Region: Augsburg Stadt

Augsburger Start-Up stellt aus Abfall Wasserstoff her

Das Team von Green Hydrogen Technology hat ein Verfahren entwickelt, um "Grünen Wasserstoff" herzustellen: Technischer Leiter Alfred Edlinger (von links), Kaufmännischer Geschäftsführer Jean Wiech, der leitende Ingenieur Daniel Buchholz, Verfahrensingenieurin Nadja Romdhane, Geschäftsführer Benedict Barth, Projektmanager Wolfgang Baumann und Geschäftsführer Harald Mayer.

Ein Augsburger Start-Up hat ein Verfahren entwickelt, um aus Abfällen wie Klärschlamm und Plastikmüll "Grünen Wasserstoff" herzustellen. Nach Abschluss der Entwicklungsphase will das im vergangenen Jahr gegründete Unternehmen "Green Hydrogen Technology" die Technologie nun in der Praxis erproben.

Dazu errichtet das Unternehmen eine Versuchsanlage im österreichischen Leoben. Baubeginn ist in diesem November. Im Mai 2022 soll die knapp 150 Quadratmeter große Anlage fertiggestellt werden. Im darauffolgenden Juni soll dann erstmals Wasserstoff aus Plastikmüll erzeugt werden.

Das Verfahren umfasst zwei Stufen. In der ersten Stufe des Prozesses werden Ausgangsstoffe wie beispielsweise Klärschlamm mit Hilfe von reinem Sauerstoff sehr hohen Temperaturen ausgesetzt, sodass Heißgas entsteht. Im zweiten Schritt wird aus diesem Gas und Plastikmüll gasförmiger Wasserstoff gewonnen. "Stufe Zwei kann auch eigenständig betrieben werden und an bestehende Biogas-Anlagen angedockt werden", teilt das Unternehmen mit. Diese Stufe soll in der Anlage in Österreich getestet werden.

"Anders als bei der Elektrolyse, mit der man durch Einsatz von elektrischer Energie Wasser in seine Bestandteile zerlegt und so Wasserstoff gewinnt, setzen wir auf ein Heißgasverfahren", erklärt Verfahrensingenieurin Nadja Rondhame und ergänzt: "Damit erzielen wir gegenüber der Elektrolyse einen deutlich höheren Wirkungsgrad und Output. Gleichzeitig sind wir CO2-neutral, was von der Elektrolyse aufgrund des oftmals eingesetzten Strommixes nicht immer behauptet werden kann."

Sobald der TÜV die Zusammensetzung des gewonnenen Wasserstoffs zertifiziert haben sollte, will Green Hydrogen Technology in die Vermarktung von "Stufe-2-Anlagen" gehen und insbesondere Kommunen und Industrie ansprechen. Parallel will das Unternehmen dann auch die Praxis-Erprobung der ersten Stufe vorantreiben. Besonders interessant sei die Technologie für Kunden, die bereits eine Biogas-Anlage betreiben oder Zugang zu Biogas haben. Die bisherigen Entwicklungskosten für das Verfahren liegen bei rund drei Millionen Euro. Das Geschäftsmodell sieht vor, dass das Unternehmen entweder Co-Betreiber der Anlagen wird oder Lizenzen zur Nutzung der patentierten Technologie an Firmen oder Gemeinden als alleinige Betreiber vergibt. (pm)

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