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Dora - auch wenn dich alle schuldig sprechen - Fortsetzungsroman von Alexandra Scherer Kapitel 10

StaZ-Reporter Alexandra Scherer aus Altenstadt
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Kapitel 10 - Agnes

Ich konzentrierte mich ich aufs Fahren, während Felix neben mir auf dem Beifahrersitz vor sich hindöste.
Die Sonne war noch nicht über dem Horizont geklettert,  als ich Felix abgeholt hatte. Wir waren davon ausgegangen, dass Reporter und Paparazzi morgens früh um sechs  schliefen und die Wahrscheinlichkeit, unentdeckt zu bleiben, um diese Tageszeit größer war. Trotzdem hatte ich die Nacht vorher schlecht geschlafen. Immer wieder war ich aufgeschreckt und hatte geträumt, ich sei der Fahrer der Limousine von Prinzessin Diana, verfolgt von einer Horde sensationslüsterner Fotografen.
Felix,wie viele Künstler mehr ein Nachtmensch, gab um diese Zeitnur wenige kurze Sätze von sich.  Mich hatte das nicht gestört, so hatte ich während der Fahrt noch einmal über alles nachdenken können. Die Art und Weise wie Vater sich verhielt und die Presse immer wieder aufstachelte, in der Hoffnung den Ruf von Felix zu ruinieren, ging mir entschieden gegen den Strich. Die völlig irrationale Behauptung Vaters an Ostern, hatte mich in meinem Entschluss bestärkt, endlich herauszufinden, was damals passiert war. Während Felix vor sich hindöste und mein Wagen, fast wie von selbst durch die Frühlingslandschaft fuhr, ließ ich die Monate vor Carlas Tod noch einmal Revue passieren. Es gab da viele Ungereimtheiten. Felix Stimme schreckte mich aus meinen Überlegungen hoch.
»Wie spät ist es? Hab ich wirklich fast die ganze Fahrt verschlafen? Es tut mir leid.«
Ich warf einen kurzen Blick auf meinen Beifahrer und grinste.
»Du siehst immer noch verschlafen aus. Hinten auf dem Rücksitz steht ein Picknickkorb. Da ist eine Thermosflasche mit Kaffee drin. Sollen wir eine Pause machen und frühstücken?«
Felix stimmte zu und kurz darauf bog ich auf einen Parkplatz ab. Da es früh am Vormittag war, hatten wir den Rastplatz für uns allein.
Auf einem der Holztische packte ich den Korb aus. Neben Kaffee gab es belegte Brötchen. Eine Weile waren wir mit Essen beschäftig. Felixpprostete mir mit seinem Kaffeebecher zu. »Danke, dass du mir beistehst. Ich denke, dass es dir nicht leicht fällt. Schließlich war ich ja am Tod deiner Schwester beteiligt. Wenn ich auch nicht weiß, wie.
Ich schob meinen Kaffeebecher auf dem Tisch hin- und her. Dann zuckte ich mit den Schultern. »Der Unfall ist nun einmal passiert. Carla ist tot. Sie fehlt mir. Meine schöne, extrovertierte Schwester. Aber du konntest nichts dafür.«
»Dein Vater sieht das anders.«
»Ja klar. Du hast das Wildschwein extra bestellt, dass es gerade dort und zu diesem Zeitpunkt über die Straße rennt.«
»Aber so unrecht hat er nicht. Wenn ich nicht gefahren wäre, dann wäre Carla vielleicht noch am Leben.«
Ich verlor die Geduld. »Hätte, hätte Fahrradkette. Hör endlich auf mit den Selbstvorwürfen. Du bist gefahren und damit basta. Obwohl ich zugebe, mich würde schon interessieren, warum sie dich fahren ließ. Ihr Cabrio war ihr ein und alles. Da durfte niemand anders ans Steuer. Deshalb verrate ich dir jetzt was.« Ich blickte meinem Beinaheschwager direkt in die braunen Augen. »Ich helfe dir nicht uneigennützig. Ich will genau so wie du herausfinden, was da abging. Wenn du dein Gedächtnis wieder erlangst, dann ist das für mich die schnellste Möglichkeit. Du bekommst von mir jede Hilfe. Wenn du irgendwelche Info brauchst oder wohin gefahren werden willst,  ich mach es. Hauptsache, ich weiß endlich, was mit Carla die letzten Monate los war.«
Felix erwiderte meinen Blick. »Und was ist, wenn sich herausstellt, dass dein Vater doch Recht hat?« Seine Stimme klang verzweifelt.
Ich ließ die Faust auf den Tisch knallen, dass die Kaffeebecher tanzten. Eine Geste, die eher zu Carla passte, als zu mir. »Am liebsten würde ich dich jetzt durchschütteln. Hör auf, so zu denken. Ich hab den Unfallbericht gelesen und es war eindeutig ein Wildschwein, dass den Unfall verursacht hat. Du bist nicht einmal gerast. Je schneller ich dich in dieser Klinik abgeliefert habe, desto zeitiger kriegen wir Antworten. Auf jetzt!«

 

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