Region: Aichach|Friedberg

Vereine verlieren fünfstellig Einnahmen wegen Corona

Kein Sport, kein Vereinsleben, keine Gastronomie im Vereinsheim: Die Corona-Pandemie macht Vereinen in der Region zu schaffen.

Den Aichacher Grubetfreunden fehlen 40.000 Euro. Das ist die Summe, die in einem normalen Jahr ihre Vereinsgaststätte in die Kasse spült. Das Grubethaus ist aber seit über 380 Tagen zu. „Exakt seit dem 13. März 2020“, rechnet Vereinschef Erich Hoffmann vor. Seitdem passierten dort – wegen Corona – weder vereinsinterne Treffen noch öffentliche Veranstaltungen. Noch sind die aufgelaufenen Einnahmeverluste nicht existenzgefährdend. Aber auf Dauer sei die Situation nicht durchzuhalten, sagt Hoffmann.

Wie den Aichacher Naturschützern geht es derzeit vielen Vereinen in der Region. Stefan Schneider, Vorsitzender des TSV Kühbach, nennt zwar keine konkreten Zahlen. Er bestätigt aber ebenfalls einen niedrigen fünfstelligen Betrag, der den Sportlern durch den Shutdown ihrer Gaststätte fehlt. Dabei ist die Gastronomie im Sportpark nur an drei Tagen in der Woche geöffnet – und in der Regel nur für die Aktiven unter den 960 Mitgliedern. „Grausam und deprimierend“ sei es, das 100 Personen fassende Vereinslokal leer zu sehen. Finanziell sei das derzeit aber noch kein Problem. „Wir sind sauguad aufgestellt“, stellt Schneider klar. Da fallen schon eher die Einnahmen vom Kühbacher Brauereifest ins Gewicht, bei dem der TSV die Festzeltküche betreibt. Die populäre Großveranstaltung wurde im vergangenen Jahr gestrichen und wird es vermutlich auch dieses Jahr.

Zusammenhalt in kleinen Vereinen

Das gleiche Schicksal trifft die DJK Gebenhofen-Anwalting. Deren Pfingstevent – ein Fußballturnier mit Festzeltbetrieb – ist zum zweiten Mal in Folge abgesagt. Die DJKler beweisen in Corona-Zeiten dennoch Solidarität. „Alle unsere Trainer und Gruppenleiter verzichten auf jegliche Aufwandsentschädigung“, bekundet Norbert Schiller, Vorsitzender des 600-Mitglieder-Klubs. Die DJK ihrerseits hat Angelos Spanos, dem Wirt des Vereinsheims, die Pacht erlassen. „Angelos hat die Gaststätte erst im November übernommen und darf nur Essen to go anbieten“, erklärt Schiller. „Aber das macht er ganz hervorragend, und wir wollen ihn unterstützen, damit er uns erhalten bleibt.“ Schließlich sei das DJK-Heim die einzige Lokalität, an der sich die Dorfgemeinschaft wieder treffen kann, wenn die Corona-Pandemie einmal überwunden ist.

Die Funktion des Dorf-Treffpunkts erfüllt auch das Schützenheim in Sainbach. Dort liegen derzeit nicht nur die elf Schießstände brach, sondern auch die 55 Personen fassende Stube, wo ehrenamtliche Helfer Familienfeiern, Bälle, Versammlungen oder Jagdessen bewirten. Für Schützenmeister Konrad Brummer besonders schmerzlich ist: „Die Jugend kann halt nicht mehr zusammenkommen.“ Trotz fehlender Sport- und Freizeitmöglichkeiten halten die Vereinsmitgliedern den Sainbacher Hubertus-Schützen aber die Treue. Auch bei den meisten anderen Vereinen in der Region scheint der Zusammenhalt noch zu funktionieren. Anders als bei manchen Großklubs.

Der Deutsche olympische Sportbund (DOSB) rechnet etwa damit, dass seine 90.000 Vereine zehn bis 15 Prozent ihrer Mitglieder verlieren. Viele kündigen, weil sie das breitensportliche Angebot nicht mehr nutzen könnten, begründet DOSB-Präsident Alfons Hörmann. Andere, weil sie wegen Kurzarbeit oder Angst um den Arbeitsplatz den Sparsäckel zuschnüren. Da zudem derzeit kaum Neumitglieder geworben werden, erwartet Hörmann ein Vereinssterben: Um ihre Gemeinnützigkeit oder Fördermittel zu erhalten, dürfen Vereine keine nennenswerten Rücklagen bilden. Die ausfallenden Mitgliedsbeiträge könnten dann schnell in die Insolvenz führen.

Hoffnung auf Öffnung ab Pfingsten

Auch bei den Aichacher Grubetfreunden stehen demnächst teure Arbeiten an. Unter anderem muss das Dach des Grubethauses saniert werden. Obwohl das Vereinsheim von einem 25-köpfigen Mitarbeiterstab ehrenamtlich bewirtet wird, summieren sich die jährlichen Unterhaltskosten auf 15.000 Euro, unter anderem für Heizung, Versicherungen und Ähnliches. Darum hofft der Vereinsobere Hoffmann auf die Erlaubnis zur Gastronomie-Öffnung „zumindest ab Pfingsten“. An schönen Wochenenden kommen dann wohl wieder bis zu 300 Gäste, die zuvor auf dem Walderlebnispfad und zum Silberbründl gewandert sind oder einen Zwischenstopp auf ihrer Radtour auf dem Paartal-Wanderweg einlegen. (von Wolfgang Glas)

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