Region: Augsburger Land

Die Kiebitze sind wieder los - Schwäbisches Wiesenbrüter Brutplatzmanagement startet durch

Junger Kiebitz im Wiesenbrütergebiet Wertachtal, Foto A. Klose

In den 90er Jahren galt der Kiebitz als weit verbreiteter Allerweltsvogel. Jedoch geriet die Art, wie alle Feld- und Wiesenbrüter, vor allem im letzten Jahrzehnt stark in Bedrängnis. Die immer intensivere Landwirtschaft mit immer früheren und häufigeren Mahdterminen sowie der Biogas-Boom und der Anbau von Silage-Mais führten zu weitreichenden Lebensraumverlusten der Wiesenbrüter. Insbesondere die schütteren und feuchten Wiesenlandschaften schrumpften vielerorts auf ein Minimum zusammen oder verschwanden komplett.

2015 wurde das Biodiversitätsprojekt „Wiesenbrüter Brutplatzmanagement Schwaben“ von der Höheren Naturschutzbehörde der Regierung von Schwaben initiiert. Seit 2018 kümmert sich der Landschaftspflegeverband Ostallgäu e.V. um den Schutz von wiesenbrütenden Vogelarten rund um Lamerdingen. Durch die hervorragende Zusammenarbeit zwischen ehrenamtlichen Vogelkundlern und den Flächenbewirtschaftern gelang es dort, die Bruterfolge des Kiebitzes deutlich zu verbessern. Ab diesem Jahr wird der Landschaftspflegeverband Landkreis Augsburg e.V.  das Projekt in den Schwerpunktgebieten südlich von Schwabmünchen bei Gennach, Hiltenfingen, Langerringen und Untermeitingen weiterführen. Der LPV-Vorsitzende im Landkreis Augsburg Konrad Dobler begrüßte den einstimmigen Vorstandsbeschluss zur Übernahme dieses wegweisenden Projekts. Im Ostallgäu umfasst das geringfügig erweiterte Projektgebiet Wertachtal die Gebiete bei Lamerdingen, Kleinkitzighofen und Dillishausen. „Ich freue mich sehr über die Ausweitung des Projektgebiets und die Fortführung gemeinsam mit dem Landschaftspflegeverband Landkreis Augsburg, denn es ist ein ganz starker Beitrag für den Erhalt der Artenvielfalt in unserer Region“, sagt die Ostallgäuer Landrätin Maria Rita Zinnecker als Vorsitzende des Landschaftspflegeverbands Ostallgäu. Im Landkreis Augsburg wird neben dem Wertachtal auch das Lechfeld nördlich von Schwabmünchen vom Naturwissenschaftlichen Verein Schwaben um Robert Kugler betreut.

Bereits Mitte Februar sind die ersten Kiebitze als Frühlingsboten aus ihren westeuropäischen Winterquartieren ins Wertachtal zwischen Buchloe und Augsburg zurückgekehrt. Diese sammeln sich derzeit noch in mehreren größeren Trupps auf den noch größtenteils unbearbeiteten Wiesen und Äckern und die ersten Vögel zeigen bereits ihre markanten und spektakulären Balzflüge mit den namensgebenden „Kuwitt“-Rufen. Ab Anfang bis Mitte April ist dann auch mit den ersten Brutversuchen zu rechnen. Als ursprünglicher Wiesenbrüter baut der Kiebitz sein Nest auf dem Boden. Durch die landwirtschaftliche Bearbeitung während der Brutzeit werden viele Gelege unbeabsichtigt zerstört, da Nester, Eier und Küken aufgrund ihrer Tarnung kaum wahrzunehmen sind.

Um die Gelege aufzuspüren und mit den Landwirten schonende Bewirtschaftungsmaßnahmen zum Schutz der mittlerweile stark gefährdeten Feldvögel abzustimmen, stehen die Wiesenbrüterberater Johnny Fritzsche und Alexander Klose bereit.

Als gängigste Maßnahme gilt das Markieren von Nestzonen und ein spindelförmiges Umfahren der Gelege bei der Bearbeitung. Eine weitere Maßnahme ist eine verspätete Bewirtschaftung ab 20. Mai auf Flächen mit mehreren Nestfunden. Hierdurch können ganze Brutkolonien gesichert werden. Ab Ende Mai sind die jungen Kiebitze dann ausreichend mobil oder schon flügge und können bei der Bearbeitung auf angrenzende Flächen flüchten. Zudem wird versucht durch wechselfeuchte Mulden und Flachwassertümpel im Grünland Nahrungs- und Attraktionsflächen zu schaffen, um zusätzlich auch den Lebensraum für die Wiesenbrüter aufzuwerten. Die Weideflächen des Landschaftspflegeverbands im Gennachmoos gelten hierfür als Paradebeispiel.

Gemeinsam mit den Landwirten erarbeiteten die Wiesenbrüterberater und Landschaftspflegeverbände, welche Teilflächen für die Schutzmaßnahmen in Frage kommen. Für die etwas geringeren Erträge werden die Landwirte angemessen entschädigt. Im letzten Jahr engagierten sich im Projektgebiet „Wertachtal“ mehr als 20 Landwirte. Im Rahmen des Projektes werden diese Landwirte als Partner des Naturschutzes für ihre Biodiversitätsleistungen durch eine Wiesenbrüter-Plakette „Wiesenbrüter freundlicher Betrieb“ ausgezeichnet, sobald die pandemiebedingten Maßnahmen dies erlauben. Im Jahr 2020 gelang im Wertachtal ein für heutige Verhältnisse ausgesprochen hoher Bruterfolg mit fast 50 flugfähigen Jungvögeln bei 60 Brutpaaren. Nur durch die große Unterstützung und Mitmachbereitschaft der Landwirte vor Ort kann diese Erfolgsgeschichte für den Kiebitz fortgeführt werden. Durch gemeinsames Handeln kann es gelingen, den immer noch anhaltenden Bestandsrückgang dieses attraktiven Feldvogels zu stoppen.

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