Region: Augsburg Stadt

Augsburger Surrealist bekommt ein eigenes Museum im Stadtzentrum

Die Schaufensterfront eines ehemaligen Möbelgeschäfts schmücken nun bunte Figuren, angelehnt an Wolfgang Lettls Kunstwerke. Fotos: Florian Lettl

Im Dezember wäre der Augsburger Surrealist Wolfgang Lettl 100 Jahre alt geworden. Der Künstler starb 2008 im Alter von 88 Jahren. Zu seinem runden Geburtstag hat der "Lettl-Verein zur Förderung surrealer Kunst" ihm nun einen Wunsch erfüllt, den der Künstler bereits zu Lebzeiten hatte: Sein umfangreiches Werk sollte der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Der Lettl-Verein, bestehend aus 110 Mitgliedern, hat daher im Augsburger Zentrum das Lettl-Museum für surreale Kunst eröffnet. Die Gründung finanzierte der Verein größtenteils aus privaten Spenden, der Museumsbetrieb wird von Ehrenamtlichen verantwortet.
Wolfgang Lettl hat insgesamt rund 1000 Werke hinterlassen, 500 davon im Stil des Surrealismus. Diese Sammlung surrealistischer Gemälde hatte der Künstler bereits im Jahr 1993 für ein Museum in Aussicht gestellt. Das neu eröffnete Lettl-Museum gilt als erstes Museum für surreale Kunst in Süddeutschland. Kuratiert wird die Ausstellung vom Sohn des Künstlers, Florian Lettl. In der Eröffnungsphase werden vorerst 126 Werke aus allen Schaffensphasen Lettls ausgestellt. Künftig soll diese Dauerausstellung immer wieder wechseln, außerdem sind Sonderausstellungen geplant, die etwa die Hälfte der 630 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche einnehmen könnten.

Museum zwischen Königsplatz und Moritzplatz

Mit der Museumsfläche im Erdgeschoss der Zeuggasse 9, die teilweise durch eine in der Decke eingelassene Glaspyramide mit Tageslicht durchflutet wird, sei nun auch für den Lettl-Verein, dessen Hauptanliegen es ist, Lettls Werk zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, "ein lang gehegtes Ziel" in Erfüllung gegangen. Nach verschiedenen Zwischenstationen, etwa im "Lettl-Atrium" bei der IHK Schwaben, stehe jetzt ein "Museum in bester City-Lage zur Verfügung".

Das Museum liegt nun in der Zeuggasse zwischen dem Königsplatz und dem Moritzplatz. Ehemals befand sich in dem Gebäude das Möbelgeschäft "Nill Wohnen", das 2015 aufgrund fehlender Nachfolger geschlossen wurde. Besitzer Bernd Nill ist selbst seit 1992 Gründungsmitglied des Lettl-Vereins und war acht Jahre lang dessen Vorsitzender. Er vermietet die Fläche dem Verein mit einem Mietendeckel und ist außerdem Hauptsponsor des Projekts, das den Verein voraussichtlich 75 000 Euro pro Jahr kosten wird. Die Stadt Augsburg unterstützte die Gründung des Museums mit einer Anschubfinanzierung von 25 000 Euro. Die restlichen Kosten will der Verein künftig durch Sponsoren und Eintrittsgelder erwirtschaften.

Wolfgang Lettl: Erst Aquarelle, dann Surrealismus

Wolfgang Lettl wurde 1919 in Augsburg-Lechhausen geboren und malte von 1946 bis 2007. Sein Gesamtwerk zeigt die Entwicklung des Augsburger Künstlers von ersten Aquarellen der Kriegs- und Nachkriegszeit mit zeitgeschichtlichem Bezug zu Frankreich, zu seiner schwäbischen Heimatstadt Augsburg, und schließlich Italien, seiner späteren zweiten Heimat. Nach ersten surrealistischen Versuchen wendete er sich kurzzeitig der "Neuen Sachlichkeit" zu, bis Lettl schließlich seinen eigenen surrealen Stil entwickelte, dem er bis zu seinem Tod 2008 treu blieb.

Im neuen Museum sind auch Ausstellungskooperationen mit anderen Museen, Institutionen oder Künstlern geplant. Für 2020 seien bereits zwei Ausstellungen zum Thema "Wasser" in Vorbereitung, als Beitrag zum Unesco-Welterbe der Stadt Augsburg. Besonders will man auch Kinder und Jugendliche ansprechen. Bisherige Ausstellungserfahrungen hätten gezeigt, dass die surrealen Werke auf diese eine hohe Anziehungskraft auswirken. Durch museumspädagogische Angebote wie Suchspiele oder Malkurse will der Verein an die Welt der Kunst heranführen und den Kindern "das Eintauchen in die Welt der Fantasie" ermöglichen.

Geöffnet ist das Lettl-Museum von Dienstag bis Donnerstag, 13 bis 17 Uhr, und von Freitag bis Sonntag, 11 bis 17 Uhr, Einlass jeweils bis 16.30 Uhr. Der Eintritt kostet 3 Euro, für Kinder bis 16 Jahre ist er kostenlos. Auch Erwachsene können die Ausstellung am jeweils ersten Sonntag im Monat kostenlos besuchen, das nächste Mal also am 5. Januar. 

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