Region: Augsburg Stadt

Die Verlockungen des Teufels: Opernpremiere »Faust – Margarethe« (Charles Gounod)

Foto: Jochen Biganzoli

Augsburg, 13.01.22 Eins der ganz großen Werke der Operngeschichte feiert am Samstag, den 29.01.2022 seine Premiere im Staatstheater Augsburg: »Faust – Margarethe«, worin Charles Gounod das wohl gewichtigste Werk der klassischen deutschen Literatur in den französisch-opulenten Opernstil seiner Zeit kleidet. Als Gastregisseur bringt Jochen Biganzoli die Oper auf die Bühne im martini-Park und nimmt sie zum Anlass, sich mit gegenwärtigen gesellschaftlichen Themen und Rollenbildern auseinanderzusetzen.  

Gounods Oper »Faust« (in der deutschen Fassung »Margarethe« genannt) gilt als der Inbegriff romantischen Komponierens im Frankreich des 19. Jahrhunderts und ist der Stoff für einen ganz großen Opernabend. Die Geschichte basiert auf der Tragödie »Faust« von Johann Wolfgang von Goethe, das Libretto konzentriert sich jedoch mehr auf Fausts Affäre mit Margarethe, die schließlich – sitzengelassen – als Kindsmörderin endet. Fausts Verlangen nach Margarethes Liebe und ihr Widerstreit mit den Verlockungen des Teufels stehen im Zentrum der Handlung.

Gounod übersteigert die romantischen Gefühle der Gretchen-Tragödie zu einer solchen Eindringlichkeit, dass viele Arien und Musiken aus dem »Faust« auch unabhängig von der Oper berühmt wurden. Seine fesselnde Kompositionskunst ließ »Faust« zu einem der ganz großen Meisterwerke der Musikgeschichte werden.

Regisseur Jochen Biganzoli nimmt den Fokus des Librettos auf die Affäre zwischen Faust und Margarethe zum Anlass, sich mit den Rollenbildern unserer Gesellschaft auseinanderzusetzen und dabei auch gegenwärtige Themen, wie etwa die Gleichberechtigung von Mann und Frau aufzugreifen.

­Biganzoli feiert als Regisseur deutschlandweit Erfolge und wurde unter anderem 2016 für seine Inszenierung von Dmitri Schostakowitschs »Lady Macbeth von Mzensk« für den deutschen Theaterpreis DER FAUST nominiert. Er beschreibt seine Arbeitsweise in einem Interview der Zeitschrift Oper & Tanz wie folgt: »Ich höre und empfinde Musik ganzkörperlich. Und diesen Zustand suche ich auch beim Inszenieren. Durch vieles Hören der Musik, auch in mich hinein, versuche ich zu ergründen, was da eigentlich passiert. Wo stehen mir die Haare zu Berge, wo zuckt man, wo hat es auch eine Belanglosigkeit. Wenn ich dann durch Literaturstudium, sonstigen Background und die Festlegung, was ich mit meiner Inszenierung erzählen will, den intellektuellen Überbau gefunden habe, versuche ich, beides zu verbinden.«

 

»Faust – Margarethe« | Oper von Charles Gounod | Sa 29.01.22 19.30 Uhr | martini-Park

 

In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Libretto: Jules Barbier & Michel Carré
(nach dem Schauspiel »Faust. Der Tragödie erster Teil« von
Johann Wolfgang von Goethe)

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