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Prozessauftakt: Ehemaliger Lech-Stahlwerke-Chef wegen Bestechung angeklagt

Großer Andrang zum Prozessauftakt: Neben den Prozessbeteiligten bleibt kaum noch Platz im Gerichtssaal. Den drei Angeklagten stehen acht Verteidiger zur Seite.

Mehr als eine Dreiviertelmillion Euro soll ein ehemaliger Geschäftsführer der Meitinger Lech-Stahlwerke an Bestechungsgeldern erhalten haben. 

Wegen Bestechung beziehungsweise Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr sowie Untreue und Beihilfe zur Untreue muss sich der 55-jährige Mann gemeinsam mit einem 58-jährigen Steuerberater, über dessen Konto unter anderem das Geld geflossen sein soll, sowie einem 45-jährigen Geschäftsführer der Unternehmensgruppe, die die Aufträge des Meitinger Stahlwerks laut Anklage erhalten hat, seit Dienstag vor Gericht verantworten.

Der 55-Jährige soll aus Sicht der Staatsanwaltschaft überhöhte Rechnungen beziehungsweise Rechnungen für nicht erbrachte Leistungen zur Zahlung freigegeben haben, aus denen ein Bestechungslohn in Höhe von insgesamt 830 000 Euro generiert wurde. Dafür soll der ehemalige Stahlwerke-Chef 765 000 Euro sowie eine Küche für rund 59 000 erhalten haben.

Den beiden Mitangeklagten wird zudem Steuerhinterziehung in einer Größenordnung von etwa 1,1 Million Euro vorgeworfen. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft verbuchten die beiden private Darlehen betrieblich und brachten die Staatskasse damit um Einkommens- und Gewerbesteuer.

Laut Christian Grimmeisen, Pressesprecher des Augsburger Landgerichts, sei es schwer zu durchschauen, wie die Vorgänge zwischen den ehemaligen Geschäftsführern und dem Steuerberater abliefen. Wie die Staatsanwältin mitteilt, soll teilweise Geld in bar ausgehändigt worden sein.

Die drei angeklagten Männer sitzen bereits seit einer Razzia im Frühjahr vergangenen Jahres in Untersuchungshaft. Ihre Verteidiger kündigten an, dass sie im Laufe des Verfahrens im Namen ihrer Mandanten Erklärungen zu den Vorwürfen abgeben wollen. Insgesamt acht Verteidiger stehen den 45-, 55- und 58 Jahre alten Angeklagten zur Seite, weshalb im Gerichtssaal abgesehen neben den Prozessbeteiligten lediglich eine handvoll Zuschauer Platz hat. Bis Mai sind für das Wirtschaftsverfahren 18 weitere Verhandlungstage angesetzt.

Jährlich erzeugen die Lech-Stahlwerke mit rund 800 Mitarbeitern etwa 1,1 Million Tonnen Stahl. Seit Gründung der ersten Schmelze im Jahr 1972 seien laut dem Unternehmen mehr als 34 Millionen Tonnen Schrott recycelt worden, weshalb sich die Lech-Stahlwerke selbst als "Bayerns größtes Recyclingunternehmen" bezeichnen. Zu den Vorgängen rund um den ehemaligen Geschäftsführer wollte sich das Unternehmen aufgrund des laufenden Verfahrens nicht äußern.

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