Region: Augsburg Stadt

Ärger um zwei alte Villen: Augsburg diskutiert über künftigen Schutz des Bismarck- und Thelottviertels

Die "Direktoren-Villa" im Augsburger Thelottviertel wird womöglich doch nicht abgerissen. Unsicher ist die Zukunft der Diesel-Villa im Bismarckviertel.

Zwei historische Villen in den Augsburger Stadtvierteln Bismarck- und Thelottviertel haben in der Stadt eine Diskussion um den Erhalt alter Gebäude ausgelöst. Denn Bürgerinitiativen aus den beiden Stadtteilen wehrten sich gegen den bevorstehenden beziehungsweise geplanten Abriss der beiden markanten Gebäude. Mehrere Stadtratsfraktionen, darunter auch die Stadtregierung, haben inzwischen Lösungen wie erweiterte Erhaltungssatzungen ins Spiel gebracht. Auch die Bürgerinitiative "Augsburgs Erbe bewahren", die bereits erfolgslos gegen den Abriss mehrerer Gebäude auf dem Reese-Areal protestiert hatte, unterstützt die Forderungen nach einem Erhalt der beiden Häuser. Die Initiative betont allerdings auch, dass nicht nur in "privilegierten Vierteln" wie dem Bismarck- und dem Thelottviertel, sondern auch in den weniger "bevorzugten Lagen" der Stadt historische Bausubstanz erhalten werden müsse.

Ausgelöst hatte die Diskussion um alte Bausubstanz unter anderem der bevorstehende Abriss der sogenannten "Diesel-Villa" im Bismarckviertel, einem beliebten Wohngebiet in der Nähe des Augsburger Hauptbahnhofs. Ein Investor hatte das Haus gekauft und angekündigt, an Stelle der in der Jahrhundertwende erbauten Villa eine Wohnanlage mit zehn Wohneinheiten und einer Tiefgarage bauen zu wollen, nachdem die Villa für eine Sanierung zu beschädigt sei. Damit wollten sich die Anwohner allerdings nicht zufrieden geben, für die das markante Gebäude den Stadtteil bedeutend prägt. Zur Seite stand ihnen unter anderem auch der Augsburger Architekturhistoriker Gregor Nagler, der sich mit einem offenen Brief an die Stadtverwaltung wandte. Allerdings ist das Haus in der Hochfeldstraße 15 nicht denkmalgeschützt und ein Abriss muss deshalb auch nicht genehmigt werden.

Später wurde bekannt, dass wohl auch die sogenannte "Direktoren-Villa" im Thelottviertel abgerissen werden sollte. Auch hier formierte sich eine Bürgerinitiative, um das prägende Gebäude zu retten. Die Bürger forderten, alle Gebäude des Thelottviertels, das von den Architekten Sebastian Buchegger und Heinrich Sturzenegger ab 1905 als Gartenvorstadt konzipiert wurde, in den teilweise bereits bestehenden Ensemble-Schutz mit einzubeziehen. Inzwischen überprüft das Landesamt für Denkmalpflege allerdings auch, ob die rote Villa, anders als die Diesel-Villa", doch als Einzeldenkmal einzustufen ist. Auch der Eigentümer hat inzwischen wohl von einem Abbruch Abstand genommen.

Stadtregierung verspricht Lösung für beide Viertel

Die Regierungskoalition aus CSU und Grünen reagierte auf die Proteste der Bevölkerung mit dem Versprechen, "alles Mögliche zu unternehmen, um eine schleichende Veränderung des Erscheinungsbildes" in "städtebaulichen Juwelen" wie dem Bismarck- oder Thelottviertel zu verhindern. Denn diese zeichneten sich gerade durch die hohe Anzahl von historischen Gebäuden aus, die sowohl für Anwohner als auch für Touristen attraktiv seien.

Als mögliches Mittel brachten die beiden Fraktionen Ende Februar die Einführung von Erhaltungssatzungen für den kommunalen Denkmalschutz ins Spiel. Damit könnten nicht nur architektonische Eigenheiten wie die Villa in der Hochfeldstraße erhalten werden, sondern auch Neubauten ließen sich besser in die Umgebung integrieren, als dies durch das Einfügungsgebot möglich sei. Im Geltungsbereich einer Erhaltungssatzung bedürfte dann jeder Abbruch oder jede Nutzungsänderung einer zusätzlichen Genehmigung durch die Stadt Augsburg, auch wenn die betroffenen Gebäude nicht unter Denkmalschutz stehen. "So behielten wir die Kontrolle über die baulich wertvollen und stadtteilprägenden Objekte in den Vierteln unserer Stadt", sagte der CSU-Fraktionsvorsitzende Leo Dietz.

Die Soziale Fraktion sieht in der aktuellen Debatte um die Altbauten ein "Armutszeugnis" für die Regierungskoalition. Die SPD habe bereits in der vergangenen Legislaturperiode die Einführung von Erhaltungssatzungen gefordert, doch passiert sei bislang nichts. Den Grund suchen die Sozialdemokraten und die Linken bei Baureferent Gerd Merkle. "Es hat den Anschein, dass Herr Merkle, aus uns nicht bekannten Gründen, eine Erhaltungssatzung partout nicht möchte", sagte der Fraktionsvorsitzende Florian Freund (SPD). Nun müsse der Baureferent aber endlich tätig werden. "Es kann doch nicht sein, dass dies erst geschieht, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist", kritisierte Freund.

Initiative fordert Schutz für alle Stadtteile

Auch die Initiative "Augsburgs Erbe bewahren" reagierte schließlich auf die Diskussion in der Stadtgesellschaft. Schließlich fordere auch die Initiative seit Jahren Erhaltungssatzungen, um Augsburgs Geschichte und Stadtbild zu erhalten. "Dass dies nun im Bismarckviertel plötzlich in den Fokus der Verwaltung und Regierungskoalition rückt und die Chance auf Umsetzung erhalten könnte, wäre natürlich ein begrüßenswerter Schritt, aber nur ein erster", betonte die Initiative. Der sensible Umgang mit historischer Bausubstanz dürfe "nicht nur Klientelpolitik sein", sondern müsse auch "in weniger im Fokus stehenden Quartieren grundsätzliches Selbstverständnis derjenigen sein, denen jeweils für einige Jahre das Wohl der Stadt in die Hände gelegt wurde".

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