Region: Augsburg Stadt

40 Jahre Oktoberfestattentat

LeserReporter Cemal Bozoğlu

40 Jahre Oktoberfestattentat

Das Oktoberfestattentat jährt sich am 26.September 2020 zum vierzigsten Mal. Es handelt sich um den größten rechtsextremistischen Terroranschlag in der Geschichte der Bundesrepublik. Durch eine am Haupteingang zum Festgelände deponierte Bombe kamen 1980 13 Menschen ums Leben und über 200 wurden verletzt, viele davon schwer. Die GRÜNE Landtagsfraktion hat kurz vor dem Jahrestag überlebende Opfer und Angehörige von Ermordeten zu einem Empfang in den Landtag eingeladen. Viele von ihnen leiden bis heute unter den physischen und psychischen Spätfolgen des Attentats. Schwer wiegt dabei auch die fehlende Versorgung der Behörden: Lange Zeit wurde das Leiden der Opfer und Opferangehörigen nicht anerkannt, Unterstützung blieb aus.

Für Cemal Bozoglu, dem Sprecher für Strategien gegen Rechtsextremismus der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen im bayerischen Landtag, ist völlig klar: „Die Forderungen, Anliegen und Wünsche der Betroffenen müssen nun endlich ernst genommen werden.“ Zuständig für die Leistungsansprüche der Opfer ist mit dem ‚Zentrum Bayern Familie und Soziales‘ (ZBFS) eine Landesbehörde. Seit November 2019 ist der Vizepräsident des ZBFS, Erwin Manger, auch der zentrale Ansprechpartner für Terroropfer in Bayern. „Manger muss sich in als Opferbeauftragter der Staatsregierung in seiner eigenen Behörde für eine wertschätzende und anerkennende Behandlung der schwer geschädigten Opfer des Oktoberfestattentats einsetzen,“ fordert Cemal Bozoglu. „Der zermürbende Kampf mit den Versorgungsämtern muss umgehend ein Ende haben!“

 

Nach 40 Jahren wird das Oktoberfestattentat endlich als rechtsextremer Terror anerkannt

 

Nach 40 Jahren wurde das Oktoberfestattentat in diesem Sommer endlich durch die Bundesanwaltschaft auch offiziell als rechtsextreme Terrortat eingestuft. Bis dahin galt der Attentäter, Gundolf Köhler, als Einzeltäter, der aus persönlichen Motiven heraus gehandelt habe. Mögliche politische Motive Köhlers und seine engen Verbindungen in die rechtsextreme Szene wurden von den Sicherheitsbehörden 1980 weitgehend ignoriert. Köhler hatte Kontakte zur rechtsextremen Wehrsportgruppe Hoffmann und war Mitglied in der ebenfalls rechtsextremen ‚Wiking-Jugend‘. Hinweisen von Zeugen auf mögliche Mittäter und Mitwisser wurde nicht mit der erforderlichen Gründlichkeit nachgegangen. Das bayerische LKA hatte die Ermittlungen damals bereits nach acht Monaten eingestellt.

Es ist vor allem dem Opferanwalt Werner Dietrich zu verdanken, dass die Ermittlungen im Jahr 2014 durch die Bundesanwaltschaft wiederaufgenommen wurden. Am 6. Juli 2020, fast sechs Jahre später, stellte der Generalbundesanwalt das Verfahren erneut ein. „Trotz umfangreicher Ermittlungen, Spurenauswertungen und Zeugenvernehmungen konnten 40 Jahre nach der Tat mögliche Mittäter, Hintermänner oder Mitwisser nicht mehr mit der erforderlichen Gewissheit ermittelt werden,“ berichtet Werner Dietrich von den Ergebnissen der Ermittlungen. Viele Zeug*innen leben mittlerweile nicht mehr, wichtige Asservate wurden bereits vor langer Zeit vernichtet. Die eklatanten Versäumnisse der Vergangenheit ließen sich deshalb nicht wieder gut machen.

Durch die nun erfolgte Anerkennung des Anschlags als rechtsterroristische Tat eröffnen sich den Opfern neue Anrechte auf politische Entschädigungen, betont Cemal Bozoglu. Gemeinsam mit dem Opferanwalt Werner Dietrich und mit Einverständnis der Betroffenen fordert Bozoglu schnelle und unbürokratische Hilfen, was Bozoglu mit dem Antrag ‚Oktoberfestattentat als rechtsextreme Terrortat anerkennen – Angemessene Entschädigung für die Opfer‘ auch im Landtag stark macht.

Aufgrund des gesellschaftlichen Drucks und der Neubewertung des Attentats als rechtsterroristisch, wurde nun gemeinsam vom Bund, dem Land Bayern und der Stadt München ein Fond mit 1,2 Mio. Euro bestückt, welcher den Opfern zugutekommen soll. Diese Summe wird als deutlich zu gering eingeschätzt. Eine gerechtfertigte Berechnung des Opferanwalts Dietrich, die auch Cemal Bozoglu unterstützt, sollte wie folgt aussehen: Für Schwerverletzte 100.000 €, für Mittelschwerverletzte 70.000 € und für Leichtverletzte 30.000 €.

 

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