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Das Nashorn und der Brexit: Wie der Augsburger Zoo auf politische Entwicklungen reagieren muss

Nashorn in der Klemme: Weil Ende März der Brexit ansteht, muss das Nashorn, das von Augsburg nach England ziehen soll, nun früher auf die Reise gehen. Foto: Monika Grunert Glas

Keeva ist ein südliches Breitmaulnashorn. Sie kam am 18. Februar 2016 in Augsburg zur Welt und genießt seitdem das weitläufige Gelände auf dem drei Hektar großen Afrika-Panorama. Vor allem mit ihrem Halbbruder Kibo, der nur zwölf Tage älter ist als Keeva, versteht sie sich prächtig. Nun aber ist Keeva zu einer jungen Dame herangereift und muss ausziehen. Schneller als geplant, und der Grund dafür ist der Brexit.

Am Montag hatte Keeva ihren dritten Geburtstag. "Sie kommt nun ins geschlechtsreife Alter", weiß Zoodirektorin Barbara Jantschke. Um zu vermeiden, dass Keeva von ihrem eigenen Vater Bantu gedeckt wird, muss sie die Fuggerstadt verlassen. Ihr neues Zuhause soll sie im Safaripark Knowsley in der Nähe von Liverpool im Nordwesten von England finden.

Den Austausch von Tieren in Europäischen Zoos regelt das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP). Dadurch kann man Inzucht vermeiden. Bulle Bantu beispielsweise verbrachte einmal ein Jahr in Belgien, um dort für Nachwuchs zu sorgen. In Augsburg indes rechnet Zoodirektorin Barbara Jantschke in näherer Zukunft nicht mit Nashornkindern. Zu selten war Bantu gemeinsam mit den anderen draußen. Nicht nur, um Rangkämpfe mit Söhnchen Kibo zu vermeiden, auch um nicht zu riskieren, dass Tochter Keeva dazwischen geriete, wenn er versucht, sich mit Chris oder Kibibi zu paaren. "Da gehen wir lieber auf Nummer sicher", so die Zoochefin. Außerdem sind die Tiere im Winter immer nur stundenweise auf der Anlage. Sollte es dennoch "geklappt" haben, würde der Zoo das über die Kotproben erfahren, die alle drei Monate untersucht werden. So eine Nashornschwangerschaft dauert allerdings 16 bis 18 Monate.

Laut Lexikon werden Breitmaulnashörner mit etwa sechs Jahren geschlechtsreif. Andererseits aber kennt Barbara Jantschke auch Beispiele, wo es deutlich früher der Fall war. Seit 2009 unterstützt der Augsburger Zoo einen Naturschutzfonds in Uganda. Von jeder Eintrittskarte gehen zehn Cent an das Projekt, von jeder Jahreskarte 25. Rund 270 000 Euro kamen so im Laufe der Jahre schon zusammen. "Ich war vor einiger Zeit in Uganda. Sie züchten da hervorragend", sagt Barbara Jantschke. In den vergangenen neun Jahren vergrößerte sich die Herde von neun auf 25 Tiere. "Und es gibt dort Nashornkühe, die mit vier Jahren ihr erstes Kalb zur Welt bringen."

Dass Keeva nach England kommen soll, steht schon seit geraumer Zeit fest. Nun aber kommt Tempo in die Sache. Denn der Im- und Export von Tieren innerhalb Europas ist schon von genügend Bürokratie begleitet, für die Ein- und Ausfuhr außerhalb der EU aber wird es noch einmal komplizierter. Wegen des Brexits ist England nur noch bis 29. März, Mitternacht, EU-Mitglied. Deshalb muss der Safaripark in Knowsley nun zügig einen Transport organisieren. Elf Nashörner leben in der dortigen Herde, neben Keeva soll noch eines aus Frankreich dazukommen. Keeva wird per Lkw nach Großbritannien reisen.

Auch Keevas Halbbruder Kibo muss Augsburg verlassen. Zum einen, um Inzucht mit seiner Mutter Chris zu vermeiden, zum anderen, weil sich Bulle Bantu und sein Söhnchen jetzt schon misstrauisch im Stall beäugen und nie zusammen auf die Freifläche gelassen werden. Kibo sollte eigentlich schon im Herbst nach Rom ziehen. Doch dort wird die Nashornanlage gerade umgebaut. Wie lange das noch dauert, kann Barbara Jantschke nicht sagen.

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