Region: Aichach|Friedberg

Vom Augsburger Malergesellen zum Ordensgründer und Seligen der Kirche

Statue Pater Jordans von Ferdinand Seeboeck (1864-1952) im Mutterhaus der Salvatorianer in Rom.

Am 15. Mai 2021 findet in der Lateranbasilika in Rom die Seligsprechung von Pater Franziskus Jordan statt. Der als Johann Baptist getaufte spätere Ordensgründer wurde 1848 in Gurtweil, einem kleinen Dorf im Südschwarzwald, geboren und war als Malergeselle 1867 bis 1868 auf seiner Wanderschaft als junger Handwerker in Augsburg tätig. Vermutlich wohnte Jordan, der Mitglied des Katholischen Gesellenvereins war, in diesen Monaten im Kolpinghaus in der Frauentorstraße.

Bis zur Priesterweihe 1878 hatte Jordan noch einen weiten Weg über das Gymnasium in Konstanz, das Studium in Freiburg im Breisgau und das Priesterseminar in St. Peter im Schwarzwald vor sich. Schon während seines Studiums lernte der sprachbegabte Jordan Chinesisch und andere Sprachen. Als neugeweihter Priester wurde er zum Studium der aramäischen, syrischen und koptischen Sprache nach Rom geschickt.

Bereits im Jahr seiner Priesterweihe skizzierte Jordan 1878 in seinem Geistliches Tagebuch die Vision für seine Gemeinschaft in einer kurzen Formel: „Eine katholische Gesellschaft von Klerikern und Arbeitern im Weinberg des Herrn bei allen Völkern.“ Motiviert durch den Wunsch, dass alle Menschen, überall, Jesus Christus als den Heiland (lat. „Salvator“) der Welt kennen und lieben, gründete er 1881 mit zwei anderen Priestern die „Katholische Lehrgesellschaft“, aus der sich die Salvatorianischen Gemeinschaften (Salvatorianer, Salvatorianerinnen und die Gemeinschaft salvatorianischer Laien) entwickelten. Die ersten Statuten des Ordens schrieb Jordan mit Ludwig Auer (1839-1914) in Donauwörth. Der „dritte Grad“ für Laien, die in ihrem Beruf bleiben und sich der Tätigkeit der „Katholischen Lehrgesellschaft“ anschließen, entstand 1881 in Ottobeuren. Heute sind die Salvatorianischen Gemeinschaften in über 40 Ländern der Welt verbreitet, engagieren sich für Gesundheit, Bildung, Entwicklung ländlicher Gebiete und in der Pastoral. Seit 1952 betreut der Salvatorianer-Orden im Bistum Augsburg die Pfarrei und Wallfahrt in Maria Steinbach, einem Ortsteil der Unterallgäuer Gemeinde Legau.

Jordan starb 1918 in Tafers in der Schweiz und wurde in der dortigen Pfarrkirche beigesetzt. Sein Nachfolger in der Ordensleitung, Pankratius Pfeiffer (1872-1945), stammt aus Schwangau. Pfeiffer, der auch als „Römischer Schindler“ oder „Engel von Rom“ bezeichnet wird, rettete während der Besatzung Italiens durch deutsche Truppen im Zweiten Weltkrieg vielen römischen Bürgern, vor allem Juden und Widerstandskämpfern, das Leben.

Weil Jordan den größten Teil seines Lebens in Rom verbrachte und seine sterblichen Überreste seit 1956 im Generalat der Salvatorianer an der Via della Conciliazione unweit des Vatikan ruhen, findet die Seligsprechung am kommenden Samstag im Lateran, der Bischofskirche Roms, statt. Der Generalvikar des Papstes in Rom, Erzbischof Angelo Kardinal De Donatis, wird der Feier vorstehen. Der Gottesdienst, der um 10.30 Uhr beginnt, wird im Live-Stream und bei EWTN übertragen.

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