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Dora - auch wenn dich alle schuldig sprechen - Fortsetzungsroman von Alexandra Scherer Kapitel 8

StaZ-Reporter Alexandra Scherer aus Altenstadt
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Kapitel 8 - Agnes

Der Name auf dem Display zauberte ein Lächeln auf mein Gesicht.
»Hallo Felix. Schön, dass du dich meldest. Ich hoffe, es geht dir gut. Hast du schon Neuigkeiten?«
»Tatsächlich. Ich habe am Samstag gleich angerufen. Und wie es der Zufall so wollte, jemanden erwischt. Ich bekomme diese Woche Bescheid, wann genau ich anreisen kann. Steht dein Angebot noch, mit dem Hinfahren?«
»Natürlich. Ab morgen bin ich wieder in Ulm und kann es einrichten.«
»Super. Aber ich muss mir überlegen, wie wir das Spießrutenlaufen vermeiden. Ich wundere mich, wie du es damals am Portier vorbei  ins Haus geschafft hast. Der ist sehr wachsam. Es Lauern immer wieder Paparazzi um den Wohnblock. Wenn er nicht wäre, dann würde ich die Typen bei mir unterm Bett vorfinden.«
Das Bild, wie sich sensationslüsterne Reporter unter Felix' Bett wie die Sardinen in der Dose stapelten, ließ mich kichern.
Felix am anderen Ende der Leitung lachte plötzlich auch.
»Na siehste«, sagte ich. »Deinen Humor hast du dir ja bewahrt. Also abgemacht, du meldest dich, sobald du Genaueres weißt. Ich freu mich.«
»Ich mich auch. Tschüss.« Felix legte auf.

 Mein Vater stand mitten im Raum. Ich hatte gar nicht bemerkt, wie er den Wintergarten betrat. Ich hoffte, dass er nicht ahnte, wer am anderen Ende der Leitung gesprochen hatte. Aber das war wohl nichts.
»Wie ich lese, verbündest du dich mit dem Feind. Und dann noch so unverschämt mit dem Mann am Telefon flirten, der deine Schwester auf dem Gewissen hat? Ich schäme mich für dich.«
Mein Vater klatschte einen Heftordner auf den Kaffeetisch. Die darin befindlichen Zeitungsausschnitte lösten sich und verteilten sich auf Kuchen und Kaffeegedeck. Ich fischte eine Clip aus meiner Kaffeetasse.
Felix hatte nicht übertrieben mit den Paparazzi. Ich war doch nicht so unbemerkt ins Haus gelangt.
Laut zitierte ich die Schlagzeile: »Schwester von Carla Monzerat trifft sich heimlich mit deren ehemaligen Verlobten. – War es Eifersucht, die Carla in den Tod trieb?« Ich schloss kurz die Augen. Schöne Scheiße. »Wo kommt das denn her?«
Vater schnaubte. »Der Pressedienst, den ich beauftragt habe, alles über Carla und diesen Bleibtreu zu sammeln, hat mir das via Eilkurier zukommen lassen. Dass du dich nicht schämst.«
Ich stand auf und fixierte meinen Vater über die Kuchenstücke. »Wofür? Weil ich einen alten Bekannten besuche, dem es nicht gut geht, dank der Schmutzkampagne meines Vaters?«
»Dein illoyales Verhalten kann ich nicht dulden. Es ist wirklich weit mit dir gekommen. Du warst schon immer eifersüchtig auf deine jüngere Schwester. Weil sie talentierter war und es nicht nötig hatte, ihr Helfersyndrom auszuleben und sich mit Huren und Drogenabhängigen abzugeben. Dabei war ich einmal stolz auf dich. Was ist nur aus dir geworden?« Mein Vater schüttelte den Kopf und drehte sich von mir weg. Er starrte hinaus in den Garten.
Mir blieb regelrecht die Luft weg. Was sollte ich darauf erwidern? Natürlich wusste ich, dass Vater Carla immer ein bisschen vorzog. Schließlich war sie das Ebenbild unserer Mutter, die starb, als Carla gerade drei geworden war und ich sechs.
Nein. Ich würde mich nicht klein machen lassen. Carla war nicht der Engel, den mein Vater sich da zusammenbastelte. War sie nie gewesen. Und ich sah mich garantiert nicht als Aschenputtel.
Ich legte den nassen Zeitungsclip auf den Tisch.
»Wo ist eigentlich Friedrich Monzerat geblieben? Der Vater, den ich immer bewundert habe? Der zwar eine Schwäche zeigte für meine kleine Schwester, aber doch genug Liebe hatte auch für mich. Der freundliche Mann, höflich und weltgewandt, großherzig? Und vor allem eins: Fair. Ich erkenne dich nicht wieder. Ich fahre jetzt besser. Pass auf dich auf.«

 

 

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