Region: Aichach|Friedberg

Flüchtlinge aus der Ukraine "Rechtliche Rahmenbedingungen nicht klar": Landratsamt Aichach-Friedberg will Hilfsaktionen koordinieren

Tausende Menschen kommen in Palanca an der Grenze zwischen der Ukraine und Moldau an und steigen in Busse zur Weiterfahrt ein. 

Über das vergangene Wochenende sind insgesamt 46 Menschen über private Initiativen aus der Ukraine im Landkreis Aichach-Friedberg angekommen. Elf davon blieben im Landkreis und sind zunächst notfallmäßig untergekommen, die weiteren haben eine Bleibe außerhalb des Landkreises gefunden und wurden von Familienmitgliedern oder Freunden abgeholt.

„Die Menschen in der Ukraine erleben jeden Tag eine neue Stufe der Gewalteskalation. Umso dankbarer bin ich, dass wir es in gemeinsamer Anstrengung schaffen, die geflüchteten Menschen im Wittelsbacher Land gut aufzunehmen und zu versorgen. Vergelt’s Gott ganz besonders an das Busunternehmen, die Freiwillige Feuerwehr Sielenbach, das großartige Team des Ausländeramtes um Simone Losinger, die Helferinnen und Helfer des roten Kreuzes und die vielen Ehrenamtlichen, die sich um Verpflegung und das Notwendigste gekümmert haben“, sagt Landrat Dr. Klaus Metzger.

Die Flüchtlings-Sprechstunde mit ukrainischen Dolmetschern am Montagnachmittag im Landratsamt war enorm gefragt. Rund 60 Menschen nahmen das Angebot an, stellten Leistungsanträge, hatten asylrechtliche Fragen, informierten das Landratsamt, wo im Landkreis sie untergebracht sind, oder ließen sich zur Situation beraten. „Es freut mich außerordentlich, wie gut dieses Angebot angenommen wird“, so der Landrat. „Das hilft allen Beteiligten – den Flüchtlingen, deren Angehörigen und den Kolleginnen und Kollegen im Ausländeramt.“

Private Businitiativen sollten gut vorbereitet und in jedem Fall mit dem Landratsamt abgesprochen sein. „Dieses Engagement ist natürlich absolut ehrenwert“, so Metzger, andererseits sei für die geplagten Flüchtlinge vor Ort äußerst schwierig zu unterscheiden, wem sie vertrauen könnten und wer ihre schlimme Situation ausnutzen möchte. „Deshalb braucht es neben guter Planung auch viel Fingerspitzengefühl für die Situation an der Grenze“, macht der Landrat deutlich. Bislang gebe es noch keine offiziellen und staatlicherseits organisierten Möglichkeiten für die Leute nach Deutschland zu kommen, und damit auch keine offizielle Beauftragung, die Menschen von dort abzuholen und nach Deutschland zu bringen. Deswegen seien auch die rechtlichen Rahmenbedingungen nicht klar, „und niemand möchte, dass diejenigen, die sich mit unglaublichem ehrenamtlichen Engagement hier einbringen, irgendwie in Schwierigkeiten geraten“. Der Landrat würde sich im Idealfall eine Koordination solcher Hilfsaktionen auf Bundesebene wünschen, dann könnte man die Flüchtlinge auch gleich dorthin bringen, wo Angehörige bereits zur Aufnahme parat stehen. Sehr wichtig ist es, vorab mit dem Landratsamt Kontakt aufzunehmen, damit eine reibungslose Unterbringung gewährleistet ist.

Der Landkreis bereitet sich auf eine größere Anzahl weiterer Flüchtlinge aus der Ukraine vor. Dazu gab es am Montag einen Austausch auf schwäbischer Ebene, mit den Landräten und Präsidenten der Regierung von Schwaben, sowie einen auf bayerischer Ebene mit Innenminister Joachim Herrmann. Am Freitag kommen im Landratsamt die Bürgermeister aus dem Landkreis zusammen, um sich abzustimmen.

Zudem gibt das Landratsamt bekannt, dass fürs Erste noch Unterkünfte für ankommende Flüchtlinge im Wittelsbacher Land zur Verfügung stehen. Dennoch werden für die Menschen aus der Ukraine nach wie vor Wohnraum und Grundstücke zum Anmieten dringend gesucht.

Ansprechpartner im Landratsamt sind Michael Englhart unter Telefon 08251/92-479 oder E-Mail an Michael.englhart@lra- aic-fdb.de und Kerstin Siks, 08251/92-257 oder Kerstin.Siks@ lra-aic-fdb.de.

Bisher sind noch keine unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge aus der Ukraine im Landkreis angekommen. Auch dafür stehen einige betreute Plätze sowie eine Pflegefamilie parat. (pm)

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