Region: Aichach|Friedberg

Wildtier landet im Sperrmüll

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Zauneidechse mit in höchster Not abgeworfenem Schwanz war bereits verstorben als fachliche Hilfe kam

Gefangenschaft, Misshandlung und Tod – das Schicksal einer Zauneidechse illustriert auf grausame Weise menschlichen Missbrauch von Tieren. Vor einigen Tagen fanden eine Mutter und ihr kleiner Sohn im Sperrmüll eine als Terrarium genutzte Kiste mit einer darin lebenden Zauneidechse. Die Finder wollten das Tierchen retten, versorgten es zunächst mit Wasser und informierten einen Tierarzt. Sie erkannten sehr schnell, das Reptil braucht Hilfe. Diese kam dann aber trotz des richtigen und tierfreundlichen Verhaltens leider doch zu spät. Die Eidechse hat nicht überlebt.

Die Untersuchung durch den Spezialisten zeigte, die Echse ist männlich, ein einheimisches Wildtier und hatte seinen Schwanz abgeworfen. Der Grund für den Schwanzabwurf lässt sich im Nachhinein nicht feststellen, aber eines ist sicher: Eidechsen trennen sich nur in höchster Not, in großer Gefahr oder bei erheblichem Stress von ihrem Körperteil um einer Gefahrensituation zu entgehen.

 

Vermutlich wurde das Tier bei einem Umzug einfach mit den sonstigen Überbleibseln im Müll entsorgt. „Viel Herz für Tiere beweist der Halter ohnehin nicht, denn ein Wildtier gehört nicht in eine Kiste oder in die Wohnung, sondern in die Freiheit. Nur im Fall erkennbarer Verletzungen oder in Notfällen dürfen Wildtiere mitgenommen werden. Und auch das nur, um sie zu fachkundigen Stellen zu bringen“, teilt Sabina Gaßner, Geschäftsführerin des Augsburger Tierschutzvereins mit. § 39 des Bundesnaturschutzgesetz regelt eindeutig: Die Störung und das Fangen wild lebender Tiere ist verboten. Es liegen in diesem Fall gleich mehrere Verstöße vor – gegen das Naturschutzgesetz und gegen das Tierschutzgesetz.

Die Eidechse hätte nicht gefangen werden dürfen.

Das Terrarium ist völlig ungeeignet als Lebensraum. Das Tier wurde tierschutzwidrig gehalten und offenbar schlecht behandelt.

Das Tier wurde hilflos ausgesetzt.

 

„Die Verstöße gegen diese Regeln sind kein Kavaliersdelikt, auch wenn die betroffenen Tiere klein sind oder häufiger vorkommen. Der Fall zeigt Tierschützer*innen wieder einmal wie gedankenlos sich Menschen gegenüber der Mitwelt verhalten können. Besonders verstörend finde ich, dass völlig hilflose Tiere einfach entsorgt werden. Haben diese Leute kein Gewissen?“ fragt sich Gaßner sichtlich entsetzt. Sie ist sich recht sicher, dass der Halter der Zauneidechse gefunden werden kann. Das Veterinäramt Augsburg wurde vom Tierarzt, der das Tier untersucht hatte bereits informiert.

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