Region: Augsburg Stadt

Politiker beim Wort nehmen

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Schon vor Corona haben wir penibel auf Sauberkeit und Hygiene geachtet - im Zuge vorzuweisender Hygienekonzepte werden Sportstudios abgekanzelt!

Diese Mail ging gestern an Herrn Spahn, zusätzlich an sein Team. Letzten Dienstag (28.04.2020) wurde ein Einschreiben an Herrn Söder gesendet.
Neben den schon vor Corona hohen Hygiene- und Sicherheitsstandards können wir problemlos Abstandflächen, Sauberkeit, Desinfektion und Durchlüftung garantieren, teilweise besser als das manches Ladengeschäft kann. Aber es interessiert niemanden!

 

Betreff: Wenn Bürger und Bürgerinnen im Studio trainieren möchten, so sollten sie das tun dürfen

Sehr geehrter Herr Spahn,

die Worte des Betreffs habe ich Ihren Ausführungen entnommen, die mehrfach in den Medien zu finden waren

Die Lockerungen von Beschränkungen sind dem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nicht pragmatisch genug. Er äußerte sich gegenüber der Funke Mediengruppe, dass es nicht um Quadratzahlen, sondern eher um allgemeine Abstands- und Hygieneregeln in den nächsten Schritten gehen solle. Wer also einkaufen gehen oder sich fit halten wolle, solle dies doch tun können. "Je nachvollziehbarer die Regelungen sind, desto eher werden sie akzeptiert und gelebt", betonte Spahn.

Und diese Worte haben mir Hoffnung gegeben. Bis heute.
Als Fitnessstudios in der Pressekonferenz am Dienstag, den 05.05.2020 von Herrn Söder regelrecht als Orte zu hoher Ansteckungsgefahr abgekanzelt wurden, zog es mir - wie mehrfach in den letzten Monaten - den Boden unter den Füßen weg.

Lesen Sie hierzu unser Hygienekonzept. Ich hänge Ihnen das Schreiben an Herrn Söder (letzten Dienstag per Einschreiben gesendet und mein Genehmigungsersuchen an).

Wenn wir Betreiber von Mikrosportstudios mit einer mehr als überschaubaren Kundenzahl als Menschen abgekanzelt werden, die nicht in der Lage sind für die gleiche Sauberkeit zu sorgen, wie es ein Einzelhandel mit ständig wechselnder Kundschaft tun kann, dann empfinde ich das als Beleidigung.
Es gibt wohl keinen saubereren Sport als Yoga, Pilates und Akrobatik. Wir desinifzieren uns ständig die Hände, schon allein, um die Rutschgefahr an den Trainingsgeräten zu vermeiden.
Die Trainingsgeräte werden laufend desinfiziert, jeder Kunde hat seine eigene Matte/ sein eigenes Trainingsgerät.
Abstände vom mindestens 1,5m bis 2,0m sind von Haus aus unabdingbar, weil wir den Platz brauchen, um die Übungen ausführen zu können.
Wir kennen unsere Kunden. Interessanterweise war von diesen seit Januar NIEMAND krank.

Kunden besuchen uns als Ausgleich zum stressigen Arbeitsalltag, zur Linderung Ihrer Rückenbeschwerden, zur Stärkung des Selbstvertrauens und Immunsystems.
Sie erleben die Besserungen, sind seltener beim Arzt, werden seltener krank.
Aber wir sind dreckig, gefährliche Ansteckungshochburgen und können keine Hygienekonzepte einhalten? Sie verstehen sicherlich, dass ich mich ein wenig persönlich beleidigt fühle.
Ich halte die Maßnahmen nicht mehr für angemessen und fühle mich in meiner Berufsausübung unverhältnismäßig eingeschränkt und persönlich wie ein Mensch zweiter Klasse behandelt.

Ich habe noch Worte ihres Politikerkollegen im Ohr, dass kein Unternehmen pleite gehen soll. Auf das Sterben kleiner familiengeführter Studios arbeitet die Politik aber immer mehr mit Nachdruck und System hin.
Bewusst. Denn Hygienekonzepte und Abstandsregeln sind für unsere Arbeit ja irrelevant und zählen nicht.
Ich bin im Moment schwer enttäuscht und sehr sehr traurig.

Dennoch hoffe ich, auch wenn ich den Glauben mehr und mehr verliere, dass Sie diese Zeilen erreichen und ich vielleicht eine Rückmeldung bekomme.
Mit freundlichen Grüßen

Nadine Rebel
 

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