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Freispruch nach Dönerwurf in Augsburger Straßenbahn: Polizeipanne bei Täteridentifizierung

Beleidigung und versuchte Körperverletzung in der Linie 2: Die Straßenbahnfahrerin wurde zweimal mit einem Döner angegriffen. (Symbolbild)

Ein ungewöhnlicher Fall wurde am Montag vor dem Augsburger Amtsgericht verhandelt: Ein junger Mann soll eine Straßenbahnführerin beleidigt und mit zwei Dönern beworfen haben, so der Vorwurf. Doch der vermeintliche Täter hat wohl einen Doppelgänger.

Der außergewöhnliche Angriff ereignete sich am 5. Februar vergangenen Jahres: Ein Mann bewarf im Streit eine Straßenbahnführerin mit einem Döner – und das gleich zweimal. Am Montag musste sich ein 20-Jähriger wegen des Vorwurfs der Beleidigung und versuchter Körperverletzung vor Gericht verantworten.

Als der mutmaßliche Täter am Tattag gegen 20 Uhr in die Straßenbahnlinie 2 am Helmut-Haller-Platz einstieg, sei er gerade dabei gewesen, einen Döner zu essen, beschreibt die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage. Nachdem ihn die Straßenbahnführerin über die Lautsprecheranlage auf das geltende Verzehrverbot hingewiesen hatte, sei der junge Mann sofort ausfallend geworden und habe die Straßenbahnführerin übel beleidigt. Diese schloss daraufhin die Türen der Tram und forderte Unterstützung an.

Anschließend sei der 20-Jährige mit seinem Begleiter nach vorne zur Fahrerkabine gekommen und habe seinen Döner nach der Straßenbahnfahrerin geworfen. Den Kopf der Frau verfehlte er nur knapp, da sie sich rechtzeitig wegdrehte und so nur an der Wange gestreift wurde. Doch der junge Mann sei kurz darauf zurückgekehrt, um auch mit dem Döner seines Begleiters auf die Straßenbahnführerin zu zielen. Wieder verfehlte er sein Ziel nur knapp. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten deshalb vor, eine Verletzung der Frau „billigend in Kauf genommen“ zu haben.

Vor Gericht zeigte sich der Angeklagte kein bisschen aufbrausend, im Gegenteil ist er auffallend ruhig und höflich. Von Beginn der Verhandlung an betonte er: „Ich habe nichts damit zu tun. Das war ich nicht.“ Das klingt schwer nach dem Klischee eines leugnenden Täters, aber: Der Angeklagte sagte wohl die Wahrheit. Denn wie ein im Dezember erstelltes Gutachten belegt, ist der Polizei bei der Identitätsermittlung des Täters ein Fehler unterlaufen. Der Angeklagte sehe dem Angreifer auf den Videoaufnahmen der Straßenbahn zwar ähnlich, habe die Tat aber nicht begangen, wie Richterin Angela Friehoff ausführte. Die falsche Übereinstimmung in der Datenbank der Polizei wurde bei einer anthropologischen Begutachtung aufgeklärt, die die Identität des Täters eindeutig beweisen sollte.

Als Zeuge sagte anschließend lediglich ein Polizeibeamter aus, der über die fehlerhafte Identifizierung informiert wurde. Richterin Friehoff bat den Beamten darum, die Identität des Mannes bei einer erneuten Übereinstimmung genauer zu überprüfen. Nach etwa 20 Minuten war der Prozess für den fälschlich Angeklagten vorbei: Freispruch. Die Identität seines Doppelgängers bleibt erstmal unbekannt. (lis)

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