Region: Augsburg Stadt

Siebentischwald-Grapscher vor Gericht: 28 Fälle von sexueller Belästigung

Im Siebentischwald kam es im vergangenen Sommer zu zahlreichen sexuellen Übergriffen.

Eine ganze Reihe von sexuellen Belästigungen im Bereich des Augsburger Siebentischwalds sorgte im vergangenen Sommer für Aufmerksamkeit. Die Fälle liefen dabei immer nach einem ähnlichen Muster ab: Ein zunächst unbekannter Radfahrer näherte sich Frauen von hinten, fasste oder schlug ihnen meist ans Gesäß und fuhr dann wieder davon. Im September konnte die Polizei schließlich einen Tatverdächtigen festnehmen. Am Donnerstag musste sich der 37-Jährige nun vor dem Augsburger Amtsgericht verantworten.

Die Polizei hatte den Angeklagten im September festgenommen, nachdem in einem Zeitraum von rund drei Monaten bereits 22 ähnliche Fälle von sexueller Belästigung, meist im Bereich des Siebentischwalds, angezeigt worden waren. Die Beamten hatten zuvor mit zivilen Fahrradstreifen in den betroffenen Bereichen intensiv nach dem Täter gefahndet. Eine der Streifen erkannte schließlich in der Nähe des Stempflesees einen Mann, auf den die Personenbeschreibung des Täters zutraf. Die Beamten riefen nach der Festnahme auch weitere Geschädigte, die eine Belästigung noch nicht zur Anzeige gebracht hatten, dazu auf, sich an die Polizei zu wenden.

So wurden dem 37-Jährigen nun insgesamt 28 Fälle von sexueller Belästigung zur Last gelegt, die sich zwischen Mai und September 2019 ereignet hatten. Den meisten Frauen hatte er ans Gesäß gegriffen, einigen auch an die Brüste oder Oberschenkel, einer Frau fasste der Angeklagte an den Schritt. Auch Beleidigungen bekamen einige der Belästigungsopfer laut Anklageschrift zu hören, der 37-Jährige sagte etwa "du Schlampe" oder "fick dich", während er davon fuhr.

In einem Rechtsgespräch einigten sich die Verfahrensbeteiligten am Donnerstag auf eine Freiheitsstrafe von höchstens zwei Jahren, sollte der 37-Jährige die Taten gestehen. Dies tat er schließlich auch. Die Vorfälle täten ihm Leid, sagte der Angeklagte, er könne sie sich bis heute selbst nicht erklären.

"Es tut ihm wirklich Leid", glaubte auch sein Verteidiger. Sein Mandant habe die Sichtweisen der belästigten Frauen zunächst kaum bedacht, "und das musste ich ihm auch erstmal klar machen, dass das nicht geht", sagte der Verteidiger. Schließlich habe er sich aber wirklich reuig gezeigt und sich nun auch öffentlich bei den Frauen entschuldigt. Angesichts der bereits in Haft verbrachten Monate seit Dezember, der "relativ geringen Intensität der Taten" und der Bereitschaft, eine Therapie zu machen, forderte die Verteidigung eine Bewährungsstrafe für den 37-Jährigen. Sein Mandant müsse nun wieder zu einem normalen Familienleben zurückfinden und sich mit seiner Frau aussprechen, so der Verteidiger.

Das Gericht um die Vorsitzende Richterin Susanne Scheiwiller verurteilte den Angeklagten wegen sexueller Übergriffe, sexueller Belästigung und Beleidigung schließlich zu zwei Jahren Haft auf Bewährung. Sein Geständnis habe 28 Frauen "teilweise sicher auch peinliche" Zeugenaussagen erspart, begründete Richterin Scheiwiller das Urteil. Zu seinen Gunsten habe außerdem gesprochen, dass der 37-Jährige sich entschuldigt hatte, noch nicht vorbestraft war, bereits Zeit im Gefängnis verbracht hatte und außerdem bereit sei, eine Therapie zu machen.

Der Angeklagte habe sich bei den Taten "gar nichts gedacht", sagte Scheiwiller, er sei überrascht gewesen, als er für diese schließlich in Haft musste. Zu seinen Lasten müsse gewertet werden, dass es sich nicht um eine einmalige Tat handelte, sondern es über mehrere Monate zu Übergriffen kam. Teilweise belästigte er sogar mehrere Frauen am Tag, an einem Tag kam es gar zu sechs Fällen.

Körperliche Folgen müssten die Frauen nicht davon tragen, sagte Richterin Scheiwiller, wohl könnten die Taten aber psychische Folgen hinterlassen haben. "Man kriegt Angst in den Wald zu gehen, wo es relativ menschenleer ist", betonte sie. Und auch das Selbstwertgefühl könne leiden, wenn man "abgewertet wird auf so einen Gegenstand".

Als Bewährungsauflagen muss der 37-Jährige 120 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und auf eigene Kosten mindestens acht psychotherapeutische Beratungsgespräche machen. Sein Verteidiger kündigte an, sein Mandant werde das Urteil annehmen.

Kommentare

Anmelden um Kommentare zu schreiben

 


X