Region: Aichach|Friedberg

FFP-2-Masken schützen besser: Warum der Aichacher Klinikchef Bedenken bei neuen Corona-Vorschriften hat

Der Aichacher Klinik-Geschäftsführer Hubert Mayer äußert Bedenken an der Abkehr von FFP-2-Masken.

Seit Freitag werden wieder zwei Patienten mit Covid-19 im Aichacher Krankenhaus behandelt. Zunächst ist das noch nicht beunruhigend, selbst wenn weiter steigende Inzidenzen die Zahl der Krankheitsfälle höchstwahrscheinlich anwachsen lassen werden. Eher bedenklich ist aus Sicht von Klinik-Geschäftsführer Dr. Hubert Mayer, dass einer dieser beiden Patienten aus der Uniklinik Augsburg übernommen wurde, um die dortige Intensivstation – wie schon früher in Corona-Hochzeiten – zu entlasten.

Von zehn Patienten, die dort am Ende der Woche auf der Intensivstation lagen, mussten zwei an die künstliche Lunge angeschlossen werden. Es handelt sich bei diesen zehn und weiteren elf Patienten auf der normalen Station vor allem um ungeimpfte Reiserückkehrer, wie Mayer berichtet. Der jüngste Intensiv-Patient sei 24 Jahre alt. In der Hochphase der Pandemie wurden in der Uniklinik 40 Erkrankte auf der Intensivstation versorgt.

Viel wurde zuletzt darüber berichtet, dass nur wenige alte Patienten in Deutschland wegen einer Sars-Cov-2-Infektion behandelt werden müssten. Das ist eine gute Nachricht, weil die Immunantwort jüngerer Betroffener in der Regel besser ausfällt. Sie haben eine höhere Chance, gesund zu werden. Allerdings liegen sie wiederum länger auf den Intensivstationen, was die Auslastung der Krankenhäuser erhöht. Die längere Dauer hängt auch damit zusammen, dass die jüngeren Erkrankten keine Patientenverfügungen haben, die bestimmte Maßnahmen ausschließen. Schon in der dritten Welle habe sich gezeigt, dass die Menschen länger auf den Intensivstationen bleiben müssen, tut Mayer kund. Er geht davon aus, dass sich dieser Trend in der vierten Welle fortsetzt.

Derzeit seien in der Bundesrepublik die Zahlen zu Impfdurchbrüchen (Erkrankung trotz Impfung) noch extrem niedrig. Wären diese Werte haltbar, wäre die Wirksamkeit der bisher zugelassenen Vakzine geradezu sensationell, betont der Geschäftsführer. Mit Blick auf Israel hat er allerdings Zweifel daran, ob es bei einer so niedrigen Quote bleibt. Was allerdings nichts an der grundsätzlich hohen Schutzwirkung der Impfung ändert. Beim Personal der Kliniken an der Paar haben sich über 90 Prozent für eine Impfung entschieden.

Vor wenigen Tagen wurde den Krankenhäusern freigestellt, ob sie den Beschäftigten eine Booster-Impfung (Auffrischung) anbieten. „Wir werden das auf jeden Fall machen“, sagt Mayer. Voraussetzung ist, dass die Impfung mindestens sechs Monate zurückliegt. Dass eine Abkehr vom Inzidenzwert zugunsten der Hospitalisierungsrate geplant ist, sieht der Geschäftsführer mit gemischten Gefühlen. „Man muss sich fragen, was ich mit dem Wert erreichen will. Ursprünglich war einer der Parameter, dass Krankenhäuser nicht überlastet werden sollen.“

Die Hospitalisierungsrate beschreibe aber einen Zustand, der schon eingetreten ist, zumal durch die Meldeketten noch zwei Tage Verzug einzurechnen seien, erklärt Mayer. Die Inzidenz hingegen ermögliche es, die Entwicklung rechtzeitig zu erkennen. Dass die Inzidenz inzwischen geradezu diskreditiert sei, findet der Klinik-Geschäftsführer schade. Man hätte ihr besser eine andere Wertigkeit zugeschrieben. Will meinen: Eine Inzidenz von 40 ist vielleicht nicht als gravierend einzustufen, aber eine von 300 mit schnell steigender Tendenz wäre das womöglich schon. Einen begleitenden Blick auf das Geschehen in den Krankenhäusern hält er deshalb für sinnvoll.

Weniger Sinn macht aus seiner Sicht die geplante Abkehr von den FFP-2-Masken. Weshalb die Menschen im Hochsommer bei niedrigster Inzidenz die Masken tragen sollten, bei kälterer Witterung und mehr Aufenthalt in Innenräumen jetzt aber die grünen medizinischen Masken reichen sollen, erschließt sich ihm nicht. Andere werden deutlicher und vermuten die nahende Bundestagswahl als treibenden Faktor. „Es besteht kein Zweifel, dass FFP-2-Masken für den Fremd- und den Eigenschutz besser geeignet sind“, stellt Hubert Mayer unmissverständlich fest.

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