Region: Augsburg Stadt

Luca, der erste Stationshund im BKH Augsburg

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Stationshund Luca lässt sich von seiner Besitzerin Sarah Brandl gerne streicheln, aber auch von den Patienten im BKH. Umgekehrt lieben ihn die Patienten, er tut ihnen gut. Der Vierbeiner trägt zu einer entspannten Atmosphäre auf Station bei.

Zum ersten Mal in seiner Geschichte gibt es im Bezirkskrankenhaus (BKH) Augsburg einen Stationshund. Er heißt Luca, ist sieben Jahre alt, vermutlich ein Kelpie-Mix, und kam im Alter von vier Monaten über den Tierschutz von Bosnien nach Deutschland. Der schwarze Vierbeiner mit den treuen Augen arbeitet seit 1. Mai 2022 auf der Station A1, einer Adoleszenten-Station. Dort werden junge Patientinnen und Patienten im Alter zwischen 18 und 27 Jahren behandelt, die traumatische Erfahrungen gemacht haben oder unter Persönlichkeitsstörungen leiden. Die ersten Begegnungen mit dem Hund sind sehr positiv.

Stationsleiterin Alexandra Will und Heilerziehungspflegerin Sarah Brandl, die Besitzerin von Luca, beschreiben eine zunächst angespannte Gesprächsrunde unter ihren Patienten – bis der Hund kam. „Er hat die Situation gerettet“, sagt Sarah Brandl, „als die Patienten ihn sahen, fuhren sie runter und wurden plötzlich ganz ruhig“. Sie sei überrascht, wie viel die jungen Frauen und Männer beim Gassi gehen dem Tier erzählten und wie sehr sie sich ihm öffneten. „Auf diese Weise erfahren wir viel, was uns in unserer Arbeit weiterhilft.“

Luca ist zwei- bis dreimal pro Woche im Stationsalltag dabei. Gemütlich schlendert er von Patient zu Patient und lässt sich von jedem, der es will, streicheln. Der Hund genießt es. Und die Patientinnen und Patienten auch. „Luca trägt im Rahmen der Milieutherapie zu einer entspannten Atmosphäre auf Station bei“,  hat Alexandra Will beobachtet. Viele ihrer Patienten haben eine zerrüttete Kindheit hinter sich und durch schlimme Erfahrungen mit engsten Angehörigen posttraumatische Belastungs- und Persönlichkeitsstörungen, die nicht selten in Selbstverletzungen münden. Der Stationshund hilft ihn dabei, ihre emotionale Instabilität zu überwinden.

Sein Frauchen Sarah Brandl hat ihn mitgebracht. Sie arbeitet seit Januar 2021 im BKH. Zuvor war sie im Kinderzentrum Augsburg beschäftigt. Die Heilerziehungspflegerin hat viel Erfahrung im Umgang mit Tieren, sie ist auch ausgebildete Reittherapeutin. Ihre Idee, ihren Familienhund Luca zu einem Stationshund zu machen, stieß in der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik auf offene Ohren. „Wir wünschen uns das schon seit Jahren. Unser Ärztlicher Direktor Prof. Alkomiet Hasan ist ein großer Befürworter“, berichtet Alexandra Will, die schon seit einem Vierteljahrhundert auf der Station A1 tätig ist. Um die Idee in die Praxis umzusetzen, wurde in der Klinik unter Federführung von Oberärztin Dr. Susanne Hartmann eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen. Aufgrund der guten Erfahrungen plant das BKH das tiergestützte Therapieangebot auszubauen. 

Bis der Vierbeiner im BKH eingesetzt werden konnte, musste ein Gutachten bescheinigen, dass er für diese Tätigkeit charakterlich geeignet ist. Der Hund muss selbstverständlich gesund, geimpft und entwurmt sein. Die Klinikleitung erklärte sich bereit, die notwendige Haftpflichtversicherung zu übernehmen. Außerdem gibt es für den Hund eine monatliche Futterpauschale, mit der Leckerlis gekauft werden. Diese dürfen die Patientinnen und Patienten ihm dann geben. 

„Ich bin komplett begeistert. Der Hund gibt uns mehr Sicherheit und bringt uns auf andere Gedanken“, beschreibt Patientin Irina ihre Erfahrungen mit Luca. Gerade für jemand, der schlechte Dinge mit Menschen erfahren musste, sei dies wichtig. Hunde spürten, wenn es einem nicht so gut geht, weiß die 19-Jährige. „Ich liebe Tiere und verstehe mich mit ihnen gut. Ich würde Luca am liebsten zu jedem Spaziergang mitnehmen“, sagt sie.

Stationsleiterin Alexandra Will berichtet von einer anderen Patientin, die ihr sagte, dass sie wegen dem Hund gerne lieber länger im BKH geblieben wäre. „Sie meinte, dass es dann doch wohl doch besser wäre, wenn sie sich jetzt entlassen würde.“

Die Patientinnen und Patienten spüren, dass es Luca ehrlich meint und keine großen Ansprüche ihnen gegenüber stellt. Im Gegenzug sind sie bereit, Verantwortung zu übernehmen und sich um das Lebewesen zu kümmern. Ein wichtiger Baustein im therapeutischen Setting.

Für Luca ist ein Arbeitstag übrigens ähnlich anstrengend wie für Menschen. Gerne zieht er sich mal in den Besprechungs-/Pausenraum auf Station zurück und ruht sich auf seiner Decke aus. „Nach der Arbeit schläft er bei mir zuhause die ganze Nacht durch“, erzählt Sarah Brandl. Luca, der Familienhund, weiß, dass er immer gut aufgehoben ist und jetzt auch eine Aufgabe hat.  

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