Region: Augsburger Land

Landrat Martin Sailer im Interview: Kampf gegen Corona wird auch 2022 beherrschen

Im Februar 2021: Damals sei das oberste Ziel gewesen, so Landrat Martin Sailer (links), möglichst viele Bürger mit einer Schutzimpfung zu versorgen – „das hat sich über das ganze Jahr hinweg bis heute nicht geändert“.

Der Augsburger Landrat spricht über das alles überlagernde Thema "Corona", über im abgelaufenen Jahr Erreichtes und blickt ins Neue Jahr voraus – Corona wird das beherrschende Thema bleiben.

Das Jahr 2021 ist für viele nicht so verlaufen, wie erhofft. Im Interview berichtet Landrat Martin Sailer wie er die vergangenen Monate erlebt hat und wagt schon mal einen Ausblick auf die Ereignisse im Jahr 2022.

StaZ: Das Jahr 2021 neigt sich dem Ende zu – und noch immer ist die Corona-Pandemie das beherrschende Thema. Hätten Sie das im Januar 2021 erwartet?

Landrat Martin Sailer: Natürlich haben wir uns alle eine andere Entwicklung für das Jahr 2021 erhofft. Ich kann mich sehr gut an den Jahresauftakt erinnern, der mit den allerersten Impfstofflieferungen an unseren Landkreis begann. Damals war unser oberstes Ziel, so viele Bürgerinnen und Bürger wie möglich mit der Corona-Schutzimpfung zu versorgen und das hat sich über das ganze Jahr hinweg bis heute nicht geändert. Da leider der schlimme Herbst eingetreten ist, vor dem auch wir monatelang eindringlich gewarnt haben und wieder viele Menschen länger als nötig auf ihre Impfung warten müssen, könnte man meinen, es sei das Jahr über nichts vorangegangen – auch wenn das so nicht wahr ist. Es ist uns als Gesellschaft im zurückliegenden Jahr nur leider nicht gelungen, die Oberhand über das Virus zu gewinnen.

StaZ: Was waren neben Corona die Herausforderungen im vergangenen Jahr für den Landkreis?

Sailer: Durch die Pandemie wurden leider viele Themen zur Nebensache, die wesentlich mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt hätten und die zwangsläufig in den Hintergrund treten mussten. Eine große Herausforderung war ohne Zweifel die Sparkassenfusion, mit der wir die fünftgrößte Sparkasse in Bayern geschaffen haben. Dieser Zusammenschluss ist ein toller Meilenstein für ganz Schwaben.

StaZ: Was lief besonders gut? Worauf sind Sie auch ein bisschen stolz, dass es erreicht wurde?

Sailer: Da gibt es neben der Bankenfusion noch andere schöne Beispiele. Wir wurden beispielsweise als Digitaler Bildungslandkreis ausgezeichnet, weil Bildung bei uns als ein wesentliches Zukunftsthema angesehen wird. Quasi sinnbildlich dazu fiel im Sommer außerdem der Startschuss für das größte Bauprojekt in der Geschichte unseres Landkreises, der Neubau des Gersthofer Paul-Klee-Gymnasiums. Sehr gut lief aus meiner Sicht auch, dass wir situationsbedingt sehr zügig diverse Corona-konforme Kontaktmöglichkeiten zu unseren Behörden ins Leben gerufen haben. Wir haben jetzt virtuelle Bürgerbüros, Bauanträge können digital eingereicht und viele andere Leistungen bequem von zuhause oder unterwegs in Anspruch genommen werden.

StaZ: Blick in die Zukunft und ins kommende Jahr: Ab Januar dürfen auch Dosen in den Gelben Sack. Das werden sicher viele Landkreisbürger als Erleichterung empfinden. Auf welche Neuerungen im Landkreis Augsburg können sie sich noch freuen?

Sailer: Da fällt mir als erstes die Inbetriebnahme der verlängerten Straßenbahnlinie 3 ein, die im Dezember noch über die Bühne ging und uns als Region und Großraum Augsburg noch besser miteinander verbindet. Ein anderer Höhepunkt 2022 wird die Fertigstellung des neugestalteten Freizeitgeländes an der Rücklenmühle in Zusmarshausen sein. Ab dem Frühjahr wird das Areal nach mehrjähriger Planung und Arbeit ein tolles Ausflugsziel für Kinder und Jugendliche sein. In erster Linie werden wir aber auch im nächsten Jahr die Pandemiebekämpfung priorisieren, damit sich unsere Bevölkerung hoffentlich bald wieder über ein normales öffentliches Leben freuen kann.

StaZ: Eines der Großprojekte im Landkreis ist die anstehende Generalsanierung des Justus-von-Liebig-Gymnasiums. Wann genau starten die Arbeiten? Wie lange dauern sie und kann sich der Landkreis diese Maßnahme zusammen mit dem Neubau des Paul-Klee-Gymnasiums, der „größten Baumaßnahme in der Geschichte des Landkreises Augsburg“, leisten?

Sailer: Die Sanierung des Justus-von-Liebig-Gymnasiums ist unser zweites Großprojekt im Jahr 2022 und der Beginn der Arbeiten ist für den Sommer geplant. Allein für die beiden Schulprojekte in Neusäß und Gersthofen wenden wir nach heutigem Planungsstand in Summe rund 137 Millionen Euro auf, wovon circa 52 Millionen Euro staatliche Fördergelder in Aussicht gestellt sind. Das sind große Vorhaben, die wir uns aber nicht nur leisten können, sondern auch müssen. Von gut ausgestatteten, modernen Schulen hängt nicht nur die Zukunft unserer Kinder ab, sondern im weitesten Sinne auch der allgemeine Lebensstandard im Landkreis. Dort, wo Familien beste Bedingungen vorfinden, können beispielsweise Fachkräfte eher angeworben und gehalten werden. Auf diese Weise profitiert letztlich auch unsere regionale Wirtschaft davon, wenn wir entschlossen in die Bildungslandschaft investieren.

StaZ: Welche weiteren Projekte will der Landkreis im kommenden Jahr noch anpacken?

Sailer: In der Größenordnung der beiden Schulprojekte kann im kommenden Jahr zwar kein anderes Vorhaben mithalten, aber wir planen beispielsweise recht umfangreiche Straßenbaumaßnahmen. Dafür haben wir insgesamt 15,5 Millionen Euro im Haushalt veranschlagt. Außerdem feiern wir im Jahr 2022 das 50-jährige Bestehen unseres Landkreises! Dafür sind viele Veranstaltungen und Aktionen in Planung, über die wir natürlich frühzeitig informieren werden.

StaZ: Wie sieht der Stand zur Reaktivierung der Staudenbahn aus? Und apropos Bahn: Haben Sie schon einen Favoriten für die neue Bahntrasse zwischen Ulm und Augsburg und warum?

Sailer: An der Wiederinbetriebnahme der Staudenbahn halten wir nach wie vor fest, weil wir fest von ihrem großen Mehrwert überzeugt sind. Noch vor Jahresende haben wir die Ergebnisse des sogenannten Projektdossierverfahrens vorgestellt, das in den zurückliegenden Monaten erstellt wurde. Unter dem Strich soll uns dieser Bericht bestätigen, dass die Staudenbahn für die Förderung durch den Bund in Frage kommt. Bei der zentralen Frage, wie sich das Großprojekt finanzieren lässt, sind wir damit einen großen Schritt vorangekommen. Für den Ausbau der Strecke Augsburg-Ulm sind derzeit bekanntlich verschiedene Varianten des Trassenverlaufs im Gespräch. Bislang habe ich mich noch für keine der Optionen ausgesprochen, da sie in den Details noch zu unkonkret sind und in den kommenden Wochen mit allen Beteiligten diskutiert werden müssen. Eine wirklich informierte Entscheidung wird aus meiner Sicht frühestens im Frühjahr möglich sein.

Interview: Natascha Höck, Markus Höck

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