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Missbrauch von Schülerin: Augsburger Lateinlehrer zu Bewährungsstrafe verurteilt

Am Amtsgericht Augsburg musste sich in dieser Woche ein 58-jähriger Lehrer verantworten.

"Wie kommt eine Affäre mit einem Mädchen zustande, das jünger ist als die eigenen Kinder?" Diese Frage stellt der Vorsitzende Richter Bernhard Kugler am Anfang einer Verhandlung am Augsburger Amtsgericht. Eine passende Antwort findet der Angeklagte, verheiratet und zweifacher Vater, darauf nicht. Der 58-jährige Lateinlehrer und seine damals 14-jährige Schülerin sollen im Zeitraum von Juni bis Juli 2020 in 15 Fällen miteinander sexuell verkehrt haben. Vor kurzem wurde er deshalb zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Der Lehrer und seine Schülerin trafen sich laut Anklageschrift in den beiden Monaten an verschiedenen Orten in und um Augsburg, etwa in einem Waldgebiet oder im Auto des Lehrers. Als Mitschüler die Affäre bemerkten, wendeten sich diese an eine Verbindungslehrkraft. Das Eingreifen der Behörden beendete die Beziehung endgültig. Der Angeklagte sagte vor Gericht aus, die Beziehung habe zu diesem Zeitpunkt bereits kurz vor dem Ende gestanden. Dem sei die Polizei dann zuvorgekommen.

Der 58-Jährige sei sich eigenen Angaben zufolge sich nicht im Klaren darüber, wann die Beziehung wirklich begonnen hatte – der Prozess sei schleichend gewesen. "Es ging nur damit los, jemandem helfen zu wollen, dann entwickelte es sich in eine ganz andere Richtung", sagte der 58-Jährige. Jedoch räumte er ein, dass das Zulassen der Annäherungsversuche des Mädchens in seiner Verantwortung lag. Ihm sei auch bewusst gewesen, dass die Beziehung nicht richtig war. Der Beamte sei seinem Verteidiger zufolge von der Bewunderung für ihn "fasziniert gewesen". Später zitierte sein Verteidiger "Liebe macht blind, Liebe macht taub, Liebe macht doof".

Warum er den "Avancen" der Schülerin nicht widerstehen konnte, hätten ihm Gespräche mit Vertrauten sowie Psychotherapien aufgezeigt. Vor dem Hintergrund der "romantischen Beziehung" mit seiner Schülerin, wie die Staatsanwältin die Affäre beschrieb, wurde er für dienstunfähig erklärt. Nach eigenen Angaben sei der Beamte seit April krankgeschrieben, sein Gehalt sei gekürzt.

Der 58-Jährige musste sich wegen sexuellen Missbrauchs verantworten, nicht jedoch wegen Vergewaltigung. Seine Frau habe er um Verzeihung gebeten und sie halte weiterhin zu ihm, sagte der 58-Jährige. Bei seiner ehemaligen Schülerin wollte sich der Angeklagte nicht direkt entschuldigen.

Das inzwischen 16-jährige Mädchen, das der Verhandlung beiwohnte, aber nicht aussagen musste, habe laut dem Nebenklägervertreter große Schuldgefühle, auch wegen der drohenden Konsequenzen für den Angeklagten. Richter Kugler betonte daraufhin, dass die Geschädigte keinerlei Schuld treffe: "Der Gesetzgeber und die Gesellschaft kann von Leuten, die mit Schutzbefohlenen zu tun haben, erwarten, dass sie Avancen widerstehen", sagte er.

Auch wenn keine Vergewaltigung im juristischen Sinne vorliege, treffe den 58-Jährigen trotzdem eine "besondere Schwere der Schuld", da es laut dem Richter zu "sehr erheblichen Handlungen" kam, welche strafschärfend zu bewerten seien. Das Verfahren endete schließlich mit einer Verurteilung zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung wegen des sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen in 15 Fällen. Der Angeklagte hat im Rahmen der Bewährungsauflagen insgesamt 3000 Euro an die Geschädigte zu zahlen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Eine Bewährungsstrafe sei laut dem Vorsitzenden Richter nur aufgrund der Kooperativität sowie der günstigen Sozialprognose des bisher nicht vorbestraften Angeklagten möglich gewesen. Wird das Urteil rechtskräftig, wird der 58-Jährige auch seinen Beamtenstatus verlieren – dies erfolgt zwingend bei Strafen über zwölf Monaten.

Von Laura Roser

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