Region: Augsburg Stadt

Zugunglück in Augsburg: Signal falsch gedeutet

Nach einem Zusammenstoß mit einem anderen Zug kippte der DB-Zug um. Foto: David Libossek

Vier Personen wurden verletzt, der Sachschaden lag bei 435 000 Euro: Im September 2017 kollidierten zwei Züge in der Nähe des Oberhauser Bahnhofs, nun liegt der Untersuchungsbericht der Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchungen vor. Darin wird auch ganz klar die Ursache benannt: Ein Schaffner, der als Rangierbegleiter eingesetzt war, hatte eine Signalstellung falsch gedeutet und so eine nicht freigegebene Rangierfahrt veranlasst.
Das Unglück ereignete sich, als ein Regionalzug der Deutschen Bahn auf ein anderes Gleis gefahren werden sollte. Erst wenige Tage vor dem Unfall wurde die Prozedur für solche Rangierfahrten geändert, wie aus dem Untersuchungsbericht hervorgeht. Zuvor blieb der Lokführer im Steuerwagen des Zugs und bewerkstelligte das sogenannte Umsetzen auf ein anderes Gleis. Mit dem neuen Verfahren wechselt der Lokführer ans andere Ende des Zuges, während der Schaffner als Rangierbegleiter im Steuerwagen den Fahrweg beobachtet und dem Lokführer die nötigen Fahranweisungen gibt. So war es auch bei dieser Rangierfahrt vorgesehen. Allerdings deutete der Schaffner irrtümlich ein auf "Fahrverbot aufgehoben" umspringendes Sperrsignal für ein anderes Gleis als Zeichen für den eigenen Zug und wies den Lokführer über Handy an loszufahren. 

Falsche Zuordnung des Lichtsignals

Das für ihn geltende Signal habe der Rangierbegleiter aber laut Bericht eventuell gar nicht sehen könne, da es sich "etwa in Höhe des Führerstands des Steuerwagens befand". Eine Rückmeldung an den Lokführer, dass er das entscheidende Signal nicht sehen konnte, gab es laut Bericht nicht. Auch umgekehrt hatte sich der Lokführer offenbar nicht erkundigt, ob sein Rangierbegleiter das Sperrsignal im Sichtfeld hatte. Jedenfalls fuhr zeitgleich ein mit 13 Fahrgästen besetzter Zug der BRB, der tatsächlich freie Fahrt hatte, auf dem anderen Gleis in die selbe Richtung. An einer Weiche kam es zum Zusammenstoß. Der Lokführer des BRB-Zuges leitete noch eine Schnellbremsung ein, konnte aber die Kollision nicht mehr verhindern. Er selbst und drei Fahrgäste wurden leicht verletzt.
Die falsche Zuordnung des Lichtsignals war aber wohl nicht allein Auslöser für das Unglück. "Es ist außerdem nicht auszuschließen, dass eine mangelhafte Kommunikation zwischen Triebfahrzeugführer und Rangierbegleiter einen begünstigenden Umstand darstellte", heißt es im Bericht.
Die Bahn jedenfalls habe aus dem Vorfall Konsequenzen gezogen und ihn "in seine regelmäßigen Schulungen aufgenommen, um die am Rangieren ihrer Fahrzeuge beteiligten Mitarbeiter für die Problematik der richtigen Zuordnung der für die Rangierfahrt geltenden Signale zu sensibilisieren", schließt der Abschlussbericht. (mh)

Kommentare

Anmelden um Kommentare zu schreiben

 


X