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Eine "eigentlich lächerliche" Auseinandersetzung: Zeugenaussagen im Augsburger Mordprozess um getöteten 28-Jährigen

Freunde des Opfers und Anwohner stellten im vergangenen Jahr Gedenkkerzen für den getöteten 28-Jährigen auf.

Im Prozess um den getöteten 28-Jährigen aus Pfersee haben am Freitag die ersten Zeugen ausgesagt, unter anderem der Ex-Freund der Angeklagten. Er war mit dem 28-Jährigen in Streit geraten, bevor die heute 20-Jährige diesen durch einen Messerstich in die Brust tötete.

Die Angeklagte wirkte auch am zweiten Verhandlungstag vor dem Jugendgericht verschüchtert. Sie habe nicht vorgehabt, den 28-Jährigen an einer besonders gefährlichen Stelle zu treffen, sagte sie auf Nachfrage eines Gutachters. Sie habe aus Panik unbewusst gehandelt: "Ich wollte ihm auch nicht das Leben nehmen. Das ist für mich auch schwer zu verkraften." Bittere Lacher ertönten bei dieser Aussage aus dem Zuschauerbereich, wo Freunde und Angehörige des Opfers saßen.

Zwei 33-jährige Freunde berichteten von einem eigentlich schönen Nachmittag, den sie am 27. November mit dem 28-Jährigen an der Wertach verbrachten. "Wir haben gesungen, wir haben uns umarmt", erzählte einer der beiden. Der 28-Jährige sei aufgrund des konsumierten Alkohols keineswegs aggressiv, sondern "lustig drauf" gewesen. Am frühen Abend wollte der 28-Jährige zu seiner Freundin fahren. Die kleine Feier verlagerte sich laut den Zeugen für etwa 15 Minuten an die Bushaltestelle in der Uhlandstraße.

Unklar ist noch, wie genau es dort zu dem Streit zwischen dem späteren Opfer und dem damals 27-jährigen Ex-Freund der Angeklagten kam. Einer der Freunde des Opfers glaubte, der 28-Jährige sei von sich aus auf die andere Gruppe zugegangen, als diese an der Haltestelle vorbei lief. Eine Rangelei habe er nicht mitgekriegt – ein bisschen laut sei es geworden. Die 20-Jährige habe dabei nicht verängstigt gewirkt, eher aggressiv. Als er sich zu der Auseinandersetzung begeben wollte, habe sie ihn gestoppt und gemeint, das würden die beiden unter sich klären.

Der zweite Begleiter des 28-Jährigen erzählte, die andere Gruppe habe herumgepöbelt. Auf Nachfrage erinnerte er sich auch daran, dass die 20-Jährige behauptet hätte, der 28-Jährige habe ihren Freund sexuell belästigt. Es sei zu einer lauten Diskussion zwischen den beiden Männern gekommen.

Sorgen machten sich die Freunde nicht um den 28-Jährigen. Sie gingen, während die beiden Kontrahenten noch diskutierten, zunächst zu einem Supermarkt, dann nach Hause. Er habe an der Situation "überhaupt nichts Lebensbedrohliches gesehen", erklärte einer der beiden. Es sei kalt gewesen, er wollte nach Hause. "Mir war klar, dass er in zehn Minuten diesen Bus nimmt und zu seiner Freundin fährt", erzählte der 33-Jährige. Erst am nächsten Morgen erfuhr er, dass der 28-Jährige wenig später tot war.

Der heutige Ex-Freund der Angeklagten machte vor Gericht wenige Angaben. Die Frage, ob er von dem 28-Jährigen früher am Abend begrapscht worden war, wollte er auf Anraten seiner Anwältin etwa nicht beantworten. Er gab allerdings an, der Gruppe an dem Tag vor dem verhängnisvollen Treffen schon einmal begegnet zu sein. Außerdem erzählte er etwas vom Hintergrund der 20-Jährigen. Man habe regelmäßig viel Alkohol konsumiert, Marihuana oder Kräutermischungen geraucht, sagte er über die Zeit der Beziehung. Auch am Tatabend waren wohl Alkohol und Marihuana im Spiel.

Etwas mehr darüber, wie wohl der Ex-Freund die Tat wahrnahm, erzählte ein befreundetes Paar, mit dem dieser am nächsten Tag über den Vorfall geredet hatte. Er habe damals von einer "eigentlich lächerlichen" Auseinandersetzung gesprochen. Dass die 20-Jährige ein Messer zog, soll ihr Freund nicht gesehen haben. Er habe eine Art Schlag oder Schubser von ihrer Seite wahrgenommen. Dann habe die 20-Jährige plötzlich gesagt, dass man schnell verschwinden müsse. Kurz darauf habe sie gemeint, sie habe Angst vor dem Gefängnis und habe ihm erzählt, dass sie mit dem Messer zugestochen hatte. Der 28-Jährige verstarb an der Verletzung wohl innerhalb weniger Minuten.

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