Region: Augsburg Stadt

Helfen Blühpatenschaften der Artenvielfalt? Dieser Frage geht die Ortsgruppe Augsburg BUND Naturschutz in Bayern (BN) nach

Als StaZ-Reporter berichten Vereine, Organisationen und Privatpersonen. Jeder kann mitmachen.
Foto: Irene Kuhn

Das Volksbegehren Artenvielfalt mit dem Slogan „Rettet die Bienen“ hat die Hürde von 10 Prozent der Wahlberechtigten locker übersprungen. Viele Mitbürger sind besorgt über den Zustand der Natur und wollen etwas tun. In den letzten Wochen haben einige Landwirte Ackerflächen angeboten, auf denen für eine bestimmte Spendensumme statt Mais und Weizen Blühmischungen angesät werden. Der Preis für einen Quadratmeter Blühfläche bewegt sich oft zwischen 35 und 50 Cent pro Jahr, das ergibt bei 3500 - 5000€ pro Hektar, eine sehr hohe Summe. Es muss deshalb sehr genau geprüft werden, ob diese Flächen der Artenvielfalt wirklich nutzen.
Grundsätzlich begrüßt der BN, dass Landwirte den Maisanteil reduzieren und Bienenweiden anbauen möchten. Allerdings ist „Blühfläche“ nicht gleich „Blühfläche“. Es gibt Mischungen, die keine einzige heimische Pflanze enthalten. Einige Landwirte mähen und pflügen die Blühpatenschaftsflächen bereits im Herbst, so dass weder für Insekten oder noch für Rebhühner im Winter Lebensraum bleibt.
Der BN empfiehlt deshalb nur Blühflächen, die folgenden Mindestanforderungen entsprechen:

• Die Mischungen sollten mindestens 30% heimische Wildblumen enthalten,
• es sollten mindestens 2 Jahre Standzeit eingehalten werden, damit Insekten die Möglichkeit haben, in den Stängeln zu überwintern, die Hasen sich im Winter verstecken können und die Feldlerchen im März an Samenständen picken können,
• keine Blühmischung in Grünlandgebieten! Dort, wo eigentlich artenreiche Wiesen wachsen sollten, ist eine Blühmischung für fehl am Platz. Wiesengebiete sind oft in Fluss- und Bachauen und am schwarzen Moorboden zu erkennen
• keine Blühflächen an Straßen oder viel begangenen Fußwegen, damit Tierarten wie Rebhuhn oder Feldlerche auch davon profitieren können.

Blühflächen sind in reinen Ackergegenden durchaus eine Bereicherung, aber sie sind nur ein Baustein um die Artenvielfalt in der Landschaft zu fördern, nicht das Allheilmittel.
Artenreiche Wiesen zwischen den Äckern wären für die Artenvielfalt mindestens genauso wichtig.
Die Ortsgruppe Augsburg des BN will dieses Jahr auf Landwirte zugehen, bei denen z. B. seltene Ackerwildkräuter wie Adonisröschen und Rittersporn auf dem Acker wachsen und sie bitten, diese zu erhalten. Auch bei Wiesen mit Kohldisteln und Wiesenknopf will der BN die Landwirte bitten, diese später zu mähen. Hier ließe sich mit dem gleichen Geld bestimmt die doppelte Fläche fördern und der Effekt für seltene Arten wäre größer.

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