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So sicher war Nordschwaben noch nie: Polizeipräsidium stellt Kriminalstatistik vor

Aufklärungsquote von 100 Prozent: Die Polizei in Nordschwaben hat im vergangenen Jahr jeden Fall im Bereich Mord und Totschlag aufgeklärt.

Die Corona-Pandemie hat nicht nur das Leben der Bürger in der Region beeinflusst, sondern sich auch auf die Arbeit der Polizei in Nordschwaben ausgewirkt. So gab es im vergangenen Jahr beispielsweise einen Anstieg der Internetkriminalität um knapp 51 Prozent. Die Beamten hatten aber auch mit bislang unbekannten Themen wie gefälschten Impfpässen zu tun. Das Polizeipräsidium Schwaben-Nord kann sich dennoch über die beste Sicherheitsstatistik seit seiner Gründung im Jahr 2008 freuen. Sorgen bereiten den Verantwortlichen allerdings die steigenden Fallzahlen bei der Verbreitung von Kinderpornografie.

Wie der neue nordschwäbische Polizeipräsident Martin Wilhelm im Zuge einer Pressekonferenz am Montagnachmittag erklärte, habe sich der seit Jahren rückläufige Trend auch im Jahr 2021 weiter fortgesetzt. Die Zahl der Straftaten, ausländerrechtliche Verstöße nicht mit einberechnet, sank laut der aktuellen Statistik um 9,5 Prozent auf insgesamt 32 868 Straftaten im vergangenen Jahr. Ein „beeindruckender Gratmesser für die erfolgreiche Ermittlungsarbeit“ des Präsidiums sei nach Ansicht von Wilhelm die Aufklärungsquote, die mit 70,9 Prozent knapp fünf Prozent über dem bayernweiten Durchschnitt liege. Und das, obwohl sie im vergangenen Jahr minimal um 0,4 Prozent gesunken war. Augsburg sei demnach gar die zweitsicherste Großstadt Deutschlands mit über 200 000 Einwohnern.

Zwar könne laut Mario Huber, leitender Kriminaldirektor, rein anhand der polizeilichen Statistiken keine belastbare Aussage darüber getroffen werden, inwieweit sich Corona auf die einzelnen Kriminalitätsfelder ausgewirkt hat. „Offensichtlich“ sei seiner Ansicht nach jedoch, dass es im Bereich der häuslichen Gewalt seit Beginn der Pandemie erneut zu weniger Fällen kam, bei Fälschungsdelikten wurden hingegen neue Maschen erkannt.

Werden bayernweit über 60 Prozent der Vermögens- und Fälschungsdelikte aufgeklärt, beträgt die Quote in Nordschwaben mehr als 85 Prozent. In diesem Bereich habe man, wie Huber berichtete, den niedrigsten Wert der zurückliegenden zehn Jahre festgestellt. Einen starken Anstieg von gefälschten Impfpässen habe die Polizei jeweils nach Einführung der flächendeckenden 3G-Regel, der 3G-Reglung am Arbeitsplatz sowie von kostenpflichtigen Schnelltests, registriert. „In zwei Drittel der Fälle sind die Beschuldigten Männer“, so der leitende Kriminaldirektor.

So erfreulich die aktuelle Sicherheitsstatistik auch sein mag: die nordschwäbische Polizei stellte 2021 den zweithöchsten Wert des vergangenen Jahrzehnts im Bereich der Straftaten gegen das Leben fest, die Mord, Totschlag und fahrlässige Tötung beinhalten. Insgesamt 32 Fälle, was einen Anstieg von knapp über 39 Prozent bedeutet, registrierte das Präsidium. Wichtig zu berücksichtigen sei laut Huber jedoch, dass es sich dabei um Versuche handelte. Sehen lassen kann sich aber die Aufklärungsquote, denn jeder der 23 Fälle im Bereich Mord und Totschlag in Nordschwaben wurde im vergangenen Jahr von der Kriminalpolizei aufgeklärt.

Einen starken Anstieg von 58 Prozent verzeichnete das Präsidium bei der Verbreitung pornografischer Schriften. Gab es im Vorjahr 219 derartige Fälle, lag der Wert vergangenes Jahr bei 346. Dabei sei laut Mario Huber der Anteil an Kindern und Jugendlichen unter den Beschuldigten „überproportional hoch“. Die Heranwachsenden würden es seiner Ansicht nach als „falschen Spaß“ verstehen, entsprechende Bilder und Videos per WhatsApp zu verschicken. Daher setze das Polizeipräsidium verstärkt auf Präventionsarbeit. Mit Vorträgen in vierten und sechsten Klassen sowie an Elternabenden will die Polizei für das Thema sensibilisieren.

Doch auch die Internetkriminalität generell stieg laut der Sicherheitsstatistik im vergangenen Jahr um fast 51 Prozent. Wie Polizeipräsident Martin Wilhelm erklärte, habe sich die Kriminalität zunehmend vom öffentlichen Raum ins Internet verlagert. 1412 Fälle sind der Polizei aus dem vergangenen Jahr bekannt. Da gerade Unternehmen in der Region immer öfter Ziel von Hackerangriffen werden, gibt es seit Juli eine neue Eingreifeinheit, die rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr auf Abruf steht. 14 Mal mussten diese Teams laut Huber bereits ausrücken.

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