Region: Augsburg Stadt

Subunternehmer der Meitinger Lechstahlwerke wegen Bestechung verurteilt

Ein verstorbener Manager der Meitinger Lechstahlwerke soll von zahlreichen Unternehmern Schmiergelder verlangt haben. Am Mittwoch stand ein 64-Jähriger vor Gericht, der 120.000 Euro bezahlt hat.

Ein weiterer Subunternehmer der Meitinger Lechstahlwerke musste sich nun vor dem Augsburger Amtsgericht wegen Bestechung im geschäftlichen Verkehr verantworten. Der 64 Jahre alte Angeklagte soll einem mittlerweile verstorbenen Geschäftsführer des Stahlwerks zwischen 2016 und 2018 mehr als 120.000 Euro an Schmiergeldern gezahlt haben, um weiterhin Aufträge des Werks zu bekommen.

Der Prozess ist nur einer von vielen in der Affäre um das Meitinger Stahlwerk. Einige Urteile gegen Unternehmer, die sich auf die illegalen Machenschaften mit einem ehemaligen Geschäftsführer des Stahlriesen eingelassen haben, sind bereits gefallen. Nun saß am Mittwoch ein 64-jähriger Geschäftsmann aus Ulm auf der Anklagebank.

Bereits im Vorfeld der Hauptverhandlung fand zwischen Rechtsanwalt David Mühlberger, Richter Roland Fink und Staatsanwältin Nazanin Mozaffari eine Absprache statt – ohne Ergebnis. Auch zu Beginn des Prozesses regte Verteidiger Mühlberger ein Rechtsgespräch an, diesmal jedoch wurden sich die Parteien einig und handelten einen sogenannten Deal für den Angeklagten aus.

Im Falle eines umfassendes Geständnisses stellte Richter Fink eine Freiheitsstrafe von maximal zwei Jahren, ausgesetzt zur Bewährung, in Aussicht. Außerdem erwarte den 64-Jährigen eine Geldauflage in Höhe von 25.000 bis 30.000 Euro.

Über seinen Verteidiger räumte der Geschäftsmann schließlich die Vorwürfe ein. Wie Mühlberger ausführte, will der Unternehmer jedoch nichts von Schmiergeldern gewusst haben. Aus Sicht seines Mandanten sei immer von einer "Provision" für einen Vermittler zwischen ihm und einem bereits verstorbenen Geschäftsführer der Lechstahlwerke die Rede gewesen. In wessen Taschen das Geld letztlich floss, will der 64-Jährige nicht gewusst haben. Sehr wohl sei dem Angeklagten aber bewusst gewesen, dass "keine reale Gegenleistung" stattgefunden habe, so Mühlberger.

Der inzwischen verstorbene Manager eines Tochterunternehmens des Meitinger Stahlwerks stellte über eine Firma in Liechtenstein Scheinrechnungen an eine Vielzahl an Subunternehmern. Dabei soll es sich um angeblich vereinbarte Vermittlungsgebühren handeln, die an die ausländische Firma überwiesen werden sollten. Tatsächlich handelte es sich jedoch um Schmiergelder.

Wie aus bereits abgeschlossenen Verhandlungen hervorging, sollten einige Subunternehmer die illegalen Geschäfte des verstorbenen Drahtziehers vertuschen, in dem sie sich gegenseitig Rechnungen ausstellten. Aufgrund der Vielzahl an bekannten Fällen gehen die Ermittler davon aus, dass der ehemalige Geschäftsführer der Lechstahlwerke mehrere Millionen Euro an Bestechungsgeldern kassierte.

Richter: "Verwerfungen und Ekelhaftigkeiten, die sich im Geschäftsleben etabliert haben"

Allein der am Mittwoch angeklagte 64-Jährige bezahlte innerhalb von zwei Jahren im Zeitraum von 2016 bis 2018 in 26 Fällen insgesamt 123.000 Euro. "Das war schon ein mulmiges Gefühl", sagte der Angeklagte auf die Nachfrage des Richters, was er sich dabei gedacht habe, als plötzlich eine Rechnung aus Liechtenstein auf dem Tisch lag.

Das Schöffengericht um Richter Roland Fink verurteilte den Geschäftsmann schließlich zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten, ausgesetzt zur Bewährung. Zudem muss der 64-Jährige 30.000 Euro an gemeinnützige Vereine zahlen. In seiner Urteilsbegründung bezeichnete Fink die Machenschaften des verstorbenen Geschäftsführers bei den Lechstahlwerken als "Verwerfungen und Ekelhaftigkeiten, die sich im Geschäftsleben etabliert haben" und verwies darauf, dass sich der Manager allein mit der in diesem Fall im Raum stehenden Summe an Bestechungsgeldern jeden Monat 5000 Euro "für Nichts" in die Tasche gesteckt habe, während andere Teile der Bevölkerung mit einer Rente von unter 1000 Euro über die Runden kommen müssten.

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