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Dora - auch wenn dich alle schuldig sprechen - Fortsetzungsroman von Alexandra Scherer Kapitel 9

StaZ-Reporter Alexandra Scherer aus Altenstadt
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Kapitel 9 - Dora

Als ich hinter Martina ins Stationszimmer schlüpfte, gab es erst mal ein großes Hallo.
Otto Keller, einer meiner Lieblingskollegen rief: »Da kommt ja unsere Weltenreisende. Wie war es?«
Aus den Augenwinkeln sah ich Martina in einer Ecke stehen. Sie hob ihre Tasse Kaffee hoch und nahm einen Schluck, dann verzog sie ihr Gesicht.
Kurz darauf betrat Oberschwester Ulrike den Raum. »Guten Morgen meine Damen und Herren. Ich hoffe, Sie hatten alle ein erholsames Wochenende. Nehmen Sie bitte Platz. Schön, dass Sie aus dem Urlaub zurück sind, Schwester Dora. Sie sehen richtig erholt aus.«
»Danke, so fühle ich mich auch. Darf ich noch schnell?« Ich hielt eine bunte Stofftasche hoch und als die Oberschwester ihre Zustimmung nickte, zog ich kleine grellbunte Anhänger hervor. Es waren  einfache geflochtene Stoffstreifen mit ein eingearbeiteten kleinen Muscheln. »Ich habe jedem ein kleines Souvenir mitgebracht. Es sind Glücksbringer, bitte bedient euch, es sind mehr als genug.«
Jeder nahm sich einen der Talismane. Martina nahm sich gleich zwei mit der Bemerkung: »Die geben sicher passable Ohrringe ab. Obwohl sie sind schon recht grellbunt.«
Ich lächelte, kurz spürte ich die warme Sonne der Karibik.  »In Haiti lieben die Leute bunte Farben.«
Schwester Ulrike klopfte zweimal auf den Tisch. »Vielen Dank Schwester Dora. Aber nun zur Tagesordnung. Hat jeder einen Kaffee?« Sie blickte einmal kurz in ihre Notizen. »Dann fangen wir an.«
Wie immer war innerhalb kürzester Zeit alles Wichtige gesagt und besprochen. »Zum Schluß, bevor wir alle in die Woche starten, möchte ich Sie noch alle auf unseren prominenten Gast hinweisen. Im Laufe der nächsten Tage wird Herr Felix Bleibtreu einen Kuraufenthalt bei uns beginnen.«
Martina quietsche: »Was DER Bleibtreu?«
»Ja genau der. Ich möchte hier an dieser Stelle noch einmal jeden darauf hinweisen, dass die Privatsphäre unserer Gäste gewahrt werden muss. Sie befinden sich hier zur Rekonvaleszenz. Es ist ihrer Genesung und dem Tagesablauf der anderen Patienten abträglich, wenn durch Indiskretionen die Presse hier auftaucht. Es sollte nicht nötig sein, darauf hinzuweisen, dass Sie sich mit niemanden außerhalb des Hauses über Geschehnisse und Klienten aus dem Sanatorium austauschen. Leider hatten wir letztes Jahr einen unangenehmen Zwischenfall mit einer Opernsängerin, die von Paparazzi belagert wurde. Wie die Nachricht nach draußen gelangt ist, dass sie sich hier wegen ihrer Essstörungen hat behandeln lassen, wissen wir bis heute nicht. Sollte sich eine solche Indiskretion wiederholen, werde ich persönlich nicht ruhen, bis ich den Schuldigen ausfindig gemacht habe. Ein solches Verhalten führt zur fristlosen Kündigung.«
Ich hob die Hand, ähnlich wie vor vielen Jahren in der Schule. »Wer ist Felix Bleibtreu? Ein Politiker?«
Martina lachte mich aus. »Klar, dass du den nicht kennst. Felix Bleibtreu ist ein berühmter Songwriter. Der hat ganz viele Goldene Schallplatten. Seine Songs sind international bekannt. Du solltest öfter mal ein Frauenmagazin lesen, anstatt dich im tiefsten Dschungel zu verstecken. Vor knapp zwei Jahren kam es zu einem tragischen Unfall. Bei dem ist seine Verlobte Carla Monzerat tödlich verunglückt. Seitdem hat er keinen neuen Song mehr veröffentlicht. Wahrscheinlich Schuldgefühle.«
Oberschwester Ulrike klopfte Aufmerksamkeit fordernd auf den Tisch. »Ich bitte mir aus, dass hier in diesem Haus von Spekulationen abgesehen wird. Herr Bleibtreu ist unser Patient und kommt hierher, um sich gänzlich auszukurieren. Irgendwelche unhaltbare Vermutungen überlassen wir der Regenbogenpresse.«
Martina verschränkte die Arme vor der Brust. »Ist doch wahr. Die Presse berichtet von Drogen und Alkohol und warum weigert sich Carlas Vater, mit Felix zu reden? Der alte Herr gibt Felix die Schuld an dem Unfall. Wo Rauch ist, ist Feuer.«
Ich schüttelte langsam den Kopf. »Die Presse ist immer recht schnell mit Verurteilen und Gerüchte verbreiten. Wovon sollen sie sonst leben?«
Unserer Oberschwester beendete die Diskussion. »Wie dem auch sei. Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, dass Herr Bleibtreu ein Patient ist, wie jeder andere und die Presse keinen Zugang hat zur Klinik. Ich erwarte, dass unsere Mitarbeiter Gesprächen mit Fremden aus dem Weg gehen.«

 

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