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Tötungsdelikt in Pfersee: Mordprozess gegen 20-jährige Messerstecherin hat begonnen

Der gewaltsame Tod eines 28-Jährigen an einer Haltestelle in Pfersee löste im November in ganz Augsburg Bestürzung aus.

Dieser Fall schockierte im November vergangenen Jahres wohl ganz Augsburg: An einer Haltestelle im Stadtteil Pfersee geriet ein 28-Jähriger am Abend des 27. November in einen Streit mit einem damals 27-Jährigen und dessen 19-jährigen Freundin. Für den 28-Jährigen endete die zunächst eher harmlose Auseinandersetzung tödlich. Die heute 20-Jährige versetzte dem jungen Mann mit einem Klappmesser einen Stich in die Brust, der diesen wohl innerhalb weniger Minuten tötete. Seit Donnerstag muss sich die 20-Jährige wegen des Verdachts auf Mord am Landgericht Augsburg verantworten.

Die 20-Jährige habe mindestens billigend in Kauf genommen, dass der Messerstich den 28-Jährigen töten würde, so die Staatsanwaltschaft in der Anklageschrift. Dass sie für den Stich verantwortlich war, stritt die Angeklagte am ersten Prozesstag nicht ab. Sie habe nicht vorgehabt, den Geschädigten dadurch zu töten. Die junge Frau zeigte sich reuig und ließ auch einen entsprechenden Brief an das Gericht übergeben, der an die Mutter des Opfers gerichtet war. Darin gab die 28-Jährige unter anderem an, für ihre Tat geradestehen zu wollen. Die Worte der Angeklagten nahm die Mutter des 28-Jährigen zur Kenntnis, sie nahm den Brief allerdings nicht an.

Laut der Anklageschrift verbrachte der verstorbene 28-Jährige den Abend des 27. November mit zwei Freunden neben der Bushaltestelle Uhlandstraße, als die 20-Jährige, ihr damals 27-jähriger Freund und ein weiterer Zeuge gegen 18.30 Uhr auf die Gruppe zugingen. Ohne nachvollziehbaren Grund, so die Staatsanwaltschaft, habe sie die Männer beleidigt, indem sie diese als "Pädos" bezeichnete und behauptete, sie hätten ihren Freund "begrapscht". Daraufhin kam es zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen dem 28-Jährigen und dem Freund der Angeklagten, aus der schließlich wohl eine Rangelei und Schubserei wurde.

Zu diesem Zeitpunkt seien beide Männer erheblich alkoholisiert gewesen, und deshalb "zu gezielten, kraftvollen Schlägen weder in der Lage noch dazu entschlossen", so die Staatsanwaltschaft. Dennoch soll die Angeklagte ein Klappmesser aus ihrer Handtasche gezogen, dieses in ihrer Manteltasche versteckt, und den 28-Jährigen aufgefordert haben, ihren Freund in Ruhe zu lassen.

Dabei sei ihr bewusst gewesen, dass der 28-Jährige nicht mit einem Angriff auf sein Leben rechnete, so die Staatsanwaltschaft. Diesen Umstand habe sie ausgenutzt, um sich dem Geschädigten zu nähern und diesen unvermittelt mit dem Messer zu attackieren. Die 20-Jährige versetzte ihm einen etwa 10 Zentimeter tiefen Stich in die Brust, der die zweite Rippe, einen Herzbeutel und die Aortenvorderwand traf. Innerhalb weniger Minuten erlag der 28-Jährige auf der Straße vor der Haltestelle seinen Verletzungen.

Die 20-Jährige äußerte sich vor der Jugendkammer des Gerichts zu ihrem persönlichen Hintergrund. So wollte sie unter anderem erklären, warum sie an diesem Abend überhaupt ein Messer bei sich trug. Die Angeklagte erzählte von zwei Vergewaltigungen, die sie als Jugendliche erlitten habe, weshalb sie nun immer ein Taschenmesser dabei hätte. Außerdem sei sie als Jugendliche wegen eines Borderline-Syndroms in Behandlung gewesen.

Aufgrund ihres Alters könnte die 20-Jährige nach dem Jugendstrafrecht verurteilt werden. Ihre Haftstrafe bei einer Verurteilung wegen Mordes könnte dann zwischen sechs Monaten und zehn Jahren betragen. Aktuell sind noch sechs weitere Prozesstage bis in den August angesetzt. (lat)

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