Region: Augsburg Stadt

Mutmaßlicher Haupttäter nach Krawallen in der Maxstraße verurteilt

Letzte Absprache vor Prozessbeginn: Verteidiger Felix Hägele berät sich mit dem 20-jährigen Angeklagten.

Fünf Monate ist es nun her, dass es in der Augsburger Maximilianstraße zu massiven Ausschreitungen gekommen ist. Zunächst waren die Besucher der Partymeile nach dem 4:2-Sieg der Nationalmannschaft bei der EM gegen Portugal in Feierlaune. Mit steigendem Alkoholkonsum kippte dann allerdings die Stimmung innerhalb kurzer Zeit, so dass sich immer mehr Jugendliche gegen die Ordnungshüter solidarisierten. Schließlich rückte eine Hundertschaft der Polizei an, bildete eine Polizeikette und räumte die Maxstraße.

Ein mutmaßlicher Haupttäter musste sich am Freitag vor einem Augsburger Schöffengericht unter anderem wegen Beleidigung, versuchter gefährlicher Körperverletzung, tätlichen Angriffs auf sowie Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte verantworten. Gemeinsam mit anderen Jugendlichen soll der damals 19-Jährige aus einer Menschenmenge heraus Glasflaschen auf die Polizei geworfen haben. Als der Angeklagte eine etwa 80 Zentimeter lange Eisenstange in Richtung der Beamten schleuderte, traf er einen unbeteiligten Passanten.

Direkt zu Beginn der Verhandlung gab Verteidiger Felix Hägele eine Erklärung im Namen seines Mandanten ab. Demnach könne sich dieser aufgrund der Alkoholisierung in der Tatnacht nicht mehr an alle Einzelheiten erinnern. "Ihm ist peinlich, dass er hier sitzen muss, ihm ist peinlich, was er gemacht hat", so Hägele. Der mittlerweile 20-Jährige erkenne sich in seinem Verhalten auf den Beweisvideos kaum wieder. "Er weiß, dass er sich zu verantworten hat", erklärte der Verteidiger. Daher legte der Angeklagte ein umfassendes Geständnis ab.

Im Zuge der Beweisaufnahme schaute sich das Gericht mehrere Videoaufnahmen aus vielen verschiedenen Perspektiven an. Darauf war ganz eindeutig der junge Mann von der Anklagebank dabei zu sehen, wie er die Polizisten als "Hunde" und "Bastarde" beleidigte, obszöne Gesten machte und mehrmals Flaschen sowie eine Stange auf die Einsatzkräfte warf.

Als Zeugen waren mehrere Polizeibeamte geladen. Unter anderem jener, der den Angeklagten an der Tankstelle am Leonhardsberg kurzzeitig festnahm. Nachdem die Maxstraße geräumt wurde, zogen die Randalierer weiter und wollten in der Tankstelle offenbar Alkoholnachschub besorgen. Bei dem Angeklagten handelte es sich aus Sicht des Polizisten um eine Art Rädelsführer, der mit seinem "derart herabwürdigenden Verhalten" gegenüber den Polizisten die Menge anstachelte.

„Das war genauso“ wie bei G20 im Schanzenviertel

Immer wieder fiel der damals 19-Jährige in der Tatnacht einem weiteren Polizisten auf, der das Einsatzfahrzeug fuhr und die Lautsprecheransagen in der Maximilianstraße machte. Der Beamte erlebte die Ausschreitungen an vorderster Front und verglich die Lage mit den Ereignissen rund um den G20-Gipfel im Hamburger Schanzenviertel, wo er ebenfalls im Einsatz gewesen war. "Das war genauso", berichtete der Zeuge.

"Haben Sie sich Gedanken gemacht, dass hinter der Uniform ganz normale Frauen und Männer stecken, die einfach nur ihren Job machen, Familie und Kinder haben und unverletzt nach Hause wollen?", fragte Richterin Rose Oelbermann. "Leider nein. Ich war alkoholisiert", entgegnete der junge Mann, der seit 25. Juni in der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim saß.

Oberstaatsanwältin Andrea Eisenbarth ließ das Argument Alkohol nicht gelten. Ihrer Meinung nach sei der Angeklagte deutlich weniger betrunken gewesen, als die Verteidigung dem Gericht weismachen wollte. Sie verwies auf die Aussage des Polizisten, der bei der Festnahme am Leonhardsberg in direktem Kontakt zu dem jungen Mann stand. Demnach konnte der Angeklagte noch rennen, gut reagieren und reden. Eisenbarth forderte schließlich eine Jugendstrafe von zwei Jahren, ausgesetzt zur Bewährung.

Der Verteidiger schloss sich dem im Wesentlichen an, sodass Oelbermann dem Antrag der Staatsanwältin folgte. Zusätzlich zu seiner Bewährungsstrafe muss der junge Äthiopier, der unter einer posttraumatischen Belastungsstörung leidet, 120 Sozialstunden ableisten, sich bezüglich der ungelösten Alkohol- und Drogenprobleme professionelle Hilfe suchen sowie die psychiatrische Therapie wieder aufnehmen, die er zuletzt hatte schleifen lassen. Das Urteil ist rechtskräftig. (pb)

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