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Drogen-Deals am Drei-Auen-Platz: Zwillinge gestehen Handel mit Marihuana

Zwei Brüder müssen sich am Amtsgericht Augsburg seit Dienstag wegen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln verantworten.

Laut Anklageschrift sollen sie Teil einer Bande von jungen Erwachsenen sein, die am Drei-Auen-Platz in Oberhausen – der Polizei zufolge seit Jahren ein Brennpunkt des Augsburger Drogenhandels – in großem Stil Marihuana verkauft hat. Die 19-Jährigen zweieiigen Zwillinge, die am Dienstag aus der Untersuchungshaft in den Gerichtssaal am Amtsgericht Augsburg gebracht werden, sehen sich zum verwechseln ähnlich, tragen dieselbe kurzgeschorene Frisur und dasselbe hellblaue Hemd, beide verhalten sich gefasst. In der mutmaßlichen Bande sollen die Zwillinge für den Verkauf der Drogen verantwortlich gewesen sein, während ein in einem anderen Prozess verfolgter Jugendlicher regelmäßig Marihuana beschafft haben soll. Weitere Jugendliche sollen etwa bei der Planung oder als Bodyguard beteiligt gewesen sein.

Während die Angeklagten am ersten Verhandlungstag den Handel mit Rauschmitteln zugaben – aktiv war das Duo wohl ab dem Frühjahr 2021 bis zur Festnahme im Oktober – betonen sie, dass es die von Polizei und Staatsanwaltschaft vermutete Bande – laut Gesetz ein Zusammenschluss von mindestens drei Personen – nicht gegeben habe. Falls das Gericht in diesem Sinne urteilt, würde das für die Angeklagten wohl eine deutlich mildere Strafe bedeuten. Denn für bandenmäßigen Handel mit größeren Mengen von Betäubungsmitteln droht eine Freiheitsstrafe von mindestens fünf Jahren. Für selbstständigen, gewerbsmäßigen Drogenhandel gilt hingegen nur eine Mindestfreiheitsstrafe von einem Jahr.

Unter anderem durch verdeckte Ermittler waren die Machenschaften der Heranwachsenden am Drei-Auen-Platz aufgedeckt worden. Die beiden 19-Jährigen sollen laut Staatsanwaltschaft mehrere Kilogramm Marihuana pro Monat umgesetzt haben. Eine Verbrauchsmenge, ein sogenannter "Kollege", beträgt dabei laut einem der ermittelnden Polizeibeamten rund zwei Gramm und wird gängigerweise für rund 25 Euro verkauft. Durch den Verkauf wollten sich die Zwillinge eigenen Angaben zufolge zunächst den eigenen Marihuana-Konsum finanzieren, dann hätten sie angefangen, sich mit dem Drogenhandel den Ausbildungsverdienst aufzustocken.

Die Drogen für den Verkauf kauften sie dabei stets von demselben Bekannten. Wie die Zwillinge seien dieser und weitere Mitglieder der Clique in Oberhausen aufgewachsen. Man kenne sich bereits seit der Grundschule, sei befreundet und treffe sich regelmäßig. Andere ebenfalls Angeklagte kenne man persönlich gar nicht. Vor Gericht äußerte sich einer der beiden Zwillinge selbst zu den Vorwürfen, der andere ließ eine Erklärung von seinem Verteidiger verlesen. "Ich habe krass Mist gebaut", sagte der erste über die Anklageschrift. "Aber ich glaub nicht so schlimm, wie es da drin steht". Man sei kein Bandenmitglied gewesen, habe zum Beispiel auch keine Läufer geschickt. "Wir haben einfach unsere Drogen verkauft", so der 19-Jährige.

Nachrichten und abgehörte Gespräche zwischen den Zwillingen und ihrem mutmaßlichen Verkäufer sollen laut Verteidiger Alexander Esser im Prozess belegen, dass es sich bei den jungen Männern nicht um eine organisierte Bande gehandelt habe. So sei darin immer wieder von dem Preis die Rede, den die Brüder für das Marihuana zahlen sollten. In einer SMS stehe etwa geschrieben "Ich geb sie euch für 5.45", und außerdem, dass "ihr" – also die Zwillinge – dadurch viel Profit erzielen könnten. In einer tatsächlichen Bande wäre eher von "wir" die Rede, glaubt Esser. Eine regelmäßige "Geschäftsbeziehung" ist laut Gesetz nicht genug, um Personen als Bande zu klassifizieren.

Esser und auch Verteidigerin Martina Sulzberger kritisierten vor Gericht auch die Ermittlungsarbeit der Polizei. Verdeckte Ermittler hatten im Sommer 2021 mehrmals Drogen von den Zwillingen bezogen, und zwar laut Esser in größeren Mengen, als diese für gewöhnlich verkauften. Die Beamten hätten die beiden nicht vorbestraften Jugendlichen mit Geld weiter "angefüttert", kritisierte Esser. "Wäre polizeilich früher eingeschritten worden, wäre es früher mit dem Handel vorbei gewesen." Stattdessen hätten die Beamten dabei zugesehen, "wie sich die Zwillinge tiefer im Handel verstrickten". Das widerspreche dem Erziehungsgedanken bei der Jugendstrafverfolgung.

Die Polizei verfolgte laut dem stellvertretenden Ermittlungsgruppenleiter auch das Ziel, die Hintermänner beziehungsweise Lieferanten zu ermitteln. Dies habe sich allerdings zunächst als "schwierig" erwiesen. Im Verfahrenskomplex gegen die mutmaßliche Bande, die am Drei-Auen-Platz agiert haben soll, werden noch weitere Prozesse folgen, darunter der von drei mutmaßlichen Haupttätern. Allein in der Verhandlung um die beiden Zwillinge sind weitere Termine bis Juli vorgesehen.

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