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Durchsuchungsaktion in Augsburg: Polizei geht gegen Kinderpornografie in WhatsApp-Chats vor

In Augsburg fand am Mittwochmorgen eine Durchsuchungsaktion der Polizei statt. Es ging dabei um kinderpornografisches Bildmaterial in WhatsApp-Chats. (Symbolbild)

Die Kriminalpolizei hat am Dienstag und Mittwoch eine "groß angelegte Durchsuchungsaktion in Sachen Kinderpornografie" in Augsburg durchgeführt. Im Fokus standen dabei Bilder aus WhatsApp-Chats.

Am Dienstag und Mittwoch führte die Kripo Augsburg mit Unterstützungskräften der Einsatzhundertschaft des Polizeipräsidiums Schwaben Nord mehr als 20 Durchsuchungen im Stadtbereich Augsburg sowie den Landkreisen Augsburg und Aichach-Friedberg durch, wie das Präsidium in einer Pressemitteilung informiert. Grund der Durchsuchungsaktion ist der Tatverdacht des Besitzes beziehungsweise Verbreitens kinderpornografischer Schriften. "Dabei handelte es sich um Einzelfälle, die in keinem direkten Zusammenhang stehen", wie die Polizei betont.

Beim Großteil der Verdächtigen handelt es sich laut Polizei um Jugendliche, Heranwachsende oder junge Frauen beziehungsweise Männer. Diesen wird vorgeworfen, Bilder oder Videos mit sexuellen Handlungen – meist auf ihrem Smartphone – besessen oder verbreitet zu haben. Dies sei größtenteils über Chats wie WhatsApp, aber auch mittels Clouds oder Social Media-Plattformen geschehen. Da die Bilddateien Minderjährige bei sexuellen Handlungen zeigen oder sexuelle Inhalte direkt an Minderjährige (persönlich oder in Gruppen) geschickt wurden, liege bereits der Tatverdacht des Besitzes beziehungsweise Verbreitens kinderpornografischer Schriften vor.

Aus diesem Grund habe die Kripo Augsburg seit geraumer Zeit intensive Ermittlungen geführt. In diesem Zusammenhang wurden nach Antrag der Staatsanwaltschaft Augsburg zahlreiche Durchsuchungsbeschlüsse durch das Amtsgericht Augsburg erlassen und am Dienstag sowie Mittwoch vollzogen. Dabei wurden die Wohnungen der Beschuldigten durchsucht und Smartphones sowie sonstige Datenträger sichergestellt. Diese werden nun durch die Ermittler nach strafrechtlich relevanten Inhalten ausgewertet.

In der Pressemitteilung schildert die einige Einzelfälle aus den aktuellen Ermittlungen. So soll eine Jugendliche eigene sexuelle Handlungen mit ihrem Handy aufgezeichnet und das Video einem 13-jährigen Kind über WhatsApp geschickt haben. Da das besagte Bildmaterial von Personen unter 18 Jahren stammt, besteht hier laut Polizei der Verdacht des Verbreitens von jugendpornografischer Schriften. Außerdem wurden dadurch einem Kind derartige Inhalte zugänglich gemacht, weshalb auch der Tatbestand des sexuellen Missbrauchs von Kindern im Raum steht.

Ein 14-Jähriger habe Nacktbilder seiner minderjährigen Ex-Freundin über WhatsApp verbreitet. Außerdem soll er pornografische Inhalte an einen weiteren Minderjährigen geschickt haben.

Jedoch sind nicht nur junge Menschen von den Ermittlungen betroffen. So wird einem Mitte 30-Jährigen vorgeworfen, mindestens 1000 Bilddateien mit kinderpornografischem Inhalt auf eine Cloud hochgeladen zu haben. Auch dessen Wohnung wurde durch Beamte nach Beweismitteln durchsucht.

Mehrere Beschuldigte waren Mitglieder von WhatsApp-Gruppen, in denen kinderpornografische Bilddateien eingestellt wurden. Da die Dateien – teils automatisch – auf deren Smartphones heruntergeladen wurden, ist bereits der Besitz von kinderpornografischen Schriften erfüllt. Außerdem waren in einigen Fällen auch Minderjährige in diesen Gruppen aktiv und kamen dadurch mit diesen Inhalten in Berührung.

Durch die kriminalpolizeilichen Maßnahmen möchte die Kripo Augsburg nach eigener Aussage auch unterstreichen, dass das Internet und Chat-Gruppen keine rechtsfreien Räume seien. Bei den abgebildeten Personen handele es sich meist um junge Menschen, deren intim angefertigten Bilder durch das Zutun anderer im Netz kursieren. "Oft ist es schwer, diese Bilder vollkommen aus dem Internet zu verbannen. Betroffene haben in vielen Fällen vor allem psychisch damit zu kämpfen, dass ihre intimen Bilder in Umlauf geraten sind. Es sind auch immer wieder Fälle bekannt, bei denen Betroffene mit der Veröffentlichung von dementsprechendem Bildmaterial diskreditiert oder sogar erpresst werden", so die Polizei.

Die Kripo appelliert daher an alle, bei Erhalt von derartigem Bildmaterial den Kreislauf der Weiterverbreitung zu unterbrechen, diese Dateien sofort zu löschen und auf keinen Fall in irgendeiner Art weiterzuschicken oder in Gruppen online zu stellen. Ein solches Verhalten sei kein Kavaliersdelikt und werde von der Polizei in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft auch konsequent verfolgt. Die Durchsuchungsaktion werde keine einmalige Aktion der Augsburger Kripo sein, kündigt die Polizei an. (pm)

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