Region: Augsburg Stadt

Aus für Projektschmiede: Ein Ort der Kreativität, der fehlen wird

von Freier Mitarbeiter Hans Blöchl aus Augsburg-Lechhausen
Die jährlichen Auftritte der Gruppe zählten immer zu den Höhepunkten in der Projektschmiede.

Die Projektschmiede in Lechhausen muss schließen. Keine Wiedereröffnung nach dem Lockdown.

Der größte Stadtteil Augsburgs, Lechhausen, ist ja nicht gerade mit kulturellen Angeboten überversorgt. Eher im Gegenteil. Wo vor Jahren das bekannte Kino „Schauburg“ stand wurden Wohnungen hochgezogen. Die Alte Schlosserei an der Humboldtstraße kam über ein Anfangsstadium als kulturelle Einrichtung nicht hinaus. Und nun schließt auch die Projektschmiede an der Lechbrücke, besser gesagt, sie wird nach dem Lockdown nicht wieder geöffnet.

Karin und Gerd Sommerer hatten vor über zehn Jahren die Idee, in einer aufgelassenen Autowerkstatt dieses Angebot zu installieren. Es war ein besonderes Ambiente, das man dort vorfand. Und das Motto „Schmiede dich selbst!“ war Programm. Man konnte sich dort einmieten für Geburtstage und sonstige Feiern, es gab Kurse unterschiedlichster Art und in Werkstätten konnten auch die „Schrauber“ ihrem Hobby frönen. Es war eine breite und bunte Palette von Dingen, die das kulturelle Leben in Lechhausen bereichert hat.

Mit dem Ende der Schmiede verliert der Stadtteil ein Stück Kultur

Schuld am Ende der Schmiede hat nicht ausschließlich Corona. Es war auch die Bausubstanz, in Kombination mit verschärften Bestimmungen diesbezüglich, die einen wirtschaftlichen Betrieb des Zentrums für die Zukunft unwahrscheinlich machten. Der Wegfall fast aller Veranstaltungen durch die Corona-Maßnahmen und die fehlende zeitliche Perspektive waren zusätzliche Faktoren, die zum jetzigen Aus der Einrichtung führten.

Von experimentellem Theater wie „Mänäptehoi“, der Leberkäskrimi „Zur Brotzeit eine Leiche“, Konzerte und beeindruckende Präsentationen über Karl Valentin oder Vincent van Gogh – es ist unmöglich, alles aufzuführen, mit dem die alte Werkstatt vielen Menschen ein abwechslungsreiches kulturelles Angebot eröffnete. Veranstaltungen mit interessanten Künstlern, schrägen Interpreten und bemerkenswerten Auftritten bleiben in Erinnerung. Der Kunstpreis der Lechhauser SPD hatte in der Schmiede genauso seine Heimat gefunden wie die Debatten-Reihe „Dischkurs in der Projektschmiede“. Mit dem Ende der Schmiede verliert Lechhausen wieder ein Stück Kultur. (hb)

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