Region: Augsburg Stadt

Emmas Geschäft: Streit zwischen Hundebesitzern eskaliert

Über Hinterlassenschaften von Vierbeinern ist schon mancher Streit entbrannt. Foto: pixabay

Augsburg - Über Hundehäufchen entbrannte vermutlich schon so mancher Streit. Jetzt landete einer vor Gericht. Ein 49-Jähriger hatte sich wegen vorsätzlicher Körperverletzung, versuchter Sachbeschädigung und Nötigung zu verantworten. Am Ende waren ihm diese Taten nicht zweifelsfrei nachzuweisen. So blieb Beleidigung: Dafür muss der Mann aus dem Landkreis 2400 Euro zahlen.
"Hunde sind Familienmitglieder": Das ist so ziemlich die einzige Aussage, in der die beiden Hundehalter, der Angeklagte und der Geschädigte, ein 71 Jahre alter Rentner, übereinstimmen. Ansonsten ist der ältere Herr überzeugt, dass der Angeklagte seinen Hund nicht gut behandelt, ja das Tier gar vernachlässigt. Den ganzen Tag würde es bellen, eher schon "jammern". Als der Senior mitbekam, dass sich Nachbarn dazu entschlossen hatten, ein "Bellprotokoll" anzulegen, wies er den Vater des Hundehalters darauf hin: "Ich wollte ja nur, dass es dem Tier besser geht." Doch seine Ansprache sei wohl missverstanden worden, meinte der 71-Jährige. Jedenfalls sei der Nachbar gleich aggressiv geworden: "Wenn Sie noch einmal mein Grundstück betreten, derschlag' ich Sie", habe der zu ihm gesagt.
Später dann habe der Sohn des Nachbarn, der jetzt Angeklagte, bei ihm geklingelt und ihn übelst beschimpft. Tenor: Der Hund müsse bellen, der sei ja noch ein Welpe, da sei das ganz normal. "Ich hatte den Eindruck, der wollte mich damals schon angehen, und war froh, dass wir ein Stahltor haben", so der Senior. "Ich schlage dich krankenhausreif", habe der Angeklagte gedroht.
Schließlich kam es, ausgerechnet am Tag des Friedensfests im Jahr 2017, zur Krise. "Mein Hund ist 17 Jahre alt. Der hat immer auf seinem Grundstück Gras gefressen. Ausgerechnet da", berichtete der 71-Jährige. An diesem Tag aber habe seine Emma dort ein Häufchen hinterlassen. Obwohl sie eigentlich außerhalb des Orts auf einer Wiese ihren Stammplatz dafür hatte. "Ich mache das immer sofort weg. Ich habe Beutel an der Leine hängen", beteuert der Rentner. Diesmal sei er jedoch nicht dazu gekommen. Der Angeklagte - dieser behauptet, Emma habe ständig ihr Geschäft in seinem Vorgarten verrichtet - sei mit seinem Lieferfahrzeug "heran gerast", habe gestoppt, sei ausgestiegen und habe ihn sofort beschimpft. Seine Entschuldigung: "Vergeben Sie mir, es war keine Absicht!", habe nichts genützt. Dann habe er sich weggedreht, um sich nach dem Häufchen zu bücken. "Ich dachte noch, zuhauen wird er schon nicht!" Da habe er, berichtet der 71-Jährige, auch schon zwei Schläge auf den Hinterkopf erhalten. Er sei gestürzt und bewusstlos geworden, wieder wach, habe er nach seiner Brille getastet und seinen Vierbeiner unter dem Autos des Angeklagten entdeckt, während dieser gerade starten wollte. "Der wollte meine Emma überfahren", glaubt der Rentner. Er habe gerade noch den Hund am Halsband gegriffen und weggezerrt. Dann rappelte er sich auf, ging nach Hause und erzählte alles seiner Frau, bevor er zur Polizei fuhr. "Dort musste ich warten, und währenddessen ging es mir zunehmend schlechter. Ich bin dann lieber zum Arzt gegangen."
Dem Mediziner berichtete er das Vorgefallene, bevor sich sein Bewusstsein weiter eintrübte. Der Arzt befürchtete eine Gehirnblutung und ließ den 71-Jährigen per Notarzt ins Krankenhaus bringen. Dort diagnostizierte man eine Schädelprellung, ein Knalltrauma, einen Tinnitus, eine Prellung am Arm und eine vorübergehende Amnesie. Der Rentner konnte sich für einige Zeit nicht so recht des Geschehens entsinnen.
Der Angeklagte räumte lediglich ein, den Senior beleidigt zu haben. "Das war nicht in Ordnung." Doch geschlagen habe er ihn nicht.
Soweit stand also Aussage gegen Aussage. Und nun kommen die Nachbarn ins Spiel. Diese bauten gerade einen Carport, als sie die lautstarke Auseinandersetzung zwischen den Männern wahrnahmen. Als sie danach gefragt wurden, was sie beobachtet hätten, war ihre Reaktion: "Nichts, da halten wir uns raus." Und diese Haltung, warf Nebenklagevertreter Nikolaus Fackler ihnen vor, hätten sie auch im Zeugenstand durchgezogen. Die beiden, Vater und Sohn, gaben oft an, sich nicht mehr erinnern zu können oder nichts gesehen zu haben. Dabei sei es völlig lebensfremd, meinte Fackler, dass jemand einen Streit beobachte und sich dann abwende.
Am Ende nützten dem Senior seine zahlreichen ärztlichen Atteste und dass er wegen des Vorfalls, ohnehin schon seit Jahren von Depressionen geplagt, noch immer psychisch sehr belastet und wieder in Behandlung ist, nichts. Staatsanwalt Sebastian Konrad ließ zwar noch das Strafregister des Angeklagten verlesen - dieser hat acht Eintragungen, hauptsächlich wegen diverser Drogendelikte, aber auch Diebstahl und Körperverletzung listet das Register auf - meinte dann aber, die Tatvorwürfe seien ihm, abgesehen von der Beleidigung, die er einräume, nicht nachzuweisen. Er plädierte auf 60 Tagessätze zu je 40 Euro Geldstrafe.
Verteidiger Stefan Pfalzgraf sah es genau so. Die Erinnerungen des Geschädigten hätten aufgrund der kurzfristigen Amnesie nichts mit dem tatsächlichen Geschehen zu tun, sagte er. So blieb nur Nebenklagevertreter Nikolaus Fackler, der von der Schuld des Angeklagten überzeugt war und dessen Bestrafung forderte, denn auch Richterin Sandra Dumberger war die Beweislage, abgesehen von der Beleidigung, für eine Verurteilung zu dünn. "Es ist aber nicht so, dass ich Ihnen nicht glaube oder unterstelle, dass Sie nicht die Wahrheit sagen", wandte sie sich an den 71-Jährigen. Mangels Zeugen, die die Vorwürfe des Seniors stützten, müsse sie aber im Zweifel für den Angeklagten entscheiden. (
Von Monika Grunert Glas)

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