weitreichende Klagemöglichkeiten gegen die Osttangente eröffnet. „Wir fordern daher den Bundesverkehrsminister auf, den Bundesverkehrswegeplan schnellstens nach Klima- und Umweltgesichtspunkten zu überarbeiten und die Straßenverkehrsordnung zu reformieren. Das Projekt Osttangente muss aus dem Bundesverkehrswegeplan gestrichen werden. Ein großer Teil der für den Neubau von Straßen vorgesehen Bundesmittel sollte zu Gunsten ÖPNV und Radverkehr umgeschichtet werden“ so Wolfhard von Thienen. Gudrun Richter ergänzt „Wir sind gespannt, wie die Diskussionen um den jetzt vorliegenden Vorschlag des Staatlichen Bauamtes verlaufen werden und sind gerne bereit, uns daran, z.B. im Rahmen eines runden Tisches, konstruktiv zu beteiligen“.

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