Region: Augsburger Land

Altenmünster plant Krematorium – Protest gegen die "Leichenchaussee"

"Hennhofen wehrt euch" fordert ein Banner nun in dem Altenmünsterer Ortsteil. Mit dem Protestwagen wollen sich Bürger öffentlich gegen den Bau eines Krematoriums aussprechen.

Die Gemeinde Altenmünster will in dem Ortsteil Hennhofen ein Krematorium bauen. Unter den Bürgern stößt diese Nachricht nicht auf Begeisterung. Im Interview berichten Johann Rößle und Klaus Kaim, welche Sorgen sie in Bezug auf die Errichtung der Anlage zur Verbrennung von Toten haben und auch, wie sie nun gegen die Pläne der Gemeinde vorgehen wollen.

StaZ: Welche Befürchtungen verbinden Sie mit dem Bau eines Krematoriums?

Johann Rößle: Auch wenn die Grenzwerte bei den Emissionen natürlich eingehalten werden, wird man sicher, nach einiger Betriebszeit, erhöhte Werte von Schwermetallen und anderen Giftstoffen in der näheren Umgebung feststellen können. Die Lebensqualität wird abnehmen, man wird im Forstbachtal nicht mehr spazieren gehen wollen. Der Immobilienwert der Häuser und Grundstücke, auch der landwirtschaftlichen, wird sinken. Unsere Selbstvermarkter, die Eier, Kartoffeln, Nudeln, Honig, Hühner-, Schweine- und Rindfleisch sowie Getreide verkaufen, werden Umsatzeinbußen haben. Der in 150 Meter Abstand befindliche Pferdehof mit 75 Tieren, zu dem viele Besucher, auch mit Kindern kommen, wird um seinen Betrieb bangen müssen.

Klaus Kaim: Täglich werden zudem geschätzt 30 Leichenwagen und genau so viele Abholer sowie zusätzlich einige Angehörige den Ort anfahren, überwiegend über die Autobahn und die Staatsstraße 2027. Wir wollen das zusätzliche Verkehrsaufkommen nicht und die Leichenwagen auch nicht sehen. Spötter haben die Staatstraße 2027 bereits als "Leichenchaussee" bezeichnet. Es gibt weiter keine Einschränkungen der Betriebszeiten, 24 Stunden an 365 Tagen sind möglich. Man kann nur bei Kälte erkennen, wann eine Einäscherung von statten geht.

StaZ: Was werfen Sie der Gemeinde konkret vor?

Rößle: Überhaupt den Gedanken, ein Krematorium auf das flache Land in Hennhofen, einem Ortsteil mit 400 Einwohnern, ohne Gasanschluss, in dem Naturpark "Westliche Wälder" bauen zu lassen, kann ich nicht nachvollziehen. Leider muss ich da dem Bürgermeister und den zustimmenden Gemeinderäten vorwerfen, sich nicht umfangreich und tief genug im Vorfeld mit dem Thema beschäftigt zu haben. Außerdem haben sie die Sprengkraft des Themas vollkommen unterschätzt. Einen großen Nutzen für die Kommune gibt es nicht, das hat mir der Bürgermeister schon bestätigt. Sie wollten halt das Grundstück veräußern.

StaZ: Wie wollen Sie nun gegen die Pläne vorgehen?

Kaim: Wir haben vor der letzten Gemeinderatssitzung mit knapp 100 Personen einen stillen Protest vor dem Rathaus gemacht. Wir sammeln zur Zeit auch Unterschriften gegen das Vorhaben in allen Ortsteilen der Gemeinde. Die Gemeinde Altenmünster hat etwa 4000 Einwohner, wir haben circa 500 Unterschriften beisammen, sind aber noch nicht fertig. Wir hätten die ausreichende Menge, um einen Bürgerentscheid zu fordern.

Rößle: Wir stellen einen formalen Antrag, damit der Gemeinderatsbeschluss aufgehoben wird. Da die Zeit für einen Bürgerentscheid zu kurz ist, werden wir, wenn die Änderung nicht zurück genommen wird, vor dem Verwaltungsgericht Klage einreichen. Auch die Frist dafür endet am 8. April.

Das sagt die Gemeinde dazu

Im vergangenen Jahr trat ein Unternehmen mit dem Wunsch an die Gemeinde Altenmünster im nordwestlichen Landkreis Augsburg heran, ein Krematorium in Hennhofen zu errichten. Da der geltende Bebauungsplan dies nicht ermöglicht, hat der Gemeinderat das rechtlich vorgesehene Verfahren zur Änderung des Planes eingeleitet.

Auf die Frage, warum die Bürger über die Pläne nicht im Vorfeld informiert wurden, heißt es von der Gemeinde: „Anfragen von Betrieben und Gewerbetreibenden zum Erwerb von gewerblich nutzbaren Flächen stellen Grundstücksgeschäfte dar, welche entsprechend der rechtlichen Vorgaben vom Gemeinderat in nichtöffentlicher Sitzung zu behandeln sind. Der Gemeinderat von Altenmünster hat diese Vorgabe vollkommen zurecht beachtet.“ Nun finde das formal vorgesehene Verfahren der Beteiligung der Öffentlichkeit statt.

Die vorgebrachten Argumente und Befürchtungen der Bürger wolle der Gemeinderat „in der gebotenen Sachlichkeit und mit der notwendigen Sorgfalt behandeln“.

Kommentare

Anmelden um Kommentare zu schreiben
 


X