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Freie Waldorfschule Augsburg feiert 40-jähriges Bestehen

Profilbild vonLeserReporter Angelika Lonnemann

Was vor 40 Jahren auf einem Feld in der Hammerschmiede mit 5 Klassen und 12 Lehrer:innen in einem von Eltern und Lehrer:innen erbauten Schulhaus begann, ist heute eine große moderne digitale Schule mit rund 400 Schüler:innen und über 80 Mitarbeitenden. Die Schüler:innen kommen aus Augsburg oder von weiter her, manche Familien nehmen Anfahrten von bis zu 35 Kilometern in Kauf. Die Freie Waldorfschule mit ihrem besonderen Profil nimmt einen festen Platz in der Augsburger Bildungslandschaft ein. Englisch- und Französischunterricht ab Klasse 1, Noten erst ab Klasse 9, kein Sitzenbleiben und viele künstlerische und handwerkliche Fächer – das sind die Attribute, die die Schule in freier Trägerschaft attraktiv für solche Eltern machen, die sich für ihr Kind einen ganzheitlichen Unterricht, eine Betonung des Gemeinschaftlichen und weniger Leistungsdruck wünschen. Die Waldorfpädagogik will junge Menschen so befähigen, dass sie sich aktiv für die Gesellschaft einsetzen können – im Selbstvertrauen und im Vertrauen in die Welt. Dafür soll das Interesse geweckt werden, zum Beispiel für soziale, ökologische, ökonomische und technische Fragen, sowie die Fähigkeit geschult werden, selbständig und verantwortungsbewusst zu urteilen und zu handeln.

„Wegen der Generalsanierung unseres großen Schulhauses und der Pandemie werden wir keine große Feier veranstalten, sondern unser Jubiläum mit verschiedenen einzelnen Veranstaltungen über das Schuljahr verteilt feiern“, erklärt Dr. Alexander Mattheus, Geschäftsführer der Schule und Kindergärten. Den Anfang der Feierlichkeiten bildet der Vortrag des Waldorfexperten Florian Osswald, der am Donnerstag, 30. September um 19:30 Uhr über „Schule zwischen Form und Freiheit“ sprechen wird. Es geht um die Zukunftsfähigkeit der Waldorfschule und deren Bedingungen. Im Laufe des Schuljahres sollen sich Konzerte, Ausstellungen und weitere Vorträge anschließen.

Von denjenigen Schülern, die 1981 in der Waldorfschule begannen, haben inzwischen etliche bereits ihre eigenen Kinder auf die Schule geschickt, die z.T. auch schon ihren Abschluss gemacht haben. Insgesamt hatte die Schule rund 1.500 Schüler zu den Abschlüssen Abitur und Realschulabschluss gebracht. Die Schule ist selbstverwaltet, weswegen alle Entscheidungen nicht von Einzelpersonen, sondern von Schulführungsgremien oder Konferenzen gefällt werden. Auch Eltern wirken in den Gremien, etwa im Vorstand des Trägervereins oder im zukunftsorientierten Entwicklungsgremium, mit.

Michaela Kfir hat drei Kinder an der Schule. Sie sagt, in ihrem Beruf habe sie viel mit Praktikant:innen zu tun. Dort falle ihr auf, dass es oft Waldorfschüler:innen seien, die eine hohe soziale Kompetenz hätten. „Außerdem arbeiten sie konzentriert und haben ein gutes Durchhaltevermögen, auch wenn es mal schwierig wird. Sie entwickeln eigenständig Ideen, wie man Aufgaben lösen kann“, so Kfir. Diese Erfahrungen hätten sie dazu gebracht, ihre Töchter hier einzuschulen, so die Fotografin, die aus der Hammerschmiede stammt und viele Jahre in Israel gelebt hat.

Der Zwölftklässler Theo Suchert ist ein Seiteneinsteiger, der die Waldorfschule mit seiner früheren Schule vergleicht: „Mir fiel sofort der viel persönlichere Umgang der Lehrer:innen mit den Schüler:innen auf. Ich empfinde es als sehr gut, dass mir hier viel Freiheit gelassen wird, wie ich mich auf mein späteres Leben vorbereiten kann“.

Im Rahmen der Sanierung wird in den kommenden Monaten der naturwissenschaftliche Trakt an der Schule ausgebaut. „Damit kommt die lange geplante Modernisierung und eine stärkere Gewichtung des MINT-Bereichs an unserer Schule“, so Lehrerin Isabella Geier. Der traditionellerweise bestehende kreativ-künstlerische und handwerkliche Unterricht erhält dann eine noch adäquatere Ergänzung für den wissenschaftlich-konstruktiven Unterricht.

Zuletzt war die Waldorfpädagogik z.T. mit Querdenkern in Verbindung gebracht worden, was daran lag, dass an einzelnen Waldorfschulen sich einige Eltern und Lehrer:innen öffentlich kritisch den staatlichen Maßnahmen gegen die Pandemie gegenüber geäußert hatten. „Wir nehmen die Krankheit und die Schutzmaßnahmen sehr ernst. Für uns gelten selbstverständlich dieselben Gesetze und Verordnungen, die im Rahmen der Pandemiebekämpfung für alle Schulen gelten,“ betont der Geschäftsführer Alexander Mattheus. Sorgen wegen der Folgen der langen Schulschließungen gab es allerdings schon.

Die Freie Waldorfschule Augsburg wurde 1981 gegründet. Sie ist einzügig, rund 400 Schüler*innen besuchen die Schule. Als Abschlüsse werden der Realschulabschluss und das Abitur angeboten. Teil der Waldorfpädagogik sind zwei Fremdsprachen ab Klasse eins, Leistungsförderung ohne Noten, Selektion und Sitzenbleiben, ein gemeinsamer Klassenverband während der gesamten Schulzeit, Ausbildung von individuellen sozialen und kreativen Fähigkeiten. Die Schule bietet eine flexibel buchbare Ganztagsbetreuung an.

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