Region: Augsburger Land

Trauma erkennen und helfen - Das Traumahilfe Netzwerk Augsburg und Schwaben (TNAS) feiert 10jähriges Jubiläum

LeserReporter C. Matuszewski aus Großaitingen

Seit 10 Jahren hilft das Traumahilfe Netzwerk jährlich rund 1.000 Menschen mit seelischen Verletzungen ihren Alltag zu bewältigen. Seit 2020 gibt es zusätzlich eine Corona-Hilfe für erschöpfte oder verängstigte Menschen. Darüber hinaus bildete das Netzwerk in den vergangenen Jahren 90 Traumafachberater*innen aus und vermittelt Wissen über Trauma und dessen Bewältigung.

„Noch immer ist es für die Betroffenen eine große Erleichterung, wenn sie erfahren: Ein Trauma ist eine ganz normale Reaktion auf eine unerträgliche Situation. Viele hielten sich bis dahin für verrückt.“ Maria Johanna Fath, Vorstandvorsitzende des TNAS, Theologin und Traumatherapeutin.

Traumata können nach Verkehrsunfällen, sexuellen Übergriffen, dem plötzlichen Tod oder Suizid eines Angehörigen, durch häusliche Gewalt oder Erlebnisse auf der Flucht entstehen. Sie äußern sich unter anderem in Angst, Schlaflosigkeit, Aggression oder Teilnahmslosigkeit.

„Auch auf die Corona-Zeit reagieren viele Menschen mit Stressreaktionen. Gerade ältere oder geflüchtete Menschen erinnern sich zum Beispiel an negative Erlebnisse aus der Kriegszeit.“ Maria Johanna Fath.

Schnelle, unbürokratische Hilfe für Betroffene

Meldeten sich 2011 zunächst 200 Hilfesuchende beim TNAS, so sind es jetzt im Durchschnitt 1.000 Menschen, die sich jährlich an das Traumahilfe Netzwerk wenden. Rund ein Viertel dieser Hilfesuchenden macht telefonisch einen Termin aus und kommt zum Clearinggespräch oder zur persönlichen Beratung.

In den Stabilisierungsgruppen des Netzwerkes erlernen Betroffene Methoden zur Bewältigung des Alltages und überbrücken die Zeit bis zu ihrer Therapie. In diesen Gruppen hilft das Netzwerk beispielsweise Opfern von häuslicher Gewalt oder traumatisierten Flüchtlingen.

Wissen über Traumata vermitteln

Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit des TNAS sind Fortbildungen und Weiterbildungen. „Wir wollen Wissen über die Entstehung und Folgen von Traumata vermittelt. Seit unserer Gründung hat der Verein das Ziel, das seelische Trauma raus aus dem Schattendasein zu führen“, so Maria Johanna Fath.

Denn Traumafolgestörungen waren in Deutschland lange Zeit nicht bekannt. Erst nach dem schweren Zugunglück in Eschede 1998, mit über 100 Toten und zahlreichen schwerverletzten Überlebenden, rückte Wissen über Posttraumatische Belastungsstörungen in den Fokus: Einsatzkräfte, Verletzte und Angehörige benötigten eine spezielle Betreuung.

„Nach seelisch und psychisch verletzenden Lebensereignissen braucht es oft nur wenig erste Hilfe. Diese jedoch umso gesicherter: Durch Dasein, Zuhören und Einordnen des Erlebten.“ Dieter Lenzenhuber, Familientherapeut, TNAS-Vorstand.

Frühes Erkennen von Traumata fördert Heilung

Seit 2012 bietet das Traumahilfe Netzwerk Fortbildungen an und seit 2017 Zusatzausbildungen zu Traumafachberatern und Traumapädagogen – mit Zertifizierung der DeGPT (Deutschsprachige Gesellschaft für Psychotraumatologie).

„Das frühe Erkennen und Erlernen hilfreicher Methoden zur Bewältigung einer Traumatisierung ist sehr wichtig. Es bedeutet für die Betroffenen meist eine schnellere Heilungszeit“, Maria Johnna Fath.

Deshalb informiert das TNAS zusätzlich in Vorträgen sowohl Fachleute als auch Laien ohne spezielle psychologische Vorbildung über Traumata. Dazu gehören Kriseninterventionsteams, Rettungsdienste, Feuerwehren, Polizei, Ärzte, Rechtsanwälte oder Mitarbeiter*innen in Kindergärten, Schulen und Behörden.

2018 entwickelte das TNAS für Lehrer*innen und Erzieher*innen ein Nonverbales Methodenhandbuch. Es enthält Übungen aus den Bereichen Traumapädagogik, Heilpädagogik, Musik-,  Kunst-, Tanz- und Bewegungstherapie, die weitgehend ohne Sprache auskommen.

Hier geht es zur Website des TNAS: https://www.traumahilfe-augsburg.de/

 

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