Region: Augsburg Stadt

Nach Urteil zu tödlichem Messerstich in Pfersee: Familie des Opfers geht in Revision

Freunde des Opfers und Anwohner stellten im vergangenen Jahr Gedenkkerzen für den getöteten 28-Jährigen auf.

Wegen Totschlags war eine 20-Jährige, die im November vergangenen Jahres einen 28-Jährigen in Pfersee durch einen Messerstich tödlich verletzt hatte, am Dienstag im Augsburger Landgericht zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren und zehn Monaten verurteilt worden. Nun hat der Anwalt der Familie des Opfers angekündigt, dass die Nebenklage in Revision gehen wird.

Man gehe diesen Schritt nicht, um eine höhere Strafe für die Angeklagte zu erwirken, betont Anwalt Nicolas Frühsorger, "sondern weil die Familie überzeugt ist, dass ihr Sohn ermordet wurde". Dafür wünschen sich die Angehörigen nun auch die juristische Bestätigung.

Der Anwalt der Nebenkläger ist überzeugt, dass am Tatabend "eine objektive Heimtücke-Situation" bestand. Der 28-Jährige habe zu keinem Zeitpunkt mit einem Angriff auf sein Leben gerechnet und sei der Angeklagten deshalb wehrlos ausgeliefert gewesen – somit seien alle Voraussetzungen für eine Verurteilung wegen Mordes gegeben. Das Gericht habe die 20-Jährige also nur deshalb wegen Totschlags verurteilt, weil man ihr aufgrund ihrer psychischen Probleme nicht habe nachweisen können, dass sie die Situation bewusst ausgenutzt hatte.

Die Nebenkläger wiederum sind überzeugt, dass die 20-Jährige im November nicht aus Panik handelte, sondern wusste, was sie tat. "Die Aussage, sie hätte Angst gehabt, ist lächerlich", sagt Nicolas Frühsorger. "Wenn man Angst hat, verschwindet man." Zudem hätte sie nicht einfach nur ziellos zugestochen, sondern ein Messer mit sechs Zentimeter Klingenlänge mit voller Wucht zehn Zentimeter tief direkt in die Herzgegend des Opfers gerammt. "Das war eiskalt kalkuliert", zeigt sich der Anwalt überzeugt. Es habe sich um eine Rache-Aktion gehandelt, weil die Angeklagte dachte, der 28-Jährige hätte ihren damaligen Freund am Gesäß berührt.

Wie schlimm die Tat war, zeige schon allein das Strafmaß, glaubt Frühsorger. Eine Strafe von sieben Jahren und zehn Monaten für Totschlag im Jugendrecht sei "unglaublich hoch". Das Gericht habe wohl gefürchtet, dass die Verteidigung bei einer Verurteilung wegen Mordes in Revision gehen werde, mutmaßt der Opfer-Anwalt, und sei gleichzeitig davon ausgegangen, dass Staatsanwaltschaft und Nebenklage eine Verurteilung wegen Totschlags bei einem entsprechend hohen Strafmaß akzeptieren würden. Das ist nun auf jeden Fall nicht der Fall. "Wir wollen, dass das Urteil aufgehoben wird", betont Frühsorger.

Kommentare

Anmelden um Kommentare zu schreiben

 


X