Region: Augsburg Stadt

Hat eine Mutter ihr neun Wochen altes Baby getötet?

Mutter angeklagt: Vor dem Augsburger Landgericht muss sich eine 25-Jährige verantworten. Sie soll ihr Baby getötet haben.

Ein erst neun Wochen altes Baby ist im Sommer 2018 in Augsburg zu Tode gekommen. Nach langen Ermittlungen muss sich nun etwa drei Jahr später die mittlerweile 25-jährige Kindsmutter vor dem Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft legt der jungen Frau Totschlag zur Last.

Am zweiten Verhandlungstag am Montagmorgen äußerte sich die junge Augsburger Mutter zu den Geschehnissen in der Nacht des 22. September 2018. Demnach sei sie in den frühen Abendstunden mit ihrem Baby und Hund in einen Lebensmitteldiscounter gegangen und habe zwei Flaschen des Weincocktails "Hugo" gekauft. Als sie diese im Laufe des Abends geleert hatte, verließ die junge Frau erneut das Haus, um Alkohol zu besorgen. Diesmal gönnte sie sich zwei Flaschen "Desperados" - ein Mischgetränk aus Bier und Tequila - an einer Tankstelle.

Wieder zu Hause angekommen sei die Augsburgerin gemeinsam mit ihrem Baby auf der Couch gelegen und habe ferngesehen. Um 23 Uhr sowie um 3 Uhr will sie dem Kind jeweils noch ein Fläschchen gegeben haben. Anschließend schlief sie ein und fand am nächsten Morgen das leblose Baby neben sich. "Ich habe mein Baby nicht erstickt oder erwürgt", beteuert die 25-Jährige am Montag unter Tränen.

Die Augsburger Staatsanwaltschaft geht aber genau davon aus. Laut Anklage soll die junge alleinerziehende Mutter oftmals mit ihrem weinenden Kind überfordert gewesen sein. Weil es sich auch am Tatabend nicht beruhigen lassen wollte, soll die Frau laut Staatsanwältin Tanja Horvath dem Baby einen Schlag gegen den Kopf verpasst haben, so dass der Säugling einen Schädelbruch erlitt. Dies war aber laut Gutachten nicht die Todesursache.

Säugling erleidet Schädelbruch

Angesprochen auf den Schädelbruch erklärte die 25-Jährige dem Gericht, dass sie sich geschämt und im Zuge des Ermittlungsverfahren gelogen habe. Zum einen in Bezug auf den Alkoholkonsum, denn in den Akten war immer nur die Rede von einer Flasche Hugo. Zum anderen erzählte die Frau nun am zweiten Verhandlungstag, dass ihr das Baby heruntergefallen sei, als sie in die Küche gehen und das Fläschchen vorbereiten wollte.

Immer wieder hakte Richter Roland Christiani nach und wollte wissen, was die Angeklagte damit meinte, als sie sagte, sie hätte das Kind beim Sturz "halb gefangen". Schließlich sagte die 25-Jährige, dass ihr Kind mit dem Kopf auf den Boden geprallt sei.

Die Versionen von Angeklagter und Staatsanwaltschaft überschneiden sich zumindest darin, dass nach der Kopfverletzung gemeinsam ferngesehen wurde. Das Baby habe laut der Angeklagten nach dem Sturz zwar geschrien, hätte sich aber nach einiger Zeit wieder beruhigt, gegessen und schließlich geschlafen. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft sei die Mutter allerdings extrem genervt gewesen, als das Kind sie nicht einmal drei Stunden später wieder aufweckte. Dann soll die Frau ein Kissen genommen und es dem Säugling auf das Gesicht gedrückt haben. Zwischen 5 und 6 Uhr morgens sei das Baby demnach gestorben.

Rettungssanitäter bezeichnen Situation als "merkwürdig"

Welche Version nun der Wahrheit entspricht, das will das Gericht um Vorsitzenden Richter Christiani an mehreren Verhandlungstagen herausfinden. Am Montag machte er allerdings keinen Hehl daraus, dass die Angeklagte aus seiner Sicht unglaubwürdig wirkt. Seiner Meinung nach würde die 25-Jährige zu viel nachdenken, welche Geschichte für sie die Beste wäre. Dass sich die Frau im Schlaf aus Versehen auf ihr Kind gerollt habe, wie es die Angeklagte für möglich hält, will der Richter nicht glauben. "Mir ist gesagt worden, es sei völlig ausgeschlossen, dass eine Mutter im Schlaf auf ihr Baby rollt und es nicht merkt", so Christiani.

Am Montag haben zudem die Rettungssanitäter ausgesagt, die als erste Einsatzkräfte vor Ort waren. "Die Situation war merkwürdig", sagte ein Zeuge und ergänzte, dass die Angehörigen bei einem Kindernotfall üblicherweise "sehr aufgeregt" wären. In diesem Fall jedoch seien die Betroffenen entspannt und gefasst gewesen.

Da bereits die Leichenstarre eingesetzt und sich die Haut leicht verfärbt hatte, wurden auch keine Reanimationsmaßnahmen mehr ergriffen.

Weitere Verhandlungstage sind bis Mitte November angesetzt.

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