Region: Aichach|Friedberg

Aichacher fahren in die Ukraine: Mit Hilfsgütern hin, mit Menschen zurück

Auf den Weg in die Ukraine haben sich Michael Schenk (Mitte) und Sven Voss gemacht. Mit einem befreundeten Busunternehmen aus Regensburg transportieren sie Hilfsgüter ins Kriegsgebiet und hoffen darauf, ukrainische Bürger ins sichere Bayern bringen zu können. Verpflegung für die Fahrt und die aufgenommenen Menschen steuerte unter anderem die Metzgerei von Manfred Rupp in Kühbach bei, Mitarbeiterin Katharina Brummer (links) half beim Einladen.

Die Bilder aus der Ukraine haben Michael Schenk tief getroffen. Die Tränen der Kinder, die flehen, dass der Krieg aufhört. Da wurde dem Aichacher Fahrschulbetreiber klar: „Ich will was machen.“ Seine Mitarbeiter und Kollegen sahen das genauso. Und eine Reihe von Unternehmen aus dem Wittelsbacher und Schrobenhausener Land hat sich angeschlossen. Gemeinsam mit einem befreundeten Busunternehmen aus Regensburg sind Schenk und sein Mitarbeiter Sven Voss nun in die Ukraine aufgebrochen. Sie schaffen Sachspenden ins Kriegsgebiet und hoffen darauf, auf dem Rückweg ukrainische Bürger ins sichere Bayern fahren zu können.

Auf den Weg gebracht hat die Hilfsaktion der Verein Space-Eye mit Gründer Michael Buschheuer in Regensburg. Sein Unternehmen, die Buschheuer Bau- und Korrosionsschutz GmbH, bat um Spenden von Hilfsgütern wie Hygieneartikel, medizinische Güter, Waschmittel, Schlafsäcke und Isomatten. Wer sich darüber hinaus einbringen wollte, konnte sich bei der Hilfsorganisation melden.

Das tat unter anderem das Busunternehmen Reisebayer in Regensburg, das sich zum Ziel setzte, einen Transport für geflüchtete Menschen von der ukrainischen Grenze nach Bayern zu organisieren. Das befreundete Busunternehmen bat den Aichacher „Spezl“ um Unterstützung bei seinem Vorhaben. Der 40-jährige Schenk überlegte nicht lange. In seiner Fahrschule bietet er auch die Möglichkeit zum Bus-Führerschein an. So schloss sich der Kreis. Am Wochenende startete Schenk gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Sven Voss zunächst nach Regensburg und dann Richtung polnisch-ukrainische Grenze.

Das Okay, dass die Fahrt tatsächlich stattfinden kann, kam am Donnerstagvormittag. Seitdem kam Michael Schenk kaum noch zur Ruhe. „Wir mussten in einem Tag organisieren, was man normalerweise Wochen lang plant“, macht er deutlich.

Doch er war nicht allein: Viele Betriebe aus dem Wittelsbacher Land sagten sofort ihre Unterstützung zu. Die Arbeiterwohlfahrt steuerte Müllbeutel und Spuckschalen für die Fahrt bei – „falls es jemandem schlecht wird“, erklärt Sven Voss –, Mund-Nasen-Schutzmasken und Hand-Desinfektionsmittel. Die Kfz-Prüfstelle GTÜ Aichach versorgte das Team mit Verbandskästen. Das Aichacher Busunternehmen Efinger hat Schenk geholfen, den Fahrschulbus für die „Reise“ entsprechend startklar zu machen und die Fahrt samt Personenbeförderung zu planen. Die Beauty Design Objekteinrichtung GmbH aus Aichach half mit einer Geldspende. Für die Verpflegung der Menschen aus der Ukraine, die hoffentlich den Weg nach Bayern antreten können, hat der Dasinger Getränkehersteller Kunzmann 20 Kästen Getränke gespendet, die Metzgerei Rupp in Kühbach und die Bäckerei Seitz in Schrobenhausen stellten eine Brotzeit für rund 40 Personen zur Verfügung. „Innerhalb von zwei Stunden waren wir komplett versorgt“, berichtet Michael Schenk sichtlich beeindruckt über das Engagement seiner Mitstreiter.

Rund 40 Personen haben pro Bus Platz

Vier Busse werden insgesamt von Regensburg aus Richtung polnisch-ukrainische Grenze fahren, darunter einer aus Aichach. Dort werden zunächst die gesammelten Hilfsgüter abgeladen, dann hoffen die Projektinitiatoren, dass sie Menschen aus dem Kriegsgebiet nach Bayern bringen können. Rund 40 Personen hätten in einem Bus Platz. Doch wie viele tatsächlich mit Michael Schenk und Sven Voss zurückfahren können, war noch ungewiss und wird sich wohl erst vor Ort zeigen, wie die beiden erklären.

Direkte Anlaufstellen gebe es nicht. „Wir wissen nicht, ob wir überhaupt Leute mitnehmen dürfen“, sagt Schenk kurz vor der Abfahrt in Kühbach. Doch die Hoffnung aller Beteiligten des „Himmelfahrtskommandos“, wie er die Aktion aufgrund der Ungewissheit des Ausgangs nennt, ist groß, Familien bei der Flucht aus dem Kriegsgebiet unterstützen zu können.

Drei Fahrer für 1200 Kilometer

Die Fahrschule Schenk macht sich mit einem Bus und drei Fahrern auf den Weg: Michael Schenk, Sven Voss und Markus Wanner. Rund 1200 Kilometer sind es von Kühbach über Regensburg bis nach Przemysl an der polnisch-ukrainischen Grenze. Für Beladen, Fahrt und Verteilung der Güter planen Schenk und Voss etwa 24 Stunden ein, ehe es zum finalen Ziel geht, dem Abholen der Kriegsflüchtlinge. Insgesamt rechnen sie mit drei bis vier Tagen für die strapaziöse Tour. „Man will einfach helfen. Das kann man nicht in Worte fassen“, sagt Michael Schenk. Es sei eine „Herzensentscheidung“ gewesen, sich anzuschließen, macht Sven Voss deutlich. Er arbeitet nebenberuflich bei der Fahrschule Schenk.

Bei dieser einen Fahrt soll es nicht bleiben. Michael Schenk plant, die Aktion künftig vom Wittelsbacher Land aus zu organisieren, sprich in Absprache mit dem Landratsamt Menschen aus der Ukraine direkt in den Landkreis Aichach-Friedberg zu holen, wo sie entsprechend unterkommen sollen. Es laufen aber noch die organisatorischen und rechtlichen Planungen. Unter anderem Josef Ziegler von Efinger Reisen würde eine solche Aktion mit Busfahrten unterstützen, wie er sagt. (Nayra Weber)

Die Aktion wird von den Initiatoren „auf die eigene Kappe“ gestemmt, stellt Schenk klar. Wer das Hilfsprojekt und weitere Fahrten dieser Art unterstützen möchte, kann spenden: Sparkasse Aichach-Schrobenhausen, Ukraine Hilfe, DE37 7205 1210 0006 3797 70, BYLADEM1AIC, Verwendungszweck „Ukraine Hilfe“. Konkret geht es darum, die Unkosten für Kraftstoff und Maut zu decken, der Überschuss wird an eine Hilfsorganisation gespendet.

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