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Neue Angebote im neuen Ambulanzzentrum

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Im neuen Ambulanzzentrum des Bezirkskrankenhauses Augsburg sind in jüngster Zeit zahlreiche neue Angebote entstanden. Die Klinik baut ihr ambulantes psychiatrisch-psychotherapeutisches Spektrum kontinuierlich aus.

Das BKH Augsburg baut sein ambulantes psychiatrisch-psychotherapeutisches Spektrum aus. Im umgebauten Gebäude ist nicht nur die Leitstelle des Krisendienstes Schwaben untergebracht, dort wurde auch gegen Covid-19 geimpft und es sind im vergangenen Jahr viele neue Angebote entstanden.

Seit gut einem Jahr ist das neue Ambulanzzentrum des Bezirkskrankenhauses (BKH) Augsburg, Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik der Universität Augsburg in Betrieb. Für 6,5 Millionen Euro haben die Bezirkskliniken Schwaben als Trägerin das ehemalige Gebäude des Blutspendedienstes zu einer hellen, freundlichen, niederschwelligen Einrichtung umgebaut. „Es gleicht jetzt einem modernen Ärztehaus und hat keinen Krankenhaus-Charme mehr“, sagt der Ärztliche Direktor des BKH, Prof. Dr. Alkomiet Hasan. Wegen der Corona-Pandemie hat es nie eine Einweihung gegeben. Es sind jedoch zahlreiche neue Angebote geschaffen worden.

Das BKH Augsburg versorgt mehr als 9000 Menschen pro Jahr ambulant. „Wir sind eine der größten Ambulanzen in Bayern“, sagt der oberärztliche Leiter Dr. Andreas Gartenmaier. Waren die einzelnen spezialisierten Ambulanzen zuvor auf unterschiedliche Standorte innerhalb des BKH verteilt, so sind sie seit mehr als einem Jahr in einem eigenen Gebäude unter einem Dach vereint. Das war auch das Ziel des Vorstands der Bezirkskliniken: den stationären vom ambulanten Teil der Klinik räumlich, aber nicht inhaltlich voneinander zu trennen.

Im vergangenen Jahr wurden verschiedene neue ambulante Angebote geschaffen. Dazu gehören die Präventionsambulanz Cannabis und Psychose, eine Ambulanz für moderne Neurostimulationsverfahren und eine Spezialambulanz für Sportpsychiatrie und Psychotherapie. Etablierte Ambulanzen mit den Schwerpunkten der peripartalen Störungen (rund um die Geburt), die Autismusambulanz oder die Fachambulanz für Opiatabhängigkeit werden aktuell ausgebaut. Schließlich wurde eine Clearingsprechstunde für Studierende der Medizin am Standort Augsburg gemeinsam mit der medizinischen Fakultät etabliert.

Stimulationsambulanz. Zu den neuen Angeboten, die das im Ambulanzzentrum tätige multiprofessionelle Team anbietet, gehört die Neurostimulation. Mit verschiedenen Hirnstimulationsmethoden soll auf schonende Art und Weise psychischen Erkrankungen behandelt werden. „Das geschieht nicht-invasiv, was bedeutet, dass man nicht mit einem Gerät oder Katheter in den Körper eindringt, also nur äußerlich behandelt“, beschreibt Prof. Hasan den innovativen Therapieansatz. Die  Methode wird besonders bei Patientinnen und Patienten angewandt, die von anderen Therapieverfahren nicht profitieren konnten.

Cannabis und Psychose. In Augsburg ist ein Kooperationsprojekt für junge Menschen mit Cannabis-induzierter Psychose und deren Angehörige gestartet. Das Therapie- und Präventionsprojekt trägt den Titel „Cannabis und Psychose Augsburg“ (CaP). Das BKH und Condrobs als Träger mit vielfältigen sozialen Hilfsangeboten bieten es gemeinsam an. „Der Konsum von Cannabis ist mit hohen Risiken für die Entwicklung von psychischen Erkrankungen verbunden. Studien belegen, dass lebenslange psychische Erkrankung droht“, sagt Prof. Hasan. Besonders schwerwiegend sei die Cannabis-induzierte Psychose. CaP bietet betroffenen jungen Menschen Betreuung im Anschluss an die stationäre Behandlung und leistet Aufklärungsarbeit an Schulen. Finanziert wird das auf zunächst fünf Jahre angelegte Projekt von der Robert-Vogel-Stiftung.

Rund um die Geburt. In der „Sprechstunde bei psychischen Krisen rund um die Geburt“ erhalten Mütter mit psychischen Problemen während der Schwangerschaft oder nach der Entbindung rasch das Angebot einer psychiatrischen Behandlung. Die Anmeldung hierfür erfolgt über die Gynäkologen, Kinderärzte, Hebammen oder Beratungsstellen. 

Spezialangebot für Menschen mit Autismus. Oberarzt Dr. Gartenmaier und sein Team führen im Ambulanzzentrum diagnostische Abklärungen von Autismus-Spektrum-Störungen durch. Sie bieten eine ausführliche Diagnostik und gegebenenfalls medikamentöse Behandlung von ADHS im Erwachsenenalter an.

Sportpsychiatrie. In den vergangenen Jahren rückten zunehmend die psychischen Belastungen von Leistungssportlern in den Vordergrund. Diese sind zum einen durch die besonderen Lebensumstände (hohe körperliche Belastung, Leistungsdruck, kurze Verträge, wechselnde Ansprechpartner) und zum anderen durch die Sorge gekennzeichnet, durch eine psychiatrische Diagnose und gegebenenfalls Therapie nicht mehr im Leistungssport bestehen zu können. In der Spezialsprechstunde am BKH bekommen Leistungssportler niedrigschwellige, professionelle psychiatrisch-psychotherapeutische Diagnose- und Therapieangebote. Durch die Vernetzung innerhalb des Referates für Sportpsychiatrie, das die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) gegründet hat, kann die Augsburger Klinik auch in anderen Regionen Unterstützung leisten.

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