Region: Augsburg Stadt

Kriminalstatistik: Wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf die Kriminalität in der Region aus?

Auf einer Pressekonferenz hat das Polizeipräsidium Schwaben-Nord am Montag seine Kriminalstatistik für das Jahr 2020 vorgestellt.

Mehr Zeit zuhause, weniger Partys, geschlossene Läden: Sorgt all das gleichzeitig für mehr häusliche Gewalt oder weniger Körperverletzungen und einen Rückgang der Diebstähle? Diese Frage hat sich die nordschwäbische Polizei unter anderem bei der Auswertung der Kriminalstatistik aus dem vergangenen Jahr gestellt. Das Fazit von Polizeipräsident Michael Schwald am Montag: Gewissheiten, welche Auswirkungen die Pandemie auf die Anzahl der Straftaten in der Region Augsburg hatte, könne man nicht geben. Einige Auffälligkeiten gibt es dagegen schon.

Die Corona-Pandemie habe "die polizeilichen Handlungsfelder deutlich verändert", sagt Schwald. Mit der Überprüfung der Infektionsschutzmaßnahmen übernahm die Polizei eine komplett neue Aufgabe. Außerdem waren die Beamten 2020 auch deutlich öfter bei öffentlichen Versammlungen im Einsatz: Die Anzahl der angemeldeten Versammlungen stieg im Corona-Jahr von 392 im Vorjahr auf 747, ein Anstieg um 90,6 Prozent. Die Auswirkungen der Corona-Maßnahmen auf das Kriminalitätsgeschehen festzustellen, erweise sich dagegen oft als komplex, betont der Polizeipräsident.

Ein Beispiel, bei dem zumindest der Einfluss der Lockdowns klar zu erkennen ist, sei der Ladendiebstahl. Tatsächlich sind die Fallzahlen vor allem während des ersten Lockdowns stark zurückgegangen, nämlich um 33 Prozent im Vergleich zum März und April des Vorjahres. Weniger deutlich fiel der Rückgang im Dezember aus. Ein möglicher Grund laut der nordschwäbischen Polizei: Die verhinderten Diebstähle im Einzelhandel verlagerten sich am Ende des Jahres zu einem großen Teil schlichtweg auf die weiterhin geöffneten Supermärkte.

Wenig eindeutig sind die Auswirkungen der Pandemie auf die häusliche Gewalt. Besonders Sozialarbeiter hatten wiederholt davor gewarnt, dass die Lockdowns zu einem Anstieg der Beziehungsgewalt führen könnten. Tatsächlich sanken die Zahlen aber sogar um rund fünf Prozent und die Phasen der harten Lockdowns zeigen sich wenig auffällig. Auch bei der Schwere der Straftaten zeige sich keine signifikante Verschlimmerung. Möglich sei es dagegen, dass insbesondere die Ausgangsbeschränkung dazu führte, dass weniger Taten angezeigt wurden und die Dunkelziffer höher liegt als in vergangenen Jahren. Belegen könne man diese These aber nicht.

Mehr Vergewaltigungen im privaten Raum

Während die allgemeine Kriminalität in Nordschwaben in der bereinigten Statistik um rund 4,5 Prozent abnahm, ergaben sich Zuwächse unter anderem bei den Sexualdelikten, den Beleidigungen und den Rauschgiftdelikten. Die Anzahl der Sexualdelikte steigt um 34 Fälle oder 6,4 Prozent. Vor allem sei dies auf einen Anstieg bei der Verbreitung pornografischer Schriften zurückzuführen, die mit 219 von 619 Fällen das häufigste Delikt in diesem Bereich darstellt. Bei 147 dieser Fälle ging es um den Besitz oder die Verbreitung von Kinderpornografie. Die Zahl der Vergewaltigungen stieg von 54 auf 66 Fälle an. Besonders auffällig sei, dass die Zahl der Vergewaltigungen in der Öffentlichkeit abgenommen habe, während es zu mehr Vergewaltigungen im privaten Raum kam.

Die Zahl der schweren und gefährlichen Körperverletzungen nahm um 3,7 Prozent ab. "Besonders erfreulich" sei laut Ewald Weber, Leiter des Sachgebiets Verbrechensbekämpfung, der Rückgang bei den Delikten Mord und Totschlag, wobei auch bereits versuchte Straftaten in der Statistik erscheinen. Zu elf solchen Fällen kam es in Nordschwaben im vergangenen Jahr, ein Rückgang um 57,7 Prozent im Vergleich zu 2019, als 26 Fälle verzeichnet wurden.

Insgesamt sei die Entwicklung im Gebiet des Präsidiums Schwaben-Nord "sehr positiv", betont Michael Schwald. Im Vergleichszeitraum von zehn Jahren habe es nie weniger Straftaten oder eine bessere Aufklärungsquote gegeben als im Jahr 2020. Insgesamt wurden in Nordschwaben im vergangenen Jahr 36 308 Straftaten angezeigt, wovon 71,3 Prozent aufgeklärt wurden. Die Zahl der Straftaten pro 100 000 Einwohner fiel damit auf 3968, laut Schwald ein "Spitzenwert". Denn bayernweit liegt diese Zahl bei 4291. Nicht ganz so gut sieht es aus, wenn man nur die Stadt Augsburg betrachtet: Hier liegt der Wert bei 6799. Auch in Augsburg sank die Zahl der Straftaten im vergangenen Jahr aber um rund fünf Prozent.

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