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Corona und Arbeitslosigkeit: Arbeitsagentur zieht Bilanz für 2020

Eine Bilanz über die Entwicklung der Arbeitslosigkeit während der Corona-Pandemie hat nun die Agentur für Arbeit Augsburg gezogen.

In Anbetracht der Ereignisse sei man mit der Entwicklung der Arbeitslosigkeit im Jahr 2020 recht zufrieden. Dieses Fazit zieht nun die Agentur für Arbeit Augsburg in ihrer Bilanz für das Jahr 2020. Nichtsdestotrotz stelle Corona den Arbeitsmarkt durchaus vor Herausforderungen. 

"Die Corona-Pandemie stellt uns nach wie vor vor große Herausforderungen mit deutlichen Auswirkungen für Wirtschaft und Arbeitsmarkt", sagt Elsa Koller-Knedlik, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Augsburg. Dennoch bleibe der Arbeitsmarkt in der Region zum Jahresende verhältnismäßig robust. Bereits vor der Krise stieg die Arbeitslosigkeit seit Mai 2019 leicht und andauernd. Dies sei vor allem strukturbedingt gewesen und durch die Krise zunächst überlagert worden.

"Mit dem ersten Lockdown ab Mitte März zog die Arbeitslosigkeit an, stoppte das Beschäftigungswachstum und die Personalnachfrage brach ein", blickt Koller-Knedlik zurück. Im Herbst habe sich die Lage leicht entspannt. Unternehmen meldeten wieder mehr Stellen, die Arbeitslosigkeit sank und auch auf dem Ausbildungsmarkt hatten junge Menschen weiterhin gute Chancen, einen Ausbildungs-platz zu finden. 2020 waren durchschnittlich 16.731 Personen arbeitslos gemeldet. Für sie hat die Agentur knapp 111 Millionen Euro an Arbeitslosengeld I und knapp 21 Millionen Euro an Arbeitslosengeld II und Sozialgeld gezahlt.

Zu der vergleichsweise robusten Situation auf dem Arbeitsmarkt trage auch der massive Einsatz von Kurzarbeit bei. Im April habe die Agentur den Höchststand an Anzeigen auf Kurzarbeitergeld verzeichnet. In den darauf-folgenden Monaten gingen deutlich weniger Anzeigen ein, seit November gebe es aber wieder einen signifikanten Anstieg. Seit März gingen insgesamt 15.050 Anzeigen für 102.031 Beschäftigte ein. 178 Millionen Euro Kurzarbeitergeld wurden an die Betriebe ausgezahlt.

Am Ende dieses Jahres wurden im Jahresdurchschnitt 16.731 Arbeitslose notiert. Die Erwerbslosenquote 2020 betrug 4,3 Prozent, letztmals war sie im Jahr 2015 höher. Bei allen Personengruppen wurde ein Anstieg verzeichnet, der sich über eine Bandbreite von 17,8 Prozent bei den Menschen mit Behinderung bis hin zu 40,3 Prozent bei den Jugendlichen erstreckte. Insgesamt hat sich die Arbeitslosigkeit im gesamten Agenturbezirk um 27,6 Prozent erhöht.

Im Bereich der Ausbildung sei der Markt für die Bewerber weiterhin sehr günstig geblieben, berichtet Koller-Knedlik. Rein rechnerisch habe es auch im vergangenen Jahr mehr Stellen als Bewerber gegeben. Die Zahl der Ausbildungsstellen sank um 4,2 Prozent. Die Zahl der Bewerber stieg um 1,5 Prozent. Insgesamt kamen auf 100 Bewerber 122 Ausbildungsplätze (3863 Bewerber und 4710 Ausbildungsstellen).

Trotz der Krise stehe der Arbeitsmarkt nicht still. Zwar meldeten sich im Rückblick weniger Menschen arbeitslos als noch ein Jahr zuvor. Doch schafften deutlich weniger Menschen den Schritt aus der Arbeitslosigkeit heraus. Im Jahresverlauf gab es 49.664 Zugänge in und 45.674 Abgänge aus der Arbeitslosigkeit. Diese hoch erscheinenden Zahlen während des Jahres zeigten die Dynamik auf dem Arbeitsmarkt. Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet die Agentur ein Minus von 4429 Zugängen und ein Minus von 7807 Abgängen.

Die Arbeitskräftenachfrage sei stark rückläufig, so Koller-Knedlik weiter. Nur noch 12.232 Stellen wurden gemeldet, was einem Minus von 23,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Das bedeutete einen Zugang von durchschnittlich 1019 Stellen pro Monat (2019: 1339 Stellen), wobei der Tiefpunkt im Monat April lag mit nur 489 Stellenmeldungen. Die meisten Stellen kämen aus der Arbeitnehmerüberlassung mit 3857 (Anteil 31,5 Prozent, Vorjahr 6.291, Anteil 39,1 Prozent) sowie dem Handel mit 1403 Stellen (Anteil 11,5 Prozent, Vorjahr 1.697, Anteil 10,6 Prozent).

Das Jahr 2020 zeichne ein sehr heterogenes Bild vom Arbeitsmarkt. Im Lockdown hätten zeitweise 42 Prozent der Firmen Kurzarbeit angezeigt und somit im Umkehrschluss 58 Prozent normal weitergearbeitet. Gerade Bereiche wie Handel und Gastronomie waren stark von der Kurzarbeit betroffen. In der gegenwärtigen Krise gebe es aber auch Firmen, die volle Auftragsbücher haben und Firmen, die neue Geschäftsmodelle entwickeln. Daneben arbeiten einige Firmen seit dem Vorjahr an ihren Transformationsplänen. Für diese wirke Corona oft als Katalysator und treibe den Umbruch stärker voran.

"Ich erwarte keinen extremen Einbruch auf dem Arbeitsmarkt im Jahr 2021", prognostiziert Koller-Knedlik. "Es kommt aber darauf an, wie lange der Lockdown dauert und wie unsere Wirtschaft es schafft, sich auf die Herausforderungen der Tranformation einzustellen und Zukunftsthemen umzusetzen. Ich bin optimistisch, dass wir das in unserer Region gut meistern werden." Dabei kämen der Region der breite Branchenmix, die mittelständisch geprägte Wirtschaftsstruktur und das starke Handwerk zugute, außerdem bestünden seit Langem krisenerfahrene Allianzen, die sich koordiniert für die Betroffenen einsetzen. Auch im Zeitalter der Digitalisierung und der Transformation gebe es nicht weniger Arbeit, die Arbeit verändere sich jedoch. Langfristig müsse man gegen den Fachkräftemangel kämpfen und stark auf die Qualifizierung von Arbeitslosen und Beschäftigten setzen. (pm)

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