Region: Augsburg Stadt

Umbenennung der Werner-Egk-Schule vertagt: CSU meldet Beratungsbedarf an

Ist ein Nazi-Mitläufer als Namenspatron für eine Grundschule geeignet? Darüber wird seit Monaten diskutiert.

Nicht etwa die Abstimmung, sondern gar die "Zustimmung zum Antrag auf Namensänderung der Werner-Egk-Grundschule Augsburg-Oberhausen" war auf der Tagesordnung des Bildungsausschusses angekündigt. Doch es kam anders. Das Gremium vertagte am Montag die Entscheidung. Der Grund: Die CSU-Fraktion meldete Beratungsbedarf an.
Die Kommission für Erinnerungskultur kam im vergangenen Jahr zu einem eindeutigen Ergebnis: Namensgeber für eine Schule sollten eine "unzweifelhafte Vorbildfunktion" besitzen. Diese Funktion erfülle Werner Egk mitnichten.

Nazi-Mitläufer als Namenspatron ungeeignet

Der Komponist habe sein Talent im Dritten Reich bereitwillig in die Dienste des NS-Regimes gestellt und verdanke seine Karriere zum Teil der aktiven Förderung durch Nationalsozialisten. Im gleichgeschalteten Kulturapparat des NS-Staates habe er eine führende Position eingenommen. Egk sei zudem nach 1945 nicht zur kritischen Selbstreflexion bereit gewesen. Kurzum: Der Musiker ist "menschlich kein Vorbild" und daher "kein geeigneter Namenspatron für eine Schule".

Das städtische Bildungsreferat und die Schule selbst schlossen sich dieser Einschätzung an. Letztere verfasste im Voraus der Sitzung des Bildungsausschusses eine Stellungnahme, in der die Schule betont, sie teile die Meinung, dass Egk nicht als menschliches und pädagogisches Vorbild tauge. "Daher möchten wir zukünftig offiziell den Namen Grundschule Augsburg Oberhausen-Mitte tragen."

In der Vorlage des Bildungsausschusses heißt es von der Stadtverwaltung: "Das Staatliche Schulamt in der Stadt Augsburg befürwortet dieses Ansinnen."

Nun fehlte also noch die Zustimmung der Stadträte. Doch bevor am Montag eine Debatte überhaupt beginnen konnte, beantragte die CSU-Fraktion, das Thema wegen Beratungsbedarf abzusetzen.

Gibt es künftig einen Werner-Egk-Platz?

Die Entscheidung über die Umbenennung ist somit verschoben. Der interne Diskussionsbedarf der Fraktion hängt wohl auch damit zusammen, dass sich zuletzt einige Oberhauser dafür stark machten, dass der Name des Musikers künftig andernorts im Stadtteil präsent ist. Der ganz in der Nähe gelegene Bischof-von-Zollern-Platz solle demnach Werner-Egk-Platz heißen.

In die Gespräche darüber war auch Bildungsreferent Hermann Köhler (CSU) involviert. Dieser war der Idee nicht ganz abgeneigt. Schließlich sehe die Kommission den Namen Werner Egk nur für eine Grundschule als ungeeignet an. Auf einem Platz gebe es die Möglichkeit, mit einer Tafel das Leben des Musikers einzuordnen. 

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