Region: Augsburg Stadt

50 Jahre Olympischer Kanuslalom in Augsburg – Ramon Ganyet Solé - Cadi Club La Seu d’Urgell/ Spanien

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Ramon Ganyet / La Seu d'Urgell / Spanien

50 Jahre Olympischer Kanuslalom in Augsburg – Ramon Ganyet Solé - Cadi Club La Seu d’Urgell/ Spanien

Die Disziplin des Kanuslaloms lässt sich bis ins Jahr 1933 in den Schweizer Alpen zurückverfolgen. Der wegweisende internationale Verband IRK selbst gab die Ausrichtung der neuen Disziplin in Anlehnung an sein Pendant im Skisport vor: Wir verstehen Slalom nicht aus der Sicht eines reinen Geschwindigkeitswettbewerbs; Es wird vielmehr ein Geschicklichkeitstest sein, der von den Teilnehmern Geschick, Mut und Schnelligkeit beim Manövrieren, sowie ein umfangreiches Wissen über die Technik, das Wasser und seine Strömungen erfordert. Die ersten Weltmeisterschaften wurden 1949 in Genf ausgetragen.

Augsburg ist eine dynamische Stadt in Bayern, die vom römischen Kaiser Augustus im Jahr 15 v. Chr. am Ufer des Flusses Lech, welcher aus den wunderschönen Alpen kommt, gegründet wurde.
Die Tradition des Kanusports festigte sich dort in den Jahren des großen wirtschaftlichen Aufschwungs, die auf den deutschen Wiederaufbau in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts folgten. Im Jahre 1957 wurden in Augsburg die ersten Weltmeisterschaften in Abfahrt und Slalom ausgetragen. 1966 kam durch die Nominierung Münchens als Gastgeber der Olympischen Spiele von 1972 der Wunsch auf, Wettkämpfe in der Disziplin Wildwasserkanu, in seinen beiden Modalitäten Slalom im Eiskanal und Abfahrt in Garmisch-Partenkirchen, in das offizielle Programm aufzunehmen.

Die Aufnahme ins Programm des Internationalen Olympischen Komitees IOC von 1972 erforderte viel Mühe und Geschick. 1966 bat der Deutsche Kanu-Verband DKV die Internationale Canoe Federation (ICF) und das Münchener Organisationskomitee, beim IOC die Zulassung der Disziplin zu beantragen. 1969 beschloss schließlich der IOC-Vorstand in Lausanne, Slalom zu empfehlen, nicht jedoch die Abfahrtsdisziplin. Der Austragungsort Augsburg musste sich noch bis zur 70. Sitzung des IOC in Amsterdam gedulden, in der schließlich der Slalom in drei Einzeldisziplinen (K1-Männer, K1-Frauen, C1-Männer) und einer Kanu-Doppeldisziplin (C2-Männer) zugelassen wurde. Das IOC genehmigte später die Durchführung der Wettbewerbe im Augsburger Eiskanal, jedoch nur unter der Bedingung, die Athleten im Olympischen Dorf in München unterzubringen. Gemeinsam mit Schiedsrichtern und besonderen Gästen mussten diese somit täglich mittels eines eigens eingerichteten Zugdienstes eine Reise von 64 Kilometern in einer guten halben Stunde absolvieren.

Der Eiskanal war ursprünglich ein Entlastungskanal, um eventuell anfallendes Eis aus dem Lech vom Eintreten in den Industriekanal von Augsburg abzuhalten. Mithilfe eines auf Maßstab 1:22 reduzierten Modells untersuchte man das Projekt zum Bau eines Betonkanals zur Wildwasserversorgung. Der Kanal und der umliegende Sportpark wurde schließlich zu einer weltweit anerkannten Referenz und erfüllt nun schon seit 50 Jahren seinen Dienst.

Der erste olympische Slalom war mit 30.000 Zuschauern an jedem der beiden
Wettkampftage ein außerordentlicher Publikumserfolg und übertraf damit alle
Erwartungen. 119 Athleten aus 16 Nationen (NOC) nahmen teil. Die beiden deutschen Delegationen (BRD und DDR) gewannen fast alle Medaillen.

Im August/September 1972 jedoch, gegen Ende der Spiele, beschloss das IOC in seiner 73. Sitzung in München, den Slalomkanusport aus dem olympischen Programm zu streichen.

Zwanzig Jahre später, bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona, kehrte der Slalom nach La Seu d’Urgell zurück, und die Goldmedaille im Kajak der K1W-Frauen ging an Elisabeth Micheler aus Augsburg. Damals einigte man sich auf eine Partnerschaft der beiden Kanuvereine Club Cadí CK de la Seu und Kanu Schwaben Augsburg, beide mit eigener Olympiaanlage.

Während der letzten 30 Jahre blieb der Kanuslalom im olympischen Programm: Atlanta 1996 (Goldmedaille im Kajak K1M von Oliver Fix aus Augsburg/Kanu Schwaben), Sydney 2000 Thomas Schmidt / Bad Kreuznach, Kanu Schwaben Mitglied, Athen 2004, Peking 2008 (Alexander Grimm-Medaille K1M Goldmedaille / Kanu Schwaben Augsburg ), London 2012 (Bronzemedaille für Maialen Chourraut/Spanien) Silber für Sideris Tasiadis/Kanu Schwaben Augsburg, Bronze für Hannes Aigner, AKV Augsburg, Rio 2016 (Goldmedaille für Maialen Chourraut/Spanien) und Tokio 2020 je eine Bronzemedaillen für Sideris Tasiadis / Kanu Schwaben Augsburg und Hannes Aigner/ AKV Augsburg sowie K1W-Goldmedaille für Ricarda Funk / KSV Bad Kreuznach, Mitglied bei Kanu Schwaben Augsburg und K1W-Silbermedaille für Maialen Chourraut/Spanien). 1993 begann der Club Cadí CK de la Seu die Partnerschaft mit den Kanu-Schwaben Augsburg (KSA), und seitdem finden jedes Jahr eine Woche lang sportliche und kulturelle Aktivitäten statt, an denen Nachwuchssportler aus beiden Clubs teilnehmen. Die Präsidenten Horst Woppowa und Hans Koppold, begleitet von Marianne Stenglein, sowie die Präsidenten von Cadí CK, Josep Castellarnau, Enric Balastegui und Marc Vicente, haben damit im Laufe der Jahre zu einem fruchtbaren gesellschaftlichen Austausch beigetragen.

Vom 27. bis 31. Juli 2022 findet in Augsburg die 40. Kanu-Slalom-Weltmeisterschaft und die 3. Kanu-Weltmeisterschaft CSLX Extrem statt. Bereits zum vierten Mal (nach 1957, 1985 und 2003) hat der Internationale Kanu-Verband die Organisation an den Deutschen Kanu-Verband DKV vergeben. Der Augsburger Olympia-Eiskanal ist die weltweit größte
offizielle Wildwasserkanu Anlage, der Segre Olympic Park kommt direkt danach, an zweiter Stelle. Die unbestrittene Kompetenz von Augsburg und La Seu im Kanusport ist durch vergangene Veranstaltungen mehr als belegt – mit einer Liste von Medaillengewinnern und einer städtischen Organisation, die von Mitgliedern der beiden ansässigen Clubs tatkräftig unterstützt wird. Die diesjährige bayerische Ausgabe zeichnet sich durch erhebliche Investitionen in das generalsanierte Olympia Areal am Eiskanal sowie ergänzende Dienstleistungen für zukünftige Aktivitäten von Athleten, Trainern und Zuschauern aus.

Augsburg ist ein wichtiger Maßstab für den föderalen Wettbewerb in ganz Europa und dem Rest der Welt. Das olympische Erbe von 1972 bleibt nun bereits seit über 50 Jahren an seinem ursprünglichen Ort erhalten.

Für die kommenden Weltmeisterschaften 2022 wünschen wir dem Internationalen Verband, dem Deutschen Verband und dem Organisationskomitee das Beste! Die Stadt Augsburg hat einmal mehr ihre volle Unterstützung gezeigt, und so freuen wir uns auf eine tolle Veranstaltung!

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Der Pressebericht wurde erstellt von Ramon Ganyet Solé, Verfasser diverser Bücher. Die Übersetzung erfolgte durch Carmen Balastegui. Wir bedanken uns für die Presseveröffentlichungen in Katalonien und freuen uns sehr auf den Besuch unserer langjährigen Freunde aus La Seu d’Urgell.

 

 

 

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